Meteorologe Jölund Asseng (31. Neumayer-Überwintererteam) befüllt einen Wetterballon mit Helium.
Vor dem Start eines Wetterballons muss dieser mit Helium gefüllt werden. (Foto: Thomas Steuer)
Meteorologe Jölund Asseng (31. Neumayer-Überwintererteam) tritt aus der Ballonhalle, um einen Wetterballon mit einer Ozonsonde steigen zu lassen.
Die Ballonhalle befindet sich auf dem Dach der Neumayer-Station III. (Foto: Thomas Steuer)
Meteorologe Jölund Asseng (31. Neumayer-Überwintererteam) lässt auf dem Dach der Neumayer-Station III einen Wetterballon mit einer Ozonsonde aufsteigen.
Start eines Wetterballons auf dem Stationsdach (Foto: Thomas Steuer)

Für einen Meteorologen ist der große Reiz an dieser Überwinterung in der Antarktis natürlich auch das Wetter. Es ist hier so grundlegend anders, rauer, schöner, aber vor allem auch kälter als Zuhause. Die ersten Monate haben uns schon fast alles geboten: Wir hatten zum Beispiel Tage ohne Sonnenuntergang (Polartage), Sturm mit Sichtweiten gleich null und eine Schneedrift (vom Wind aufgewirbelter Schnee), sodass wir vom Stationsdach aus nicht mal den blauen Himmel sehen konnten. Nicht zu vergessen sind außerdem die Lichtspiegelungen, Halos, schönste Sonnen- und Mondaufgänge sowie der Sternenhimmel! Und das ist "nur" der Reiz an den atmosphärischen Schauspielen.

Mit 26 Jahren bin ich der Jüngste im Team. Die Liebe zu Schnee und Eis hat sich bei mir schon früh auf Langlaufskiern und bei wochenlangen Trainingslagern in Skandinavien und anderen mitteleuropäischen Skigebieten eingestellt. Die Antarktis ist dabei für mich der erste Einsatz jenseits der Polarkreise und der bisher schönste. Nach einem typisch theoretischen Studium bedeutet die Arbeit hier für mich für 14 Monate lang raus in die Praxis.

Praxis, das heißt hier in der Antarktis verantwortlich zu sein für die 3-stündliche Wetterbeobachtung, deren Ergebnisse sofort in die weltweiten Messnetze eingespeist werden. Zur Wetterbeobachtung gehören erstens der tägliche Wetterballonaufstieg, der an jedem Sturmtag - und davon gibt es gefühlt sehr viele - Nervenkitzel verursacht, zweitens die Betreuung der Messgeräte, an denen die antarktische Kälte, der Schnee und der Wind zehren sowie drittens die Wettervorhersage für die Arbeiten vor Ort.

Im Mai/Juni kommen regelmäßige Messfahrten zur Erforschung des Meereises in der Atka-Bucht hinzu. Wir wollen wissen, wann sich das Meereis bildet und wie es wächst.

Alle Wetter-, Ozon- und Strahlungsdaten unserer meteorologischen Observatorien fließen ein in eine Messreihe, die mittlerweile seit über 30 Jahren an Neumayer geführt wird. Damit tragen diese Daten dazu bei, sowohl die regionalen Klimaentwicklungen in der Antarktis, als auch die globalen Trends zu verstehen.

Eines unserer wissenschaftlichen Geräte möchte ich an dieser Stelle noch etwas genauer vorstellen. Es handelt sich um den sogenannten Solartracker. Er macht im Grunde nichts anderes als der Sonne nachzuführen, und das von Sonnenaufgang bis Untergang. Ein präziser Algorithmus sorgt dafür, dass er das auch meisten sehr zuverlässig tut. Der Solartracker führt dabei verschiedene Messgeräte mit. Eines misst die direkte Strahlung der Sonne, schaut also direkt in die Sonne (ist an der Seite angebracht).

Die anderen drei Geräte, die man auf dem Gerätetisch oder auch "Spoiler" sieht, machen genau das Gegenteil. Bei denen wird das direkte Sonnenlicht klassisch durch Schattenkeulen abgedunkelt. Sie messen also nur die "diffuse" Strahlung. Im Einzelnen unterscheiden sie sich dadurch, dass sie unterschiedliche Wellenlängen des Lichts messen. Alle anderen Strahlungsmessgeräte, die am Strahlungsstativ befestigt sind, messen die Strahlung des gesamten Himmels.

Doch nun zurück zum aktuellen Wetter. Nachdem wir am letzten Donnerstag die ersten Polarlichter sehen konnten, zeigt sich das Wetter jetzt schon seit Tagen von seiner ungemütlichen Seite. Eine kräftige Nordströmung bringt uns neben milden Temperaturen nahe des Gefrierpunktes viel Neuschnee und kräftigen Wind. Letzterer zwingt uns mal wieder zum Innendienst. Der Sturm wird die nächsten Tage noch einmal anziehen und die Station mächtig schwanken lassen. Besserung ist erst ab dem Wochenende in Sicht. Bis dahin heißt es, sich beim notwendigen Außendienst winddicht einzupacken und dem Schneegestöber zu trotzen. In der Hoffnung auf baldigen Sonnenschein.

Thomas Schmidt, Meteorologe des 32. Überwintererteams, geschrieben am 21. März 2012

Meteorologe Thomas Schmidt, Mitglied des 32. Überwintererteams.
Meteorologe Thomas Schmidt (Foto: Stefan Christmann)
Bei starkem Wind wird der Ballonstart zum Kraftakt. (Foto: Stefan Christmann)
Meteorologe Jölund Asseng (31. Neumayer-Überwintererteam) putzt den Sonnentracker an der Neumayer-Station III.
Pflegeeinheit für den Sonnentracker (Foto: Thomas Steuer)

Und täglich steigt ein Wetterballon empor...

Zu den Aufgaben der Überwinterer an der antarktischen Forschungsstation Neumayer Station III gehören unter anderem meteorologische Untersuchungen der Atmosphäre. Dazu lässt unser Neumayer-Meteorologe (im Video Thomas Schmidt) an jedem Tag um Punkt 11 Uhr einen Wetterballon steigen, dessen Sonde die Lufttemperatur, die Luftfeuchte, den Luftdruck und den Wind misst. Zwei- bis dreimal pro Woche erfasst die Sonde auch die Ozonkonzentration. Welche Handgriffe notwendig sind, damit solch ein Wetterballon sicher aufsteigt, erklären die Überwinterer Thomas Schmidt und Christoph Möbius (32. Überwintererteam) in diesem Video.