Küstenforschung

Mya II operiert jetzt auch im internationalen Fahrwasser

Das AWI-Wattenmeerforschungsschiff erhält Zulassung für Arbeiten in dänischen Gewässern
[08. Dezember 2016] 

Es ist nicht mehr als der sprichwörtliche Katzensprung vom Lister Hafen in internationales Fahrwasser, in dem jetzt auch das AWI-Wattenmeerforschungschiff MYA II operieren darf. In diesem Jahr erhielt das Schiff die Zulassung des dänischen Außenministeriums in Kopenhagen für Messkampagnen in dänischen Gewässern. Die ersten deutsch-dänischen Forschungsarbeiten an Bord der MYA II haben in den zurückliegenden zwei Wochen stattgefunden.

Die AWI Wattenmeerstation auf Sylt liegt im innereuropäischen Grenzgebiet. Vom Institutsgebäude am Lister Deich bis zur dänischen Seegrenze ist es eine Strecke von gerade mal einer Seemeile. Auch das Hauptforschungsgebiet der Sylter AWI-Wissenschaftler, die Sylt-Rømø Bucht, ist geografisch geteilt. Sie liegt zu etwa gleichen Teilen auf dänischer und deutscher Seite. Ein Umstand, der in der Vergangenheit dazu geführt hat, dass das AWI-Wattenmeerforschungsschiff Mya II nur in der deutschen Buchthälfte operieren durfte - und das, obwohl die AWI-Wattenmeerforscher seit langem eng mit ihren dänischen Nachbarn zusammenarbeiten. 

In diesem Jahr aber hat das Schiff die Erlaubnis des dänischen Außenministeriums erhalten, auch im dänischen Teil der Bucht zu operieren. Deutsche und dänische Wissenschaftler nutzten diese Zulassung nun für die erste gemeinsame Messkampagne von Bord der Mya II aus. "In Rahmen einer neu aufgesetzten Kartierung wollen wir die Morphologie, Sedimente und Habitate der gesamten, mehr als 400 Quadratkilometer großen Sylt-Rømø Bucht erfassen", sagt AWI-Projektleiter Dr. Lasse Sander.

Die ersten Messfahrten dafür haben in den zurückliegenden zwei Wochen stattgefunden. Dabei vermaßen die Forscher das Lister Tief mit hydroakustischen Methoden. Dieser Wattenmeerabschnitt ist der morphologische Flaschenhals, durch den die Wassermassen der Sylt-Rømø Bucht hindurchmüssen. Das Lister Tief hat somit eine Schlüsselfunktion zum Beispiel für die Sedimentbalance der Wattenbereiche hinter den Inseln. "Der Bereich ist durch eine starke Dynamik und einen enorm hohen Reichtum an Bodenformen gekennzeichnet", erläutert Lasse Sander. 

Am Anfang des kommenden Jahres werden er und seine dänischen Kollegen die Messarbeiten auf beiden Seiten der Grenze fortführen. "Dank der Zulassung für die dänischen Gewässer haben sich unsere Forschungsmöglichkeiten rund um Sylt enorm erweitert. Wir haben somit ideale Arbeitsbedingungen", so Lasse Sander. 

Um die Auflagen für Arbeiten in dänischen Gewässern zu erfüllen reiste eigens ein Kollege von der Universität Kopenhagen an um die Rolle des Beobachters an Bord zu übernehmen. Anfang nächsten Jahres werden mit der Mya II die Messarbeiten auf beiden Seiten der Grenze weitergeführt. Die Fahrterlaubnis der MYA II in dänische Gewässer ermöglicht so eine ideale Erweiterung der Forschungsmöglichkeiten vom Standort Sylt aus.

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