Dallmann-Labor an der Carlini-Station

Verschiedene Nationen unter einem Dach

In der eisigen Einsamkeit der Antarktis vereinen Nationen aus aller Welt im Namen der Forschung an vielen Orten ihre Kräfte: Die argentinische Carlini-Station auf King George Island, einer der Südshetlandinseln ist ein Beispiel dafür. Hier eröffnete das Alfred-Wegener-Institut zusammen mit dem Instituto Antárctico Argentino im Jahr 1994 die damals erste Forschungseinrichtung mehrerer Nationen – das Dallmann-Labor.

Im Dallmann-Labor arbeiten Forscher aus Argentinien, den Niederlanden und Deutschland von Oktober bis April – also im südpolaren Sommer - unter einem Dach. Bis zu 14 Wissenschaftler führen hier biologische und geowissenschaftliche Feldforschung in den eisfreien Gebieten und im küstennahen Flachwasser durch – das ist in der Antarktis nur an wenigen Stellen möglich.

Erkenntnisse über polare Lebensgemeinschaften

Im freien Wasser und im Sediment untersuchen Forschungstaucher Algen- und Tiergemeinschaften. Das Dallmann-Labor bietet dafür vier Labore, eine Werkstatt und ein Lager. Den Forschungstauchern des Wissenschaftlichen Tauchzentrums steht außerdem ein Taucherhaus zur Verfügung. In einem Aquariencontainer untersuchen Wissenschaftler außerdem gesammelte Organismen und experimentieren vor Ort.

Erkenntnisse über die Ökologie und Physiologie bestimmter Arten ermöglichen den Wissenschaftlern Aussagen über die Entwicklung der polaren Lebensgemeinschaften angesichts globaler Umweltveränderungen.

Benannt ist das Dallmann-Labor nach dem Bremer Polarmeerfahrer Eduard Dallmann. Er unternahm 1873 die erste deutsche Reise in die Antarktis, genauer gesagt: zur Antarktischen Halbinsel. Vor der Küste dieser Halbinsel liegen die Südshetlandinseln.

 

 

Impressionen von der Station

 

Das folgende Video (ohne Ton) zeigt die Arbeit der Wissenschaftler an der Station:

Positionskarte Dallmann-Labor an der Carlini-Station

Position: King George Island, Südshetlandinseln, Antarktische Halbinsel
Koordinaten: 62°14´S, 58°40´W

Shetlandinseln

Feldlabor mit Poleposition

Das Dallmann-Labor liegt da, wo sich der Klimawandel deutlich zeigt - aktuelle Eindrücke

Namensgeber

Vom Walfänger zum Polarforscher

Der 1830 in Blumenthal geborene Eduard Dallmann muss schon früh von der Begeisterung für die Schifffahrt und das Meer gepackt worden sein. Bereits als 15-jähriger fährt er zur See. Er sammelt Erfahrungen auf Walfang- und Frachtschiffen und bricht im Jahr 1859 als Kapitän zum ersten Mal selber zu Walfangreisen in den Pazifik auf. Viele weitere Fahrten folgen. Auf dem Dampfsegelschiff „Groenland“ übernimmt Dallmann 1873 das Kommando und bricht zu einer Fangreise an die Antarktische Halbinsel auf – damit leitet Dallmann die erste deutsche Reise in die Antarktis. Auf dieser Reise macht die Crew der „Groenland“ etliche geographische Entdeckungen.

Nach seiner Rückkehr aus der Antarktis wendet sich Dallmann wieder der nördlichen Hemisphäre zu. In der Zeit von 1877 bis 1884 arbeitet er maßgeblich an der besseren Erschließung Sibiriens – so versuchte er unter anderem einen Seeweg zu den Mündungen der sibirischen Flüsse Ob und Jenissej zu etablieren. In die Dienste der "Neu-Guinea-Compagnie" tritt Dallmann 1883 und erkundet die Küsten Neu-Guineas. Sein Berufsleben beendet er elf Jahre später: wegen gesundheitlicher Probleme und Verbitterung über Willkür und Ungerechtigkeit bei den deutschen Kolonialbestrebungen. 1896 stirbt Dallmann in seinem Geburtsort.