Neues Zuhause

AWI-Forschungsflugzeug landet erstmals am Bremer Flughafen

Maschine bezieht neuen Standort der deutschen Polarflieger
[29. Februar 2016] 

Heute landete die Polar 6 erstmals am Bremer Flughafen. Die Maschine ist eines von derzeit zwei Forschungsflugzeugen, die das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) für wissenschaftliche und logistische Aufgaben in den Polarregionen einsetzt. Der Bremer Flughafen ist neuer Heimathafen der Maschinen vom Typ Basler BT-67, die regelmäßig zu Gerätetests und Umrüstarbeiten hier Station machen werden.

„Ich freue mich sehr, dass das Land Bremen Heimat der Polarflieger bleibt“, sagt Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner. Der Umzug war nötig geworden, weil der Bremerhavener Flughafen nicht länger zur Verfügung steht. „Die Forschungsflugzeuge am City Airport starten und landen zu sehen, macht die Flughafengäste darauf aufmerksam, dass Bremer Wissenschaftler weit über die Landesgrenzen hinaus für ihre Forschung unterwegs sind“, so Günthner weiter.

Polar 6 in Bremen (Foto: Martin Gehrmann)

„Wir sind stolz, jetzt das erste Polarforschungsflugzeug bei uns begrüßen zu können“, teilt Jürgen Bula, Geschäftsführer der Flughafen Bremen GmbH, die Begeisterung für die Standortwahl.

Das Alfred-Wegener-Institut hat seit Anfang Oktober einen Hangar mit 1400 Quadratmetern Fläche am Ryanair-Terminal gemietet. „Unsere Mitarbeiter haben die Zeit seitdem genutzt, sich einzurichten sowie Messelektronik und Ersatzteile unterzubringen“, berichtet Dr. Uwe Nixdorf, Leiter der AWI-Logistik und stellvertretender Direktor des Instituts. Etwa fünf Mitarbeiter seiner Abteilung koordinieren von Bremen aus die Einsätze der Maschinen und rüsten Polar 6 und die Schwestermaschine Polar 5 dort mit verschiedensten Geräten für die Polarforschung aus.

Die Polar 6 ist jetzt über Zwischenstopps in Keflavik (Island) und Schottland aus Muskoka, Kanada, eingetroffen. Dort hatten AWI-Mitarbeiter gemeinsam mit der Firma Lake Central unter anderem ein neues Radarsystem für die Vermessung von Gletschern und Meereis erprobt. Es soll noch dieses Jahr in der Arktis zum Einsatz kommen - eine typische Aufgabe für die AWI-Forschungsflugzeuge: Glaziologen werden dort mit Hilfe des modernen Eisradars mit großer Genauigkeit die Dicke grönländischer Gletscher messen. Diese Daten gleichen sie mit Satellitenmessungen und Eisbohrungen vor Ort ab und können so bilanzieren, wie stark sich die Eiskappen im Zuge der Erwärmung in der Arktis zurückziehen. Andere Einsatzbereiche der Flugzeuge sind beispielsweise die Untersuchung des Meereises oder die Erforschung der polaren Atmosphäre.

Die Schwestermaschine Polar 5 wird Ende April erstmals in Bremen erwartet. Sie war bis Anfang Februar dieses Jahres in der Antarktis für Forschung und Logistik unterwegs. Dort standen ebenfalls glaziologische Messflüge auf dem Programm. Außerdem hat die Polar 5 Wissenschaftler aus einem Eiscamp auf dem Filchner-Schelfeis abgeholt, die dort mehrere Wochen lang mit Skidoos und Schlitten die Eigenschaften des antarktischen Schelfeises untersucht hatten. Derzeit befindet sich die Polar 5 für Wartungsarbeiten am Hauptsitz des vom AWI beauftragen Flugzeugbetreibers Kenn Borek Air in Calgary, Kanada.

Historie Basler BT-67

Polar 5 und Polar 6 sind Basler BT-67, also umgebaute Maschinen vom Typ DC-3. Sie sind für die Flüge unter den extremen Umweltbedingungen der Polargebiete und für die polaren Forschungsaufgaben speziell ausgerüstet und besonders gut geeignet. Auf Beton-, Schotter- und Schneepisten können die Flieger mithilfe eines kombinierten Ski- und Radfahrwerks starten und landen. Seit den 1930er Jahren wurden mehr als 15.000 DC-3 in den USA und in Lizenz gefertigt, noch einige hundert sind heute im Einsatz. In der Geschichte spielten diese Maschinen eine bedeutende Rolle: Als Rosinenbomber wurden sie von den US-Amerikanern eingesetzt, um nach dem Zweiten Weltkrieg die Bürger Berlins über die Berliner Luftbrücke zu versorgen.