PS103 - Wochenbericht Nr. 1 | 16. - 20. Dezember 2016

Wir lassen Kapstadt hinter uns

[21. Dezember 2016] 

 

16. Dezember, Tag des Auslaufens

Wie geplant drückt sich Polarstern um Punkt 18:00 von der Pier in Kapstadt ab und macht sich zu ihrer 103. Expedition auf den Weg in die Antarktis. 

Eigentlich begann diese Expedition jedoch schon vor fast 9 Monaten mit einer ersten Vorbesprechung aller beteiligten wissenschaftlichen Gruppen, der Logistik des AWI, der das Schiff betreuenden Reederei Laeisz sowie der für den Helikopterbetrieb verantwortlichen Fa. Heli Service International GmbH.  Nach Monaten der Vorbereitung kamen vor zwei Tagen die ersten Wissenschaftler an Bord, um die zahlreichen Container mit wissenschaftlicher Fracht noch im Hafen auszustauen (Abb. 1), während das Gros der wissenschaftlichen Expeditionsteilnehmer sich heute um 12:00 einschifft.  Bereits beim Auslaufen (Abb. 2) erwartet uns direkt vor dem Hafen eine lange, immerhin noch 3,5 m hohe Dünung, die sorgfältiges Zurren der zahlreichen Kisten mit Ausrüstung erfordert.  Zuvor steht jedoch noch die Sicherheitseinweisung an, einschließlich Sammeln auf dem Helikopterdeck, Probealarm und Aufsuchen der Rettungsboote.  Alles kein Problem auf Polarstern, denn jedes Deck verfügt backbords und steuerbords über Außentreppen, die auf direktem Weg dorthin führen.

Abb. 1: Ausstauen der wissenschaftlichen Container im Hafen von Kapstadt. (Foto: Olaf Boebel)
Abb. 2 Der Kapstädter Hafenlotse verlässt das Schiff. (Foto: Sandra Tippenhauer)

 

17. Dezember, 1. Tag auf See

Im Laufe der Nacht flachte die Dünung immer weiter ab, und alle an Bord nahmen am Morgen ihre Arbeit auf.  Der erste Tag auf See steht vor allem unter dem Zeichen des Zurechtfindens (für die Neuen an Bord) und des Organisierens.  Die Labore werden zugeteilt, 4 für die Biologie, 4 für physikalische Ozeanographie, eines für das Medienteam, und die Temperaturen für die Kühlräume und Laborcontainer werden festgelegt.  Die Schiffsleitung stellt sich vor und erklärt die Regeln an Bord.  Mit fast 100 Personen erfordert das enge Zusammenleben in den kommenden sechs Wochen gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis für die Aufgaben aller Beteiligten.  

Bereits in der Nacht, mit Passieren der 12 Meilen-Zone, beginnt das Phytooptik-Team mit seinen Messungen. Bereits zwei Tage vor dem Auslaufen kamen sie an Bord, um ihre Messapparaturen aufzubauen und zu testen, sodass sie wenige Stunden nach Auslaufen ihre Aufzeichnungen beginnen können.

18. Dezember, 2. Tag auf See

Nachdem gestern die Labore und Laborcontainer zugewiesen wurden, steht dieser Tag im Zeichen des Einrichtens.  Die Ozeanographie bereitet bereits Messgeräte vor, die in der kommenden Woche im Rahmen des ozeanographischen Langzeitobservatoriums in den Tiefen des Ozeans verankert werden und dort für weitere 2 Jahre Daten sammeln sollen, während die Biologie ihre Mikroskope und Messeinrichtungen installiert.  Selbst die empfindlichsten und filigransten Geräte müssen dabei seefest gelascht werden, da die Wettervorhersage für die kommende Nacht nicht allzu rosig aussieht: bis zu 10Bft sagt unser bordeigenes Meteorologieteam vorher.

Abb. 3: Das Arbeitsdeck von Polarstern im Sturm. (Foto: Mathias van Caspel)

19. Dezember, 3. Tag auf See

Bei 6m Welle schiebt sich Polarstern gegen den Sturm, der seit Mitternacht herrscht, weiter gen Südwesten.  Erfreulicherweise kommt die See aus einer günstigen Richtung, sodass das Schiff sich nicht feststampft sondern relativ ruhig in der Welle liegt. Der Rundgang am Morgen ergab erfreulicherweise, dass die Nacht ohne Bruch an den wissenschaftlichen Geräten überstanden wurde, nur die Reihen der Wissenschaftler am Frühstückstisch haben sich etwas gelichtet.  Da unter diesen Bedingungen (Abb. 3) an Deck nicht gearbeitet werden kann, nutzen einige gute Geister die Zeit, um etwas weihnachtliche Dekoration aus alten Seekarten zu erstellen und sich mit der möglichen Gestaltung des Weihnachtabends zu befassen.  

20. Dezember, 4. Tag auf See

Die See hat sich wieder beruhigt, und wir sehen unserer ersten Station durchaus mit Vorfreude und etwas Spannung entgegen, die gegen 13:00 beginnen soll.  „Station“ bedeutet, dass das Schiff die Nase in den Wind dreht und auf der Stelle stehen bleibt, so dass Messgeräte oder Netze auf Tiefe gefiert werden können, um Proben oder Daten zu gewinnen.  Unsere Standard-Konfiguration für diese Reise ist dabei zuerst der Einsatz der CTD (engl. Conductivity, Temperature, Depth), mit der ein Tiefenprofil von Salzgehalt und Temperatur des Ozeans gemessen wird und danach das Ausbringen von Multinetz und zwei Bongo Netzen, mit denen wir Planktonproben für die biologischen Untersuchungen gewinnen.  Dieser ersten Station werden in den kommenden Tagen weitere Stationen folgen, über deren Sinn und Zweck im kommenden Wochenbericht (erst zum 5. Januar wegen der weihnachtlichen Schließung des AWI) berichtet wird.

Bis dahin wünschen alle Expeditionsteilnehmer ihren Angehörigen, Freunden und an unserer Arbeit Interessierten daheim oder auf See ein friedliches und schönes Weihnachtsfest, trotz oder gerade wegen der traurigen Nachrichten aus Berlin, und einen guten Rutsch in das kommende Jahr.

 

Olaf Boebel

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