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Leben im Watt - Geißeltierchen

Geißeltierchen

Die Schönheit der Geißeltierchen ist erst unter dem Mikroskop zu bewundern (Foto: M. Hoppenrath)

Sind Sie schon mal bei Niedrigwasser in den Sylter Sandwattgebieten spazieren gegangen? Hatten Sie das Gefühl, abgesehen von ein paar Mitspaziergängern, allein zu sein? Und kaum ein Tier, kaum eine Pflanze weit und breit auszumachen? Die Stille trügt, denn Sie standen mitten im "brodelnden" Leben. Zwischen den Sandkörnern unter Ihren Füßen versteckte sich ein unglaublich vielfältiges Leben. Wenn man sich diesen Lebensraum unter einem Mikroskop ansieht, kann man bis zu 800 verschiedene Organismenarten finden.
Vor kurzem erst wurden an der Sylter Wattenmeerstation in List Untersuchungen in diesem Lebensraum durchgeführt. Eine Lebewesengruppe, die sogenannten Flagellaten, wurden erstmalig intensiv beobachtet. Flagellaten sind sehr kleine Organismen, die durch spezielle Bewegungsapparate, die Geißeln, aktiv im Wasser schwimmen und sich auch auf den Sandkörnern festhalten können. Sie sind zwischen 5 und 50 tausendstel Millimeter "groß" und zeigen trotz ihrer Kleinheit eine faszinierende Formenvielfalt. Neben Panzergeißlern (Dinoflagellaten) kommen vor allem Augenflagellaten (Euglenen) vor. Es wurden unerwartet viele Arten (über 140) gefunden, die durch ihr Aussehen unterschieden werden können. Sogar Arten, die den Wissenschaftlern weltweit noch unbekannt waren, wurden entdeckt und viele von ihnen neu beschrieben.
Die um Sylt gefundenen Flagellaten sind überwiegend Räuber und fressen andere Kleinstorganismen im Wattsand. Sie selbst werden wiederum von größeren Tieren gefressen. Für diese ist der Tisch immer reichlich gedeckt, denn unter einem Quadratmeter Wattboden wurden bis zu 15 Millionen Panzergeißler gefunden.
Stellen Sie sich noch einmal bewusst in den Sand! Kribbelt es jetzt?
 


 
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