Europäisches Forschungsprojekt

Wie erholt sich ein Tiefsee-Ökosystem von menschlichen Eingriffen?

SONNE-Expeditionen zur Untersuchung der ökologischen Folgen des Tiefseebergbaus abgeschlossen
[23. November 2015] 

Welche ökologischen Folgen hätte ein Abbau von Manganknollen in der Tiefsee? Wie wäre ein nachhaltiges Management dieser Tiefseeressourcen möglich? Wie lange dauerte es, bis sich betroffene Regionen von so einem Eingriff erholten? Diese Fragen sind während einer Reihe von Expeditionen mit dem neuen deutschen Forschungsschiff SONNE im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützten europäischen JPI Oceans Forschungsprojektes “Ecological Aspects of Deep-Sea Mining” im Pazifik untersucht worden. An diesen Expeditionen war auch das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung beteiligt.

AWI-Roboter Tramper, der bei einer Expedition des Forschungsschiffes Sonne zum ersten Mal im Pazifik eingesetzt wurde (Foto: ROV KIEL6000 Geomar)

Wissenschaftler verschiedener deutscher und europäischer Einrichtungen haben insbesondere eine Region im östlichen äquatorialen Pazifik besucht, in der vor 26 Jahren in mehr als 4.000 Metern Wassertiefe ein Störungsexperiment durchgeführt worden war. Die Nutzung mordernster Tiefseetechnologie ermöglichte einen einzigartigen Einblick in den Zustand des marinen Ökosystems fast drei Jahrzehnte nach einem simulierten Abbau mariner Ressourcen.

Unter Einsatz modernster Robotertechnologien ist die Verteilung und Funktion der Tiefseelebewesen in gestörten und ungestörten Bereichen untersucht worden. Mittlerweile sind alle Instrumente und Proben wieder in den Heimatinstitutionen eingetroffen. Dies sind neben dem AWI das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, das MARUM, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und das Senckenberg am Meer Institut.

„Während der 23 Tauchgänge mit dem ROV Kiel 6000 konnten wir am Meeresboden Experimente durchführen und Tiefseeobservatorien absetzen“, erläutert Prof. Dr. Antje Boetius, vom Alfred-Wegener-Institut, die einen der Fahrtabschnitte leitete. „Unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass das Entfernen der Manganknollen die Verteilung der Organismen am Meeresboden verändert hat“, so Prof. Boetius weiter. Viele Arten, wie zum Beispiel Schwämme, Korallen, Seelilien, wachsen an den Knollen fest, während andere Tiere sich wiederum an ihnen ansiedeln, ähnlich wie an Land Bäume mit Vögeln oder Insekten besiedelt sind. Die Wissenschaftler haben sowohl aus dem gestörten Gebiet wie auch aus unangetasteten Vergleichsregionen Tausende von Bilder vom Meeresboden sowie Hunderte von Proben für chemische und biologische Analysen gewonnen.

„Die geochemischen und mikrobiellen Analysen, die wir bereits an Bord durchgeführt haben, zeigen, dass sogar die bakterielle Aktivität in den Pflugspuren geringer als daneben in den ungestörten Bereichen ist. Das hat uns sehr überrascht“, erläutert Antje Boetius. „Hier sind weitere Untersuchungen in unseren Heimatlaboren notwendig.“