Drescher Eiscamp

Weddellrobbe im Drescher Inlet
Weddellrobbe (Foto: Joachim Plötz)

Wenn es Wissenschaftler in eisige Regionen fernab der Zivilisation zieht, können sie nicht immer auf feste Stationen zurückgreifen. Am Riiser-Larsen-Schelfeis entsteht deshalb von Zeit zu Zeit aus dem Nichts ein mobiles Eiscamp - die Drescher-Station. Ausgestattet ist das Camp mit roten Iglus - von den Wissenschaftlern gern auch verschmitzt "Tomate" genannt.

Das Eiscamp wird am rückwärtigen Bereich des "Drescher-Inlets" an der Ostküste des Weddellmeeres installiert – das ist ein 25 Kilometer langer und bis zu drei Kilometer breiter Einschnitt im Riiser-Larsen-Schelfeis – weil es sich als sicherer Standort bewährt hat.

Die Iglus aus Glasfaser-Material werden schon während der Anreise an Bord des Forschungsschiffes Polarstern komplett montiert. Der Helikopter transportiert die Iglus mitsamt der Ausrüstung auf das Eis. Hier werden sie in wenigen Stunden vollständig eingerichtet und am Ende der Forschungskampagne wieder abgebaut.

Robben und Pinguine

Vor allem Zoologen widmen sich hier Fragen rund um Ernährung und Tauchverhalten von Weddellrobben und Kaiserpinguinen – denn die wohnen in Kolonien gleich nebenan. Die bisher längste Kampagne mit fünf Wissenschaftlern dauerte 53 Tage. Um im Eiscamp sicher zu sein, sind mindestens vier Teammitglieder notwendig.

Die Wissenschaftler wohnen in drei der roten Iglus. Dazu kommt eine "Tomate" für Küche, Proviant und Gemeinschaftsraum. Während Funkanlagen und Computer einen eigenen Iglu bekommen, muss für die Toilette ein Zelt genügen.

Weil es viel zu schwierig wäre, ausreichend Wasser in die Antarktis zu transportieren, wird der Wasserbedarf durch Schnee gedeckt. Den nötigen Strom liefern zwei Generatoren mit fünf Kilowatt Leistung, die sich abwechseln. Warmes Essen ermöglichen Friteusen.

Meistens sind die Wissenschaftler allerdings draußen in Eis und Schnee unterwegs - da bleibt es nicht aus, dass die Arbeitskleidung nass wird und mit Heizlüftern getrocknet werden muss.

Für Arbeiten im Freien werden zwei Schneemobile und Nansen-Schlitten eingesetzt. Abhängig von den Wetterbedingungen werden täglich bis zu 25 Liter Benzin und 1,5 Kilogramm Gas verbraucht.

Sämtliche Glas-, Kunststoff-, Blech-, Papier-, Toiletten- und Speiseabfälle sind in Kübeln getrennt aufbewahrt und werden zum Schiff zurückgebracht. Nichts bleibt in der Antarktis zurück.

Positionskarte Drescher Station

Positionsdaten: Riiser-Larsen-Schelfeis, Antarctica, 28 Meter über dem Meer
Koordinaten: 72° 50' S, 19° 02' W

Namensgeber

Die mobile Forschungsstation wurde nach dem Biologen Dr. Eberhard Drescher (26.11.1944 - 26.6.1983) benannt. Als einer der ersten Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts und als Leiter der Arbeitsgruppe "Marine Warmblüter" widmete er sich vor allem der Ökologie und dem Schutz antarktischer Robben.

Ausrüstung

Helikopter mit Tomate (Foto: © Simon/Simon)
  • Schneemobile
  • Nansen-Schlitten
  • Küchen-Iglu
  • Wohn-Iglus
  • Geräte-Iglu
  • Toilettenzelt

Geschichte

Die ehemalige Station - sie bestand aus drei Wohncontainern - wurde 1986 errichtet und bereits 1990 wieder abgebaut; seitdem wird bei Bedarf ein mobiles Camp errichtet. Seit 1986 wurden sechs Forschungskampagnen im Drescher-Inlet (ein 25 Kilometer langer und bis zu drei Kilometer breiter Einschnitt im Riiser-Larsen-Schelfeis) durchgeführt, die nächste in der Saison 2015/16. In den letzten Jahren hat sich die biologische Forschung im Bereich des Inlets zu einem lohnenden Arbeitsschwerpunkt entwickelt, weil hier die Projekte verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen durch Kombination von Feldstation und Schiffseinsatz synchronisiert werden können. Dies ist ein weltweit einmaliger Ansatz, der auf einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Sektionen basiert.

Antarktis-Expedition

Auf der Suche nach Hotspots des Lebens

Horst Bornemann forscht an Weddellrobben. Minikameras sollen deren Jagdverhalten dokumentieren.