Leben im Watt - Seepocken

Auf Miesmuscheln fühlen sich Seepocken besonders wohl (Foto: C. Buschbaum)
Wer kennt die Seepocken nicht, die mit ihren weißen Kalkschalen an Hafenmolen, Holz- und Steinbuhnen und sogar an Schiffsrümpfem massenhaft vorkommen können. Bei der Frage zu welcher Tiergruppe die Seepocken gehören, kann man aber schon ins Grübeln geraten. Auch den Meeresforschern früherer Zeit ging es nicht anders. Erst spät erkannte man, dass die Seepocken der Gruppe der Krebse angehören. Am erwachsenen Tier war das aber nicht auszumachen. Erst ein Blick auf die Larven brachte die Erleuchtung, denn diese zeigen die Merkmale einer typischen Krebslarve. Erst diese Erkenntnis macht klar, dass es sich bei den Seepocken um stark abgewandelte Krebstiere handeln muss, die ihre Fähigkeit der Fortbewegung im Lauf der Erdgeschichte verloren haben. Dafür haben sie ein Gehäuse entwickelt, das seinesgleichen sucht. Verschlossen schützt es sie auch bei Niedrigwasser vor der größten Hitze und eisiger Kälte. Kommt das Wasser zurück, strecken die Tiere ihre gefiederten Fangarme aus dem Deckel ihrer Schale heraus und filtrieren mit rhythmischen Bewegungen Schwebpartikel aus dem Wasser.
Da die erwachsenen Tiere keinen Ortswechsel mehr vollführen können, müssen die Larven die große Verantwortung übernehmen einen geeigneten Platz für ihr späteres Leben auszuwählen. Nach mehreren Wochen im freien Wasser fangen sie an sich ein kuscheliges Plätzchen zu suchen. Dieses spezielle Verhalten wurde an der Sylter Wattenmeerstation untersucht. Es stellt sich heraus, dass die kleinen Seepocken vorzugsweise Miesmuscheln aussuchen, da sie dort als erwachsenes Tier vom Filtrationsstrom der Muscheln profitieren können. Seepocken auf Muscheln wachsen schneller, vermehren sich besser und sterben nicht so schnell wie ihre Artgenossen auf Buhnen oder Steinen. Erstaunlich welch lebenswichtige Verantwortung eine so kleine Seepockenlarve in ihrem jungen Alter schon übernehmen muß.


