Unterwasser-Akustik

Schwertwale, wer von euch pfeift denn hier?

AWI-Biologen identifizieren erstmals die Unterwasserlaute der kleinsten aller Schwertwale
[14. März 2017] 

In den Gewässern der Antarktis leben vier verschiedene Schwertwal-Typen, die sich zum Beispiel im Aussehen und in ihren Jagdweisen unterschieden. Aber: Über die genaue Verbreitung und die Lebensweise dieser vier Orca-Typen weiß man bislang wenig, weil ihr Lebensraum schwer zugänglich ist. Deshalb versuchen AWI-Forscher, den Tieren mit Unterwasser-Rekordern auf die Spur zu kommen und ihre Laute zu entschlüsseln. Bisher aber war unklar, mit welchen Rufen und Tönen die Schwertwale überhaupt miteinander kommunizieren.

Schwertwale des antarktischen Ökotyps C in der Atkabucht.
Schwertwale des antarktischen Ökotyps C in der Atkabucht. (Foto: Thedda Hänssler)
Antarktische Schwertwale (Orcinus orca) des Ökotyps C in der Atkabucht, Weddellmeer
Antarktische Schwertwale (Orcinus orca) des Ökotyps C in der Atkabucht, Weddellmeer (Foto: Thedda Hänssler)

Den AWI-Meeresbiologinnen Ilse van Opzeeland und Elena Schall ist es jetzt erstmals gelungen, Tonaufnahmen von der Kommunikation antarktischer Schwertwale des Ökotyps C zu machen und diese einer Schule von mindestens vier Tieren direkt zuzuordnen. Die Aufnahmen gelangen in der Atkabucht des Weddellmeeres, wo die Forscher in der Nähe der deutschen Forschungsstation Neumayer III das Unterwasserobservatorium PALAOA betreiben.

Die Schwertwale tauchten im Februar 2013 an zwei Tagen in der Bucht auf, sodass die Wissenschaftler insgesamt vier Stunden lang die Kommunikation der Meeressäuger mit einem Hydrophon aufnehmen konnten. Gleichzeitig fuhren Überwinterer der Neumayer-Station III an die Schelfeiskante und fotografierten die Tiere in der Bucht. Der Abgleich von Fotos und Aufzeichnung machte jetzt eine genaue Identifikation der Lautquelle möglich. Doch wie verständigen sich antarktische Schwertwale des Ökotyps C?

Die kleinsten aller Schwertwale gaben während ihrer zwei Stippvisiten in der Atkabucht mehr als 2000 Klick-, Pfeif- und Basslaute von sich. Letztere konnten die Forscher in 26 Lautgruppen einteilen. Diese spezifischen Rufgruppen können den Wissenschaftlern nun bei zukünftigen Sound-Analysen als akustische Erkennungsmerkmale dienen und helfen ihnen auf diese Weise, mehr über die Verbreitung und das Verhalten der Tiere herauszufinden.

Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten Ilse van Opzeeland und Elena Schall gestern im Fachmagazin Aquatic Mammals. Die Studie ist dort unter folgendem Titel erschienen:

Elena Schall, Ilse Van Opzeeland: Calls produced by ecotype C killer whales (orcinuc orca) off the Eckström Iceshelf, Antarctica. Aquatic Mammals 2017, 43(2) 117-126, DOI: 10.1578/AM.43.1.2017.117

Im folgenden Video können Sie die Unterwasseraufnahmen auch hören. 

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