PS111 - Wochenbericht Nr. 2 | 27. Januar - 2. Februar 2018

Neumayer und umzu

[09. Februar 2018] 

Jetzt sind wir da - Polarstern wühlt sich mit der gewohnten Gelassenheit durch die maroden Reste der Wintereisdecke, die Navigation fokussiert den Nordanleger.

Auf dem Weg durch die Schollen kommt uns die erste Robbe in die Quere. Sie erhält von unseren Robbenforschern als Geschenk einen Sender. Über den können wir lernen, was Robben so machen - tauchen, fressen, schlafen, tauchen, fr… - ein wundervolles Leben im Südpolarmeer. Allerdings macht eine Robbe noch keinen „Sommer“ und so müssen für die wissenschaftlichen Untersuchungen noch einige mehr gefunden werden.

Und dann kommt man auf das Arbeitsdeck. Statt dass der Blick wie gewohnt ozeanweit bis zum Horizont Platz hat, trifft er unvermittelt und direkt auf eine 10 m hohe Eiswand, die Bordwand nach oben verlängernd. Wir haben an der Schelfeiskante angelegt.

Die 2-tägige Entladung von 130 Tonnen, verteilt über 15 Container, 150 qbm Treibstoff, 64 qbm Kerosin, Pistenbulli und reichlich Kleinkram ist Routine. Besatzung und Wissenschaft können inzwischen eine Besichtigung der Überwinterungsstation Neumayer III „buchen“ - inkl. 20 km Schlittenfahrt - gezogen von 300 Pferden auf Ketten. Uns umgibt ideales Ladungs- und Reisewetter bei um die -5°C, gehauchten 2 Beaufort Wind und durchwachsener Bewölkung, die den Sonnenschutzfaktor von 50 unterstützt. Hochsommer in der Antarktis halt. Was fehlt noch? Pinguine! Ein Kaiserpinguin als Botschafter hält sich diskret fünf Schollen querab, Kleingruppen von Adelies komplettieren die Biosphäre über dem Eis. Aber für dieses tolle Schiff scheint das unterkühlte Federvieh sich nicht sonderlich zu interessieren. Nun sind unsere Entladungen in der Atkabucht seit 35 Jahre ja auch nicht wirklich was Neues.

Neumayer III: Als Wunderwerk deutscher Ingenieurskunst kann sie vor dem Schneezutrag weglaufen - nach oben! https://www.awi.de/expedition/stationen/neumayer-station-iii/bau-der-neumayer-station-iii.html Nette Kollegen führen uns über alle Stockwerke während die die neue Mannschaft für die nächste Überwinterung hochkonzentriert Lebensmittel für die nächsten 12 Monate in ihre Speisekammern stauen - hat etwas von Nestbautrieb. Wir stehen nicht lange im Weg rum und besuchen EDEN, den neuen Pflanzenzuchtcontainer des DLR. Das Grünzeug sprießt bereits, reicht aber noch nicht für einen Gemüseeintopf. Zurzeit sind 53 Menschen auf der zwar gut dimensionierten aber im Sommer doch an ihre Grenzen stoßenden Polarstation. Wenn dann in einigen Tagen alle weg sind, werden 10 verbleibende Überwinterer aufatmen, sich häuslich einrichten und die Station für ein Jahr am Laufen halten (nach oben). Und noch eine aktuelle Meldung aus der Geschichte deutscher Überwinterungen: Neumayer II („Altmeyer“) hat nun endgültig der Schneelast von 25 Jahren nachgegeben und ist nicht mehr begehbar.

Mit einem Fußballspiel „Polarstern gegen Neumayer“ und anschließendem Heißgetränk geht dieser Expeditionsauftrag zu Ende. Abschied und Ablaufen in Richtung Süden, wo die Eisschollen dichter werden. Die Woche endet mit der Entfaltung dieses universellen Forschungsschiffes zu voller Blüte. Zwischen hoher Atmosphäre und tiefem Meeresboden haben alle polaren Teile des Erdsystems Beachtung und Beprobung zu erwarten. Die mitgebrachte Werkzeugpalette umfasst eine Vielzahl unterschiedlichster Geräte und Messmethoden, über die wir in den nächsten Wochen berichten werden - die Spannung steigt mit der Arbeitsmoral - oder umgekehrt?

Für PS111 grüßen der Fahrtleiter und alle beteiligten Mitautoren aus einer sonnigen Küstenpolynya vor markanter Eiskante - alles wohlauf an Bord.

Nachtrag zu Wochenbericht 1: Auf der Anfahrt haben wir zwischen Kapstadt und Neumayer „mal soeben“ eine Fläche unbekannten Meeresbodens von der Größe Niedersachsens kartiert.

 

Michael Schröder, Fahrtleiter PS111

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