PS96 Wochenbericht Nr. 5 | 11. - 17. Janauar 2016

Anfahrt durch die A23 Polynya zur Entladung am Ronne Depot

[21. Januar 2016] 

A23A: Das Filchner-Schelfeis hatte mal eine Spitze, die als das „Horn von Druzhnaya“ bezeichnet wurde - nach einer dort angesiedelten russischen Sommerstation. Das Horn brach 1986 in 3 Teile und driftete ab. Die zwei kleinen Eisberge (A22+A24) traten die Reise um die Antarktis an und sind mittlerweile zerbrochen. Der größere A23 strandete auf der Berkner Bank. Da liegt er immer noch, zur Identifikation mit einem Label versehen.

Das Volumen von A23A entspricht 2 Jahre antarktischen Schneefalls. Unter der Annahme, dass in Deutschland 120 l Wasser pro Tag und Einwohner verbraucht werden, könnte A23A (ca. 65x74 km, 300 m hoch, Dichte=0,9 g/cm**3) für 371 Jahre Versorgung deutscher Wasserleitungen ausreichen.

Das Lieblingsgerät des Fahrtleiters ist die CTD. Es macht Spaß zuzuschauen, wenn nach erfolgreicher Wasserentnahme von 288 Litern Südpolarmeerfüllung die WissenschaftlerInnen sich um das Gerät bemühen und Glasflaschen für diverse Untersuchungen an Bord und daheim abfüllen. Alles findet unter der Aufsicht eines lange(ver)dienten Ozeanographen statt, der darauf achtet, dass jeder Tropfen im richtigen Gefäß landet und die Genauigkeit der Daten stimmt.

Abb. 2: Hochsommerliches Wetter bei -17°C unterstützt uns bei den Ladearbeiten vor dem Rønne-Schelfeis. Im Vordergrund liegen Blasentanks mit Treibstoff. Foto: AWI (Foto: Hannes Grobe/AWI)

Transitstrecken (wie z.B. zum Rønne Depot) sind Arbeitszeiten. Dankbare Nutzer sind Disziplinen, die bereits an Bord analysieren. In dem Rahmen liefern Fische ihre Bestandteile für die Analytik. Der Stoff- und Energieumsatz eines Tieres wird von den Ökophysiologen runtergebrochen bis auf die einzelne Zelle und ihr Kleinstkraftwerk. Auf Veränderungen des Ozeans (z.B. Temperaturzunahme, Wasserversauerung) reagieren seine Bewohner unwillig, zu bemerken an Stress, Abwanderung und Wachstumsrückgang. Das wiederum bemerken die Ökologen, die wissen wollen, warum die Organismen beeinflußt werden. Die Antworten liefern besagte Ökophysiologen und damit ihren Teilbeitrag zum Verständnis des gesamten Ökosystems.

Nach dem 3-tägigen Stop am Rønne Schelfeis ist das Schiff 159 t leichter. Abgegeben wurden 169 t Treibstoff in Fässern und Blasentanks, 10 t verbrauchte Forschungsresten haben wir an Bord genommen. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen vom BAS (British Antarctic Survey) verläuft glatt. Der Treibstoff dient im wesentlich dem Betrieb von Fahrzeugen und dem erzeugen von heißem Wasser für die Schmelzbohrungen ca. 500 km südlich. Bei Berkner Island arbeiten AWI und BAS gemeinsam am Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Klima, Ozeanographie und Eis. Die sind wesentlich für die Zukunft des Filchner-Ronne-Schelfeises und seinem Beitrag zu einem zukünftigen Meeresspiegelanstieg.

 

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