Wochenberichte Polarstern

Die Expedition PS119 Punta Arenas - Port Stanley

Forschungsschiff Polarstern startet am 13. April 2019 zu seiner 119. Expedition, die das Schiff in die Subantarktis führt. Das Schiff wird von Punta Arenas (Chile) nach Osten durch die Magellanstrasse in den Südatlantik aufbrechen . Nach circa 4-5 Tagen Transit wird Polarstern Südgeorgien erreichen, wo auf dem südlichen Schelf des Mikrokontinentes südlich der Paradise Bucht ein erster Tauchgang mit MARUM ROV QUEST zur sogenannten Paradise Flare Lokation geplant ist. Sedimentbeprobungen auf dem Schelf und in der südlich anschließenden Tiefseeregion ergänzen ein Stationsprogramm von ca. 1-2 Tagen.

Danach wird Polarstern das Hauptuntersuchungsgebiet der Sandwich-Inseln aufsuchen. Ziel der Arbeiten dort ist die multidisziplinäre Untersuchung von hydrothermalen und kalten Quellen mithilfe geophysikalischer und geologischer Methoden sowie visueller Meeresbodenbeobachtungen und Probennahme. Neu zu entdeckende Austritte von Gas und Fluiden sollen geologisch und geochemisch charakterisiert werden. Bisher gibt es nur sehr wenige Hinweise auf Seeps und Vents entlang der Sandwich-Mikroplatte. Neu zu entdeckende Seeps und Vents sind von besonderem Interesse, da die Sandwich-Mikroplatte ein wichtiges Verbindungsglied zwischen dem Weltozean und der Antarktis darstellt, und damit gerade auch im Hinblick auf die Biogeographie von chemosynthetischen Lebensgemeinschaften eine Schlüsselstellung einnimmt. Zudem nimmt die Sandwich-Mikroplatte eine besondere geologisch-geochemische Stellung ein, wegen ihrer Lage südlich der Polarfronten innerhalb des Opalgürtels einerseits und ihrer Tektonik mit einer Konvergenz-Zone zwischen zwei ozeanischen Platten andererseits. Bislang gibt es hydrothermale Quellen an den Segmenten E2 und E9 des östlichen Scotia Rückens, wohingegen kalte Quellen im Bereich des Fore-Arcs bisher nicht bekannt sind. In Analogie zu anderen konvergenten Plattengrenzen sind hier Fluidaustritte zu erwarten.

Wir planen Vermessungen in bisher unkartierten Bereichen des Back-Arcs zwischen den Sandwich-Inseln und dem bis zu 8.000 m tiefen Tiefseegraben mit dem Fächerecholot sowie mit dem Sedimentecholot. Dabei steht die Untersuchung von heißen und kalten Quellen im Mittelpunkt, wobei zahlreiche Tauchgänge mit ROV QUEST zur Untersuchung und Beprobung der Vent-Lokationen durchgeführt werden sollen. Sedimentbeprobungen mit Kolben- und Schwereloten, sowie Multicorer werden zur Beprobung von Seeps und paläozeanographische und sedimentgeologische Studien im Opalgürtel durchgeführt.

Untersuchungen der Wassersäule mittels CTD und Wasserschöpfern für mikrobiologische Fragestellungen und zur Detektion von Gasemissionen ergänzen das Programm, genauso wie Beprobungen des kieseligen Phyto- und Zooplanktons der Wassersäule im südlichen Antarktischen Zirkumpolarstrom. Visuelle Direktbeobachtungen und bathymetrische Vermessungen werden auch mit dem Tiefseefotoschlitten OFOB des AWI entlang von überstreichenden Bodenprofilen durchgeführt.

Die Erwärmung der Ozeane kann zu Verschiebungen von Verbreitungsmustern mariner Organismen führen, die bei fehlenden Grundlagenkenntnissen über Verbreitung und Populationskonnektivität unbemerkt bleiben und Folgen schwer zu prognostizieren sind. Insbesondere im Scotiameer hat die Erwärmung des Oberflächenwassers zu Veränderungen von Abundanz und Verbreitung von zooplanktonischen Arten geführt. Eine polwärts verlaufende Ausdehnung der Verbreitungen einiger Crustaceenarten wird aufgrund geringer thermaler Einschränkungen vorhergesagt, z.B. für die Art Themisto gaudichaudii. Das Projekt ThemPo bietet die Möglichkeit, die genetische und trophische Konnektivität diese wichtige Planktonart zu untersuchen, um Erkenntnisse über deren Anpassung und Verbreitung zu gewinnen.

Parallel zu den marinen Untersuchungen sind Helikopterflüge zur quantitativen Erfassung von Großwalpopulationen geplant. Über 2 Millionen Großwale wurden zur Zeit des kommerziellen Walfangs in der Antarktis getötet und der Erholungszustand der Wale, vor allem der Finnwale ist bis heute wenig untersucht. Weiterhin sind vulkanologische Untersuchungen auf den Vulkanen der Süd-Sandwich Inseln geplant. Diese umfassen strukturgeologische Geländemessungen, Drohnenüberflüge und die Radarsatellitendatenauswertung auf den beiden Inseln Saunders und Zavodovski. Beide Inseln beherbergen Vulkane, die rezente Ausbrüche erleben. Der Vulkan Mount Michael (Saunders) zeigt einen der weltweit seltenen, periodisch auftretenden Lavasee, der genauer untersucht werden soll. Von den Süd-Sandwich Inseln aus sind die Falklandinseln in 4-5 Tagen zu erreichen, wo das Einlaufen von Polarstern am Freitag den 31. Mai in Port Stanley geplant ist.

PS118 - Wochenbericht Nr. 8 | 1. - 7. April 2019

Ende der Arbeit und Heimreise

[08. April 2019] 

In der letzten Woche haben wir unsere Arbeiten im Powell Becken beendet, einen weiteren Glider eingefangen und unsere Heimreise in Richtung Punta Arenas begonnen. Morgen Früh (Montagmorgen) wird nun der Lotse für die Fahrt durch die Magellan Straße und nach Punta Arenas an Bord kommen. Wenn nichts Unerwartetes mehr dazwischenkommt, werden wir morgen Nachmittag Punta Arenas erreichen.


PS118 - Wochenbericht Nr. 7 | 25. - 31. März 2019

Westlicher Süd-Scotia Rücken

[02. April 2019] 

In der letzten Woche haben wir hauptsächlich Bathymetrie-, Ozeanographie und geothermische Wärmestrom-Transekte am westlichen Ende des Süd-Scotia Rückens, zwischen der Antarktischen Halbinsel und dem Süd-Orkney Plateau, abgefahren. Unterbrochen wurden unserer Arbeiten nur kurz wegen eines Sturmtiefs, das durch unser Arbeitsgebiet zog.


PS118 - Wochenbericht Nr. 6 | 18. - 24. März2019

Powell Becken

[25. März 2019] 

Nachdem wir das Meereis des Weddellmeeres verlassen hatten, haben wir die vergangene Woche in freiem Wasser und losem Meereis im Powell Becken verbracht, eine kleine bathymetrische Vermessung durchgeführt, einen Lander aufgesetzt, ozeanographische Transekte abgearbeitet und biologische und geologische Proben genommen.


PS118 - Wochenbericht Nr. 5 | 11. - 17. März 2019

Weiter nach Norden und zwei weitere Stationen

[18. März 2019] 

In der letzten Woche haben wir unsere Reise nach Norden bis in den Erebus und Terror Golf fortgesetzt und unterwegs zwei weitere Stationen abgearbeitet. Weitere Highlights der Woche waren Freundschaftsbesuche zwischen Polarstern und dem argentinischen Schiff Almirante Irizar.


PS118 - Wochenbericht Nr. 4 | 4. - 10. März 2019

Nordwärts und die erste Station

[14. März 2019] 

In der letzten Woche haben wir uns über 60 nautische Meilen nach Norden vorgearbeitet. Unterbrochen wurde unsere Reise von einer Beprobungsstation, an der zum ersten Mal die meisten unserer wissenschaftlichen Geräte zum Einsatz kamen. Seitdem sind wir damit beschäftigt Wasser-, Sediment- und Benthosproben zu bearbeiten oder für spätere Analysen zu konservieren.


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