Der Mann für heiße Eisen

AWI-Waffenbeauftragter Olaf Stenzel
AWI-Waffenbeauftragter Olaf Stenzel (Foto: Ralf Röchert)

Olaf Stenzel arbeitet eigentlich als Polizist in Bremerhaven. Seit Mai 2014 aber steht der Oberkommissar auch in den Diensten des AWI – als Waffenbeauftragter unseres Institutes und Schießtrainer für Arktis-Expeditionsteilnehmer.

Wer Olaf Stenzel beruflich besucht, bekommt Polizeischutz. Ungewöhnlich für den Arbeitsplatz eines Kollegen vom Alfred-Wegener-Institut. Und eigentlich ist es auch ein bisschen geflunkert. Der 49-jährige Oberkommissar ist „Leiter Waffen, Führungs- und Einsatzmittel“ bei der Polizei Bremerhaven. Beim Gang in sein „Reich“ bei der Ortspolizeibehörde versteht sich der Polizeischutz also von selbst.

Seit Mai 2014 ist Olaf Stenzel der Waffenbeauftragte des Instituts. Weil das AWI in jeder Hinsicht verantwortlich für die Sicherheit von Expeditionsteilnehmern ist, muss es auch für den Schutz vor Eisbären sorgen. Deshalb gibt es auf Arktis-Expeditionen bewaffnete Eisbärenwachen. Und wer in Ny-Ålesund den Dorfkern verlässt, muss eine Waffe oder eine bewaffnete Begleitung dabei haben.

Eisbären auf dem Meereis des Arktischen Ozeans
Eisbären auf dem Meereis des Arktischen Ozeans (Foto: Mario Hoppmann)

Betreuung, Lagerung und Pflege der AWI-Waffen hat im Rahmen der Amtshilfe die Polizei Bremerhaven übernommen. Und seitdem ist Olaf Stenzel, der auch an der Schießausbildung für Expeditionsteilnehmer beteiligt ist, am AWI der Mann für „heiße Eisen“.

Was aber tut ein Waffenbeauftragter? „Im Prinzip das gleiche, was ich auch für meine fast 500 Polizeikollegen mache. Ich sorge dafür, dass sich diejenigen, die in bedrohliche Situationen geraten, auf ihre Einsatzmittel verlassen können.“ Olaf Stenzel recherchiert, welche Waffen für den AWI-Einsatz geeignet sind, beschafft sie, pflegt sie, repariert sie, hält sie in Stand oder vernichtet sie, wenn sie nicht mehr gebraucht werden.

Dabei ist er alles andere als ein Waffennarr. Im Gegenteil. Olaf Stenzels Verhältnis zu Waffen ist professioneller Natur. Waffen sind Handwerk, kein Spaß. Er ist ausgebildeter Schießlehrer, Einsatztrainer bei der Polizei, geprüfter Anschussschütze. Ein Anschussschütze muss frei von Zielfehlern sein. Wenn er daneben schießt, hat die Waffe ein Problem, nicht der Schütze.

Aus Schutz vor Eisbären gibt es auf Arktis-Expeditionen bewaffnete Wachen. Doch das Beste an einer Waffe ist auch für Olaf Stenzel, wenn sie nicht gebraucht wird.
Aus Schutz vor Eisbären gibt es auf Arktis-Expeditionen bewaffnete Wachen. Doch das Beste an einer Waffe ist auch für Olaf Stenzel, wenn sie nicht gebraucht wird. (Foto: Mario Hoppmann)

„Das beste an einer Waffe“, so Olaf Stenzels Berufsauffassung, „ist immer, wenn sie nicht gebraucht wird. Das Schlimmste für mich als Waffenbeauftragter wäre, wenn sie gebraucht wird und nicht funktioniert.“ Deshalb gibt es für ihn im Bereich Sicherheit keine Kompromisse.

Bevor die Polarstern auf Arktisexpedition geht, versorgt er sie mit komplett überprüften Waffen. Außerdem mit frischer Munition. Und in Ny-Ålesund hat er im vergangenen Frühjahr erstmals alle dort stationierten 14 Jagdgewehre und die zehn Signalpistolen kontrolliert, sie zum Teil generalüberholt.

Auf 79 Grad Nord hat ihn nicht nur die grandiose Natur und die gelassen-professionelle Betriebsamkeit an der AWIPEV-Station fasziniert, er hat gleich zwei Überwinterungsteams kennengelernt. Die Menschen am AWI sind es auch, die Olaf Stenzel immer wieder erfreuen. Die Wertschätzung und komplikationslose Aufnahme in die „Family“, wie er das nennt. „Trotz meiner exotischen Rolle habe ich das Gefühl, ein Teil der Polarforschung zu sein. Und das ist schön.“

Bei jedem Ausflug in die Umgebung muss das Gewehr mit. Hier begleitet der Waffenbeauftragte  und Schießtrainer Olaf Stenzel (stehend) einen AWI-Kollegen bei einer Skidoo-Ausfahrt.
Bei jedem Ausflug in die Umgebung muss das Gewehr mit. Hier begleitet der Waffenbeauftragte und Schießtrainer Olaf Stenzel (stehend) einen AWI-Kollegen bei einer Skidoo-Ausfahrt. (Foto: René Bürgi)