Forschungsstation Insel Samoylov

Eine Basis für russisch-deutsche Permafrost-Forschung in Sibirien

Die Forschungsstation Insel Samoylov bietet russischen und deutschen Forschern im Lena-Delta die Möglichkeit die Permafrostböden zu untersuchen und daraus Rückschlüsse auf das Klimageschehen zu ziehen.

Forschen in der sibirischen Tundra macht seit 1998 eine Kooperation mit russischen Wissenschaftsinstituten möglich. Noch bis in die Mitte des Jahres 2013 forschten AWI-Wissenschaftler gemeinsam mit russischen Kollegen in einer Forschungsbasis auf Samoylov mit dem Charme eines rustikalen abgeschiedenen Sommercamps.

Seit 2013 gibt es eine moderne Forschungsbasis betrieben vom Trofimuk Institut für Erdöl- und Erdgas-Geologie und Geophysik der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften. Während die Wissenschaftler in Sibirien vorher nur im Sommer arbeiten konnten, ermöglicht die moderne Station ihnen jetzt das ganze Jahr über zu forschen.

Hauptnutzer der neuen Station sind die jährlich von Frühjahr bis Herbst stattfindenden russisch-deutschen Forschungsexpeditionen LENA. Diese werden hauptverantwortlich durch drei wissenschaftliche Institute organisiert: das Alfred-Wegener-Institut, das Arktische und Antarktische Forschungsinstitut (St. Petersburg) und das Melnikov Permafrost Institut (Jakutsk).

Die Basis für Feldarbeiten liegt auf der gleichnamigen Insel inmitten des Lena-Deltas. Das Flussdelta im Nordosten Sibiriens ragt gut 150 Kilometer in die Laptewsee hinein und ist eines der größten Naturschutzgebiete Russlands. Für das Verständnis von Prozessen im Permafrostboden der sibirischen Arktis spielt die Region eine Schlüsselrolle - das macht sie für die Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts so interessant.

Bis zu 20 Forscher führen hier langfristige Geländeuntersuchungen und Datenerhebungen durch. Schwerpunkte sind unter anderem die Prozesse in Permafrostböden, aber auch die Umsetzung und Emission von Treibhausgasen. Außerdem untersuchen sie, wie sich beispielsweise die Landschaften im Lena-Delta durch veränderte Auftauprozesse entwickeln. Bei ihrer Arbeit können die Wissenschaftler auf umfangreiche Datensätze automatisierter Messpunkte seit 1998 zurückgreifen. Die Ergebnisse der Arbeit an der Forschungsstation Insel Samoylov sollen helfen, die Wirkung zukünftiger Klimaänderungen auf das Ökosystem der Arktis abzuschätzen.

Ausstattung

Dafür steht den Forschern des Alfred-Wegener-Instituts nicht nur ein großes und hochmodern mit leistungsfähigen Präzisionsgeräten ausgestattetes Labor zur Verfügung. Ein vom Stationspersonal betriebener Fuhrpark mit Quads und Motorschlitten, einem Kettenfahrzeug und mehreren Booten ermöglicht die Feldarbeit auch außerhalb der Insel Samoylov. Eine leistungsfähige Internetverbindung gewährleistet den Kontakt mit Forscher-Kollegen.

Die Station befindet sich an der südlichen Küste der Insel Samoylov (N 72°22’, E 126°29’) im zentralen Bereich des Lena-Deltas und ist von Tiksi aus per Helikopter (45 Minuten), per stationseigenem Motorboot (4 Stunden) oder unter Eisbedingungen mit dem geländegängigen Lastwagen des AWI (8 Stunden) erreichbar. Nach Tiksi gelangen die Wissenschaftler von Moskau oder Jakutsk per Flugzeug.

Bodenerosion

Die Form der Insel Samoylov ändert sich ständig. Zum einen gibt es saisonale Veränderungen durch Frühjahrshochwasser - ausgelöst durch die Schneeschmelze und tiefe Wasserstände im Herbst. Küstenerosion führt dagegen zu dauerhaften Veränderungen an der Südküste der Insel. Der Bau einer neuen Station auf Samoylov diente nicht nur der Bequemlichkeit der Wissenschaftler: Durch die im Bild dokumentierte Bodenerosion rückte das Wasser in den vergangenen Jahren immer näher an die alte Station heran und betrug 2008 nur noch 10 Meter.

Durch Luftaufnahmen können diese Veränderungen sehr gut beobachtet werden. Im Bild zeigt die rote Linie den Küstenverlauf aus 2003, grün steht für 2007 und das Foto selbst sowie die orange Linie zeigen die Küste in 2008.

Sibirien

Forschen am Außenposten der Zivilisation

In der sibirischen Tundra erforschen AWI-Forscher Permafrostböden im Lena-Delta.

Kooperationen

Keine unserer Expeditionen wäre ohne unsere Kooperationspartner und guten Freunde möglich:

Ausrüstung und Einrichtung

Energieversorgung: Große Generatoren

Trinkwasser: Trinkwasseraufbereitungsanlage und ein Abwasserklärsystem

Waschen: Es gibt Duschen, eine elektrische Sauna, eine Waschküche mit je 2 Waschmaschinen und Trocknern

Küche: Eine Köchin versorgt alle Expeditionsteilnehmer und Stationsangestellten.

Fuhrpark: Quads, Motorboot, Motorschlitten, Kettenfahrzeug, Lastwagen

Kommunikation: Satellitenverbindung / WLAN

Der Betreiber der Station, das Trofimuk Institut, zeigt auf seinen Seiten in russischer Sprache ein Zeitraffer-Video vom Bau der Station.

Archiv: Blog 2014

Informationen über die Arbeiten an der Forschungsstation Insel Samoylov bietet auch der Blick in das
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Wege in die Forschung