PS105 - Wochenbericht Nr. 1 | 20. März - 11. April 2017

Transitfahrt von Punta Arenas bis Las Palmas

[06. April 2017] 

Die Rückkehr von der diesjährigen Antarktissaison begann für Polarstern mit dem Auslaufen in Punta Arenas am Abend des 20. März 2017. Etwas früher als geplant ging es mit einem kleinen Team aus Wissenschaftlern und einem Team von Technikern an Bord durch die Magellanstraße in Richtung Atlantik.

Die Reise begann bei klarer Sicht und wenig Seegang. In dieser Region kann es durchaus zu starkem Wind kommen aufgrund von Tiefdruckgebieten über dem südamerikanischen Festland. Doch davon blieben das Schiff und seine Besatzung glücklicherweise verschont. Nach ein paar naturgemäß schwierig vorherzusehenden Nebelfeldern verlief die Reise überwiegend sonnig bei täglich steigenden Temperaturen, die dazu einladen an Deck auf den weiten Atlantik zu schauen, um mit Glück ein paar Delfine und fliegende Fische zu beobachten. Natürlich aber auch, um nach Feierabend die schönen Sonnenuntergänge in verschieden Rottönen und den südlichen Sternenhimmel zu genießen.

Um für die Fernerkundung von Aerosoleigenschaften und Wasserdampfgehalt Referenzwerte zu ermitteln, werden auch auf diesem Fahrtabschnitt für das Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg Messungen mit MICROTOPS durchgeführt. Dabei wird das direkt einfallende Sonnenlicht auf seine Spektralverteilung analysiert. Über die bekannten Absorptionsbanden von Aerosolen und Wasserdampf lassen sich dann Rückschlüsse auf deren Verteilung in der Luftsäule ziehen.

Auf Anregung des Betreibers der Europäischen Wettersatelliten, EUMETSAT, wurde vor einigen Jahren das Projekt EUMETrain ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um ein virtuelles Klassenzimmer mit dem Ziel, vor allem Meteorologen in der Nutzung von Satellitendaten zu schulen. Es liegen einerseits Module zum Selbststudium vor, andererseits finden immer wieder Kurse zu verschiedenen Themen statt, die teils online, teils im Klassenzimmer stattfinden. Parallel zu PS105 führen die Kollegen vom portugiesischen Wetterdienst einen Kurs in maritimer Wettervorhersage durch. Um den Teilnehmern den praktischen Nutzen ihres Unterrichts zu zeigen, wird über einen regelmäßigen Blog von Bord, der über die Seiten von EUMETSAT abzurufen ist, berichtet. Außerdem wird ein Archiv von an Bord erhältlichen Wetterdaten angelegt, das nach der Fahrt zu einem weiteren Lernmodul ausgearbeitet werden soll.

Auf diesem Fahrtabschnitt setzt das ISOTAM-Team der Universität Göttingen wieder ihre luftchemischen Messungen von PS102 und PS103 fort. Auf allen drei Fahrtabschnitten werden Luftpartikel mit Filtersystemen und Impaktoren gesammelt. Dabei geht es ausschließlich um das gasförmige Ammoniak und Ammoniumaerosol. Anschließend werden die Filter auf Konzentrationen und N-Isotope untersucht. Mit Hilfe der Bestimmung der Isotopenkonzentrationen können sich die Quellen des Ammoniaks und des Ammoniums ermitteln lassen. Wie unterscheiden sich die Konzentrationen abhängig vom Breitengrad unter dem Einfluss der verschiedenen Kontinente auf die Zusammensetzung der Luft? Welche Rolle spielt der Ozean dabei? Wie ist der Austausch mit der Atmosphäre über dem Ozean und dem Oberflächenwasser? Nimmt er Ammonium auf und ist eine Senke, oder gibt er Ammonium ab und ist somit eine Quelle? Wie ist der Austausch wenn der Ozean mit Eis bedeckt ist?

Im Fokus dieses Atlantiktransits liegen die Arbeiten, die derzeit im Maschinenraum stattfinden: im Herbst soll die Polarstern zwei neue Wellengeneratoranlagen bekommen. Da in der Werftzeit im Maschinenraum diverse Reparaturen durchgeführt werden, wird die Verkabelung zwischen den Wellengeneratoren und den Umrichterschränken bereits während dieser Fahrt erneuert. Hierzu wird zunächst einer der beiden Wellengeneratoren abgeschaltet. Der jeweils andere muss dann das komplette Schiff vollständig mit Strom versorgen. Die alten Kabel werden entfernt und durch neue ersetzt, was sich trivial anhört, allerdings aufgrund der Enge, einer Raumtemperatur von bis zu 50°C sowie des Lärms der vier laufenden Hauptmaschinen sehr aufwändig und belastend ist. Am 28.03.2017 konnte hierbei der erste Erfolg vermeldet werden, als der erste neu verkabelte Wellengenerator erfolgreich in Betrieb genommen wurde.

Gestern haben wir den Äquator überquert und nähern uns langsam Las Palmas. Dort werden wir am 11. April einen kurzen Zwischenstopp einlegen, damit weitere Wissenschaftler und Studenten im Rahmen eines Trainingsprogramms zusteigen können.

Liebe Grüße aus den Weiten des Atlantiks,

Julia Goedecke & Daniel Machill

Kontakt

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