Wie dick ist das alte Bodeneis?

AWI-Forscher Jens Strauss und seine IPA-Action-Group erstellen die weltweit erste Karte der Yedoma-Mächtigkeit.

Um keine Verwirrung zu stiften, beginnt diese Geschichte mit einer Begriffserklärung – denn Permafrost ist nicht gleich Permafrost. Es gibt entscheidende Unterschiede: „Als Permafrost wird Boden bezeichnet, der seit mindestens zwei Jahren gefroren ist“, sagt der Potsdamer AWI-Forscher Jens Strauss. „Wir allerdings interessieren uns für Yedoma. So heißt jener dauergefrorene Boden, der von langen Eiskeilen durchzogen ist und sich während der letzten Eiszeit gebildet hat.“

Diese bis zu 50 Meter dicken Sediment- und Bodeneisablagerungen stehen im Mittelpunkt eines neuen zweijährigen Syntheseprojektes der International Permafrost Association, dessen Koordination Jens Strauss übernommen hat. Gemeinsam mit AWI-Kollegen und Wissenschaftlern aus Russland, den USA, Kanada und Schweden möchte er die Verbreitung sowie die regionale Dicke des Yedoma erfassen und in einer weltweit ersten arktisweiten Yedoma-Karte abbilden.

Yedoma - eine Spezialform des Permafrosts

„In der internationalen Yedoma-Forschung gibt es verschiedene Strömungen, deren Vertreter wir in diesem Projekt an einen Tisch holen wollen und deren Daten zusammengeführt werden müssen. Schließlich spielt diese Spezialform des Permafrostes eine entscheidende Rolle, wenn es um die Frage geht, wie groß das Treibhausgas-Potenzial der Permafrostregionen ist“, erläutert Jens Strauss.

Yedoma enthält außer den Eiskeilen jede Menge organisches Material, das von Mikroorganismen zersetzt wird, sowie der Permafrost taut. Klimamodelle aber berücksichtigen dieses Kohlenstoff-Reservoir bisher kaum. „Alle Schätzungen zum Treibhausgas-Potenzial sind mit großen Unsicherheiten verbunden, unter anderem weil wir nicht wissen, wo in der Arktis der Yedoma wie dick ist. Unsere Karte soll diese Lücke schließen“, so der Forscher.

Sammelpool von Messdaten

In die neue Karte werden neben Messdaten von Bohrungen im Yedoma-Gebiet auch Fernerkundungsdaten, geologische Karten sowie bisher nicht digitalisierte Datensätze aus Russland einfließen. „Russische Forscher arbeiten seit mehr als 50 Jahren zu diesem Thema. Viele ihrer Ergebnisse aber gibt es nur auf Russisch. Wir werden diese Datensätze übersetzen, digitalisieren und auf diese Weise der internationalen Forschergemeinde zugänglich machen“, sagt Jens Strauss.

Die Karte soll am Ende als GIS-Variante, als wissenschaftlicher Datensatz sowie als Webversion für Wikipedia erscheinen. Auf diese Weise erfahren dann auch Laien, was mit Yedoma gemeint ist. (Sina Löschke)

Kuestenerosion auf der russischen Permafrostinsel Muostakh
Das Bodeneis wird an einer Abbruchkante sichtbar. (Foto: Thomas Opel, Alfred-Wegener-Institut)
Eisreiche Permafrostböden auf der Neusibirische Insel Bol'shoy Lyakhovsky
Eisreiche Permafrostböden auf der Neusibirischen Insel Bol'shoy Lyakhovsky (Foto: Georg Schwamborn)