Leben im Watt - Knutt

Ganze Wolken von Zugvögeln schweben im Frühjahr und Herbst über die Sylter Wattflächen (Foto: C. Buschbaum)
Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst kann man regelrechte Wolken von Vögeln beobachten, die über die Insel und das Watt ziehen. Viele dieser Vögel sind Knutts, die auf ihrem alljährlichen Zug einen Zwischenstopp im Wattenmeer einlegen. In diesem Frühjahr wurden allein im Königshafen im Norden der Insel bis zu 10.000 Knutts von der Wattenmeerstation Sylt gezählt. Von den zwei Rassen, die im Wattenmeer vorkommen, ist vor allem der Sibirische Knutt ein wahrer Vielflieger. Er brütet, wie der Name schon vermuten lässt, in Sibirien und nutzt dort den kurzen, aber sehr nahrungsreichen arktischen Sommer. Im Juli machen sich die Altvögel ohne ihre noch nicht flüggen Jungen auf in Richtung Süden. Auf ihrer ersten Etappe fliegen sie nonstop bis ins Wattenmeer. Hier mausern die Tiere. Für die Neubildung der Federn wird viel Eiweiß benötigt. Das hohe Nahrungsangebot auf den riesigen Wattflachen liefert die dafür erforderliche Energie und ist deshalb ideales Mausergebiet. Im August ziehen die bislang noch zurückgebliebenen Jungvögel ihren Eltern hinterher und gemeinsam geht es dann im Oktober weiter in Richtung Süden. Der größte Teil der Tiere fliegt zum Überwintern bis nach Mauretanien. Einige Vögel ziehen jedoch noch weiter bis nach Südafrika. Im April machen sich die Vögel dann wieder auf den Weg in Richtung ihrer Brutgebiete im hohen Norden. Beachtliche nonstop Etappen von bis zu 4000 km sind dabei die Regel. Solche Leistungen verbrauchen unglaublich viel Energie, welche die Vögel an ihren wenigen Raststationen auffüllen müssen. Wiederum dient das Wattenmeer als Tankstelle. Spätestens im Mai erreichen die Vögel die Wattflächen und fressen in den kommenden Wochen soviel, dass sich ihr Gewicht fast verdoppelt. So sind sie gut gerüstet für den Flug in ihre Brutgebiete, aus denen sie im nächsten Jahr wieder in Richtung Wattenmeer aufbrechen werden.


