Leben im Watt - Kieselalgen

Kieselalgen bestechen durch eine unglaubliche Formenpracht (Foto G. Klein)
Jeder, der schon mal im Sommer durchs Watt gelaufen ist, wird sich über die rotbraunen, fleckigen Beläge gewundert haben. "Lauf da mit nackten Füßen durch, das ist Jod und sehr gesund!" soll mal eine Mutter zu ihrer Tochter gesagt haben. Worüber wir da glitschen ist eigentlich ein Rasen aus Kieselalgen, auch Diatomeen genannt. Es sind winzige einzellige Organismen, die Photosynthese betreiben - das heißt aus Sonnenlicht Energie gewinnen - und somit am Anfang einer langen Nahrungskette stehen. Gefressen werden sie von Fischen und Würmern und im wahrsten Sinne des Wortes abgeweidet von Schnecken. Ihre Größe reicht von weniger als 1µm (das entspricht einem Tausendstel Millimeter) bis zu etwa 1-2 mm. Um die kleinen Schönheiten betrachten zu können, muss man sich daher guter Mikroskope bedienen. Der Lebensraum der Kieselalgen umfasst sämtliche Feuchtgebiete der Erde. Also sowohl Moore als auch Gebirgsseen, Flüsse und Meere - auch Tümpel, Pfützen und Gartenteiche. Das besondere an Kieselalgen ist, dass sie eine Schale aus Silikat um die Zelle herum bauen und diese Schalen je nach Gattung und Art eine unglaubliche Vielfalt an Mustern und Formen zeigen können. Doch ihre Schönheit allein ist nicht der Grund warum ihnen manche Wissenschaftler verfallen. Mit Hilfe von Kieselalgen lassen sich z.B. erdgeschichtliche Zusammenhänge sowie die Klimageschichte rekonstruieren. In den letzten Jahren gewinnen sie zudem immer mehr Bedeutung als Indikatoren für Gewässerverschmutzung in Flüssen, Seen und im Meer.
Und wenn Sie wieder einmal barfuß durchs Watt laufen sollten, dann werden Sie die braunen Flecken auf der Oberfläche vielleicht betreten wie einen wunderschönen, englischen Rasen - eigentlich zu schade, um darauf rumzutrampeln.


