Die benthischen Untersuchungen im Bereich des LTER (Long-Term Ecological Research) Observatoriums HAUSGARTEN beinhalten die Erfassung klein- und großskaliger Verteilungs- und Diversitätsmuster aller Größenklassen des Benthos von der Meiofauna (Größenklasse 32 - 1000 µm) bis zur Epi-/Megafauna (Größenklasse > 2 cm). Um den Einfluss von Umweltveränderungen auf das Benthos zu erfassen, werden die HAUSGARTEN-Stationen seit 1999 jährlich in den Sommermonaten beprobt. Außerdem werden biologische Kurz- und Langzeit-Experimente durchgeführt, um jene Faktoren zu bestimmen, welche die außergewöhnlich hohe Diversität des Tiefseebenthos ermöglichen.

 

Um den Einfluss von Veränderungen abiotischer und biotischer Umweltparameter auf die kleineren Organismen (Meiofauna) zu untersuchen, werden weitgehend ungestörte Sedimentproben mithilfe eines videounterstützten Multicorers (MUC) gewonnen. Verteilungs- und Aktivitätsmuster benthischer Bakterien-Gemeinschaften werden beschrieben, adaptive Verschiebungen innerhalb dieser Gemeinschaften mithilfe verschiedener biochemischer Techniken bestimmt. Im Vordergrund der Meiofauna-Untersuchungen stehen räumliche und zeitliche Verteilungsmuster der Nematoden (Fadenwürmer), die bis auf Artniveau bestimmt und in funktionelle Gruppen eingeteilt werden.

 

Mit einem Großkastengreifer gewonnene Oberflächensedimente werden für die Beschreibung der Individuendichte, der Zusammensetzung und der Diversität von Makrofauna-Gemeinschaften herangezogen. Die Organismen (Größenklasse ca. 0,1 - 2 cm)  werden bestimmt und für Biomassebestimmungen gewogen. Die Makrofauna-Untersuchungen werden in enger Zusammenarbeit mit polnischen und russischen Kooperationspartnern durchgeführt.

 

Großskalige Verteilungsmuster der Epi-/Megabenthos-Gemeinschaften im HAUSGARTEN werden mithilfe bildgebender Verfahren erfasst und charakterisiert. Dabei werden geschleppte oder ferngesteuerte Photo-/Videosysteme eingesetzt. Eine halb-automatisierte Auswertung des Bildmaterials erlaubt uns, große Bilddatenmengen in kurzer Zeit zu analysieren. Für die taxonomische Bestimmungen und die Evaluierung des Bildmaterials werden Megafauna-Organismen mithilfe eines Epibenthos-Schlittens, eines Agassiz-Trawls oder der Saugvorrichtung eines ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs (Remotely Operated Vehicle, ROV) aufgesammelt.

 

Kontakt: T. Soltwedel, C. Hasemann, I. Schewe, M. Bergmann, J. Taylor

 

 

Literatur:

 

 

Vedenin, A., Budaeva, N., Mokievsky, V., Pantke, C., Soltwedel, T., Gebruk, A. (2016): Spatial distribution patterns in macrobenthos along a latitudinal transect at the deep-sea observatory HAUSGARTEN. Deep-Sea Research I 114, 90-98. doi:10.1016/j.dsr.2016.04.015

 

Gorska, B., Grzelak, K., Kotwicki, L., Hasemann, C., Schewe, I., Soltwedel, T., Wlodarska‑Kowalczuk, M. (2014): Bathymetric variations in vertical distribution patterns of meiofauna in the surface sediments of the deep Arctic Ocean (HAUSGARTEN, Fram Strait). Deep‑Sea Research I 91: 36‑49. doi: 10.1016/j.dsr.2014.05.010

 

Meyer, K., Bergmann, M., Soltwedel, T. (2013): Interannual variation in the epibenthic megafauna at the shallowest station of the HAUSGARTEN observatory (79°N, 6°E). Biogeosciences 10: 3479‑3492. doi: 10.5194/bg‑10‑3479‑2013

 

Hasemann, C., Soltwedel, T. (2011): Small‑scale heterogeneity in deep‑sea nematode communities around biogenic structures. PLOS One 6 (12): 1‑13. doi: 10.1371/journal.pone.0029152

 

Bergmann, M., Soltwedel, T., Klages, M. (2011): The interannual variability of megafaunal assemblages in the Arctic deep sea: preliminary results from the HAUSGARTEN observatory (79°N). Deep-Sea Research I 58: 711‑723.

 

Soltwedel, T., Jaeckisch, N., Ritter, N., Hasemann, C., Bergmann, M., Klages, M. (2009): Bathymetric patterns of megafaunal assemblages from the arctic deep-sea observatory HAUSGARTEN. Deep-Sea Research I, 56 (10): 1856-1872. doi: 10.1016/j.dsr.2009.05.012