Wie verändert der Klimawandel das Leben in der Antarktis?

Prof. Dr. Julian Gutt, Meeresbiologe am Alfred-Wegener-Institut.

Biodiversität

Antarktis

IPBES

Es besteht unter Fachleuten Konsens darüber, dass die Natur vor allem deshalb Schaden nimmt, weil der Mensch sie übermäßig nutzt. Im Südlichen Ozean allerdings ist wohl nicht der Mensch direkt, sondern der von ihm verursachte Klimawandel der entscheidende Treiber für Veränderungen. Erwärmte sich zunächst nur das Gebiet westlich der Antarktischen Halbinsel auffallend stark, scheint sich dieser Trend jetzt nach und nach auf die restliche Antarktis auszudehnen.

Während Forscher die physikalischen Veränderungen in der Atmosphäre, im Eis und im Ozean dokumentieren und mittlerweile gut erklären können, sieht es in der Biologie anders aus. Es gibt zwar reichhaltiges Grundlagenwissen zu den Überlebensstrategien der antarktischen Meeresbewohner; aber nur einige wenige Langzeitbeobachtungen, die aufzeigen, wie die bestens an Kälte angepassten Lebensgemeinschaften des Südpolarmeeres auf Wärme und schrumpfendes Meereis reagieren – zum Beispiel der Antarktische Krill. Wie sich der Klimawandel jedoch insgesamt auf die Lebensgemeinschaften des Südpolarmeeres auswirkt und inwiefern er die Nahrungsbeziehungen verändern wird, ist noch weitestgehend unklar.

Bei unserer biologischen Forschung in der Antarktis konzentrieren wir uns deshalb nicht allein darauf, Veränderungen zu dokumentieren. Stattdessen versuchen wir, ein großräumiges Systemverständnis und entsprechende Computermodelle zu entwickeln, mit deren Hilfe ökologische Vorhersagen möglich werden. Bisherige Schutzbemühungen in der Antarktis zielen überwiegend darauf ab, Rückzugsorte für die kälteliebenden Arten zu erhalten und zusätzlichen menschengemachten Stress zu vermeiden. Im Grunde aber wissen wir, dass viele Bewohner des Südpolarmeeres infolge ihrer Anpassung an die speziellen polaren Bedingungen sehr empfindlich auf Umweltveränderungen reagieren. Bekannt ist mittlerweile aber auch, dass es Arten gibt, die von der Meereserwärmung und dem Schmelzen der Eismassen profitieren, so zum Beispiel Salpen, die an der Westküste der Antarktischen Halbinsel inzwischen viel häufiger vorkommen. Der Klimawandel im Südpolargebiet hat also auch seine Gewinner.