Arktische Klimaveränderung

AWI beteiligt sich an neuem Forschungsverbund

Ziel ist es, die Verlässlichkeit von Modellen zur Vorhersage der Erwärmung in der Arktis zu verbessern
[20. November 2015] 

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein, darunter auch der Bereich „Arktische Klimaveränderung“, an dem das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung beteiligt ist. Unter anderem wollen die Wissenschaftler das Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts einfrieren und so 14 Monate lang durch den Arktischen Ozean driften lassen. Die Forschungsbereiche werden mit insgesamt 128 Millionen Euro gefördert.

Neue Aufgabe: Die Polarstern soll eingefroren werden und 14 Monate lang durch den Arktischen Ozean driften (Foto: Mario Hoppmann)

Die Federführung des Sonderforschungsbereiches „Arktische Klimaveränderung“ übernimmt der Meteorologe Prof. Dr. Manfred Wendisch von der Universität Leipzig. Im Januar 2016 nimmt der Forschungsverbund seine Arbeit auf, zu dem neben dem AWI und der Universität Leipzig auch die Universitäten in Bremen und Köln sowie das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig gehören. Erstmals wird nun in Deutschland systematisch und im großen Maßstab zu diesem Thema geforscht.

Ziel des Forschungsverbundes ist es, die Klimaentwicklung in der Arktis mit verschiedenen Methoden und über längere Zeiträume zu beobachten, um die Verlässlichkeit von Modellen zur Vorhersage der beobachteten Erwärmung in der Arktis weiterentwickeln zu können. Die Ursachen dieser überdurchschnittlichen Erwärmung beruhen auf vielfältigen Faktoren, die das Klima in dieser Region beeinflussen, die aber bisher noch nicht vollständig bekannt sind. "Die Förderung unseres Sonderforschungsbereiches ist für uns ein Meilenstein. Wir bekommen dadurch finanzielle Mittel, um ein sehr komplexes Forschungsthema relativ langfristig bearbeiten zu können", sagt Wendisch. Er ist Sprecher dieses SFB, der aus insgesamt 21 Teilprojekten besteht. Vizesprecher des Projektes sind Prof. Dr. Susanne Crewell von der Universität Köln und Prof. Dr. Justus Notholt von der Universität Bremen.

In den vergangenen 25 Jahren sei ein bemerkenswerter Anstieg der bodennahen Lufttemperatur in der Arktis beobachtet worden, der die globale Erwärmung um das Zwei- bis Dreifache übersteigt. Dieses Phänomen, das als arktische Verstärkung bezeichnet wird, führe zu dramatischen Veränderungen einer Vielzahl von Klimaparametern, so Wendisch. Beispielsweise wurde von Satelliten aus beobachtet, dass sich das arktische Meereis im Sommer stark zurückgezogen hat. "In den vergangenen 25 Jahren hat die Eisfläche des arktischen Meeres um mehr als die Hälfte abgenommen. Es könnte sein, dass dort in 40 bis 50 Jahren jeweils im Sommer gar kein Meereis mehr vorhanden ist", erklärt Wendisch die in der Arktis besonders drastischen Auswirkungen des Klimawandels.

Allerdings könnten Klimamodelle diesen Rückgang noch nicht korrekt abbilden. "Daher ist es zwingend erforderlich, den Ursprung dieser Unstimmigkeiten zu identifizieren", umreißt der Meteorologe eines der wesentlichen Ziele des Forschungsverbundes. Um die Genauigkeit dieser Vorhersagen zu verbessern, sollen nun künftig im Rahmen des Transregio TR 172 die vorhandenen wissenschaftlichen Fachkenntnisse und Kompetenzen dreier deutscher Universitäten und zweier nichtuniversitärer Forschungsinstitute zusammengefasst werden. Beobachtungen von Messinstrumenten auf Satelliten, Flugzeugen, luftgetragenen Ballonplattformen, Forschungsschiffen und die Ergebnisse ausgewählter bodengebundener Messstationen werden in bestimmte Forschungskampagnen integriert und mit Langzeitmessungen kombiniert. Unter anderem wollen die Wissenschaftler das Forschungsschiff "Polarstern" des Alfred-Wegener-Instituts einfrieren und so 14 Monate lang durch den Arktischen Ozean driften lassen. Das ist auch für diesen Forschungseisbrecher, der bisher bei fast 100 Expeditionen im Einsatz war, eine Premiere.

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