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Leben im Watt - Grünalgen

Grünalgen

Grünalgen sind oft in Wohnröhren der Wattwümer verankert (Foto: Reise)

Die opportunistischen Grünalgen waren für die Wattforscher lange Zeit nur Nebensache, bis sie vor zwanzig Jahren immer häufiger wurden und dann vor dreizehn Jahren in solchen Massen auftraten, dass selbst der damalige Umweltminister Töpfer auf seinem Urlaubsflug nach Borkum über die grün gewordenen Watten staunte. Die Forschungsstation in List erhielt den Auftrag, den Ursachen dieser grünen Invasion auf den Grund zu gehen. Der war schnell gefunden. Die aus Flüssen und über die Luft eingetragenen Stickstoffmengen aus Abwässern, Landwirtschaft und Industrie waren der Auslöser. Schneller als andere Algen reagierten die Grünen auf diese Extradüngung. Sie überzogen weite Wattflächen wie mit einem grünen Teppich. Darunter bildeten sich Faulgase und wer von den Muscheln und Würmern aus dem Wattboden nicht rechtzeitig fliehen konnte mußte ersticken.
 
Dabei ist die Wattfauna selbst am Erfolg der Grünalgen beteiligt - wenn auch ungewollt. Auf den Gehäusen kleiner Wattschnecken keimen die Sporen der Algen. Schon bald werden die schnell wachsenden Algenfäden so lang, dass sie mitsamt der Schnecken im Strom der Gezeiten hin und her treiben. Dabei verwickeln sie sich und bilden Zöpfe, die bei Ebbe in kleinen Vertiefungen des Wattbodens liegen bleiben. Wer genau hin sieht, erkennt in diesen Vertiefungen die Fraßtrichter der Wattwürmer. Die entstehen, weil der Wurm von unten her fortwährend Sand verschlingt, um die darin enthaltenen Mikroalgen zu verdauen. Grünalgen aber frisst er nicht. Die rutschen mit dem Sand nach unten und verstopfen seinen Trichter. Dann muß der arme Wurm daneben einen neuen anlegen. Wieder rutschen Grünalgen rein und so geht es weiter. Unten gut verankert wachsen oben die Grünalgen schnell zu einer dichten Matte zusammen. Darunter wird es selbst dem Wattwurm unwohl und er sucht das Weite. Erst wenn die ersten Herbststürme die Algen davon spült haben und so dem grünem Spuk ein Ende bereiten, kann der Wattwurm wieder zurück zu "seinem" Watt. Jeden Sommer wiederholt sich dieses Spiel, aber die Menge der Grünalgen hat wieder etwas abgenommen.


 
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