Langfristiger Betrieb des Langzeitobservatoriums

Ein Interview mit den FRAM-Koordinatoren

Am 1. Juni 2014 ist der Startschuss für den Aufbau eines neuen AWI-Langzeitobservatoriums in der Framstraße gefallen. Die Helmholtz-Gemeinschaft finanziert dieses Projekt FRAM in den ersten fünf Jahren mit 25 Millionen Euro. Wie es danach weitergehen soll, welche Stellen für FRAM geschaffen werden und welche Herausforderungen auf das Team warten, erläutern die Koordinatoren Antje Boetius und Torsten Kanzow.

FRAM kommt: Heißt das, die Verankerungskette in der Framstraße und der Hausgarten haben ausgedient?

Kanzow: Nein, beide Observatorien werden im neuen System aufgehen. Wir werden einige Komponenten erhalten, andere ersetzen. Entscheidend ist jedoch, dass wir unsere bisher eher ortsgebundene Messtechnik mit vielen beweglichen Systemen ergänzen werden. Sie ermöglichen es uns, über die Verankerungskette und den Hausgarten hinaus vom Atlantik bis in die Arktis zu schauen.

Boetius: Das Spannende an der Framstraße ist die Begegnung zwischen Warm und Kalt. Hier strömt warmes atlantisches Wasser Richtung Norden, gleichzeitig treibt arktisches Eis Richtung Süden. Außerdem stellt die Framstraße ein für Europa wichtiges regionales Ökosystem dar. Hier haben wir Fischerei sowie immer mehr Schiffsverkehr und Tourismus. Das AWI arbeitet seit langem in dieser Zone, doch nutzen wir bisher nicht alle Möglichkeiten, die uns moderne Technik bietet. So können wir noch immer nicht die Prozesse  im  Oberflächenwasser über den gesamten saisonalen Zyklus beobachten. Dort aber leben Plankton und Fische, deren Lebensraum sich verändert. Die Veränderungen oben und unten gleichzeitig zu beobachten, ist eines unserer großen Ziele.

Welche Technik soll dabei helfen?

Kanzow: Dieses Ziel erreichen wir nur, wenn wir verschiedene Beobachtungsmethoden miteinander kombinieren. Die klassischen Verankerungen wollen wir mit neuen Unterwasserwinden ausstatten, die es erlauben, Messgeräte in regelmäßigen Abständen in die Oberflächenschicht  aufsteigen zu lassen und nach der Messung wieder in die Tiefe zurückzuholen. Zu den neuen beweglichen Systemen zählen Tiefsee-Roboter und Messgeräte, die wir auf Eisschollen befestigen, sodass sie von oben das Oberflächenwasser vermessen, aber auch Glider und AUVs, die ihre Messdaten dann via Satellit an das AWI senden. 

Wie geht es denn jetzt ganz konkret los?

Boetius: Seit dem offiziellen Projektstart dürfen wir Leute einstellen. Um die Infrastruktur aufzubauen, sollen zwölf bis 14 Kollegen und Kolleginnen dazukommen - vom Techniker bis zum Wissenschaftler. Und damit das Team möglichst schnell loslegen kann, haben wir uns schon im Vorfeld am Institut, an der Hochschule Bremerhaven und unter unseren Praktikanten nach kompetenten Mitarbeitern umgeschaut. Einige Stellen aber werden wir auch frei ausschreiben, unter anderem deshalb, weil am AWI bisher wenig Ingenieure an mariner Robotik und Sensorik arbeiten. Dank der Helmholtz-Allianz ROBEX konnten wir jedoch auch in diesem Berufsfeld neue Kontakte knüpfen.

Qualifizierte  Fachleute, moderne Technik - wie läuft die Finanzierung nach der Aufbauphase weiter?

Boetius: Für die kommenden fünf Jahre wird praktisch alles, was mit der FRAM-Infrastruktur zu tun hat, von der Helmholtz-Gemeinschaft unterstützt. Sie legt mit den 25 Millionen Euro eine gewaltige Summe auf den Tisch. Für uns ist das ein großer Vertrauensbeweis und Ansporn zugleich. Die große Herausforderung wird nun sein, etwas, was wir am Anfang eher projektförmig organisiert und vorangetrieben haben, in eine feste Infrastruktur zu überführen. Das heißt zum Beispiel auch, dass wir einen Projektverantwortlichen in der Logistik brauchen. Wir werden außerdem ganz anders mit Daten umgehen. Das heißt, zur Infrastruktur gehören auch ein Daten- und ein Modellierkonzept. FRAM soll eine moderne Infrastruktur werden, die viele andere wissenschaftliche Fragestellungen unterstützt.

Und ab wann wird das AWI finanziell gefordert sein?

Kanzow: Nach den ersten fünf Jahren wird das FRAM-Observatorium in den Dauerbetrieb überführt. Das AWI hat versprochen, es von da an für weitere 15 bis 20 Jahre zu unterstützen. Das heißt, von diesem Zeitpunkt an müssen wir den Betrieb aus unserem Institutsbudget finanzieren. Die Kosten dafür werden sich auf rund 2,3 Millionen Euro pro Jahr belaufen. Für sie muss das AWI jedoch keine Gelddruckmaschine anwerfen. Die Mittel sind zum Teil ja schon in den Sektionsbudgets enthalten.

Boetius: Für uns ist es jetzt wichtig, in den kommenden fünf Jahren unsere existierende Infrastruktur derart zu modernisieren, dass wir danach wissen, wie und mit welcher Technik wir langfristig arbeiten wollen. Wir brauchen  ein Konzept, das besagt, was  wir nachhaltig selbst betreuen können und in welchen Bereichen wir weiterhin Firmenunterstützung benötigen. Eben so, wie es bei den Schiffen und Polarstationen auch gelaufen ist.

Am FRAM-Projekt werden viele Arbeitsgruppen beteiligt sein. Wie wird eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit gewährleistet?

Kanzow: Wir werden uns in Teams organisieren, die so zusammengestellt sind, dass für einzelne Schwerpunkte innerhalb des FRAM-Projektes Leute aus verschiedenen Disziplinen und Abteilungen an einem Tisch sitzen. Auf diese Weise stellen wir sicher, dass die Kollegen gemeinsam die Umsetzung betreiben. Die Teams werden auch gemeinsame Budgets haben, die sie zusammen verwalten. Die Gesamtkoordination übernimmt ein Lenkungsausschuss, in dem die Antragsteller aus den verschiedenen Sektionen sitzen.

Gibt es schon Ideen für internationale Kooperationen?

Boetius: Ja, wir haben zum Beispiel Anfragen von Woods Hole und Monterey Bay Aquarium aus den USA bekommen. Solche Beispiele belegen: Durch große Forschungsinfrastrukturen wird man viel sichtbarer.