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Leben im Watt - Japanischer Beerentang

Japanischer Beerentang

Der erst kürzlich eingewanderte Japanische Beerentang gehört zu den größten Algen an unseren Küsten (Foto: C. Buschbaum)

Erst seit den 1980er Jahren findet sich der Japanische Beerentang im Wattenmeer. Als blinder Passagier auf Zuchtaustern hat diese Alge den Sprung vom Pazifik an die Nordseeküste geschafft. Seitdem verankert sie sich an Muscheln und Steinen im unteren Gezeitenbereich und erreicht um Sylt schon Dichten von 30 Individuen pro m2. Aus einer kräftigen Hauptachse entspringen Seitenäste, die mit zahlreichen Gasblasen besetzt sind und wie Weintrauben erscheinen. Bei den "Beeren" der Alge handelt es sich aber nicht um Früchte, die im klassischen Sinn der Verbreitung dienen, sondern um Auftriebskörper. Sie sorgen dafür, dass die Pflanze im Wasser aufrecht steht und somit immer mit genügend Licht und Nährstoffen versorgt wird.
Zur Ausbreitung hat der Beerentang eine ganz andere, aber sehr erfolgreiche Taktik entwickelt. Zeitig im Frühjahr beginnt er mit intensivem Wachstum, so dass die Alge im August eine Länge von etwa drei Metern erreichen kann. Am Ende dieser Wachstumsphase beginnt eine einzige Alge männliche sowie weibliche Geschlechtsprodukte zu bilden. Danach kommt es zur Selbstbefruchtung, was eine einfache und sehr effektive Vermehrung ermöglicht. Die einzelnen Algen benötigen also keinen Geschlechtspartner.
Damit aber nicht genug, denn der Beerentang geht noch einen Schritt weiter. In den Sommermonaten werden die Seitenäste der Alge aktiv abgeworfen und können noch monatelang im Wasser treibend überleben. Dabei produzieren sie weiterhin fortwährend Geschlechtsprodukte, so dass die sich entwickelnden Jungalgen auch in die entlegendsten Wattgebiete vordringen können. Dieser ausgeklügelten Ausbreitungsstrategie verdankt der Beerentang seinen großen Erfolg. Um Sylt wird der Vormarsch des Japanischen Beerentangs intensiv erforscht. Erste Ergebnisse geben keinen Hinweis darauf, dass die Alge einen aggressiven Charakter hat und einheimische Organismen verdrängt. Sie ist nach bisherigen Untersuchungen mehr als Bereicherung der heimischen Flora und Fauna anzusehen. Für eine endgültige Entwarnung, muss aber erst die gesamte ökologische Funktion des Neuankömmlings an unseren Küsten verstanden werden.
 


 
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