Geo-Traverse 2008
Dienstag 22. September 2008
Vorgestern sind wir am späten Nachmittag wieder auf Neumayer angekommen. Dort wurden wir von den restlichen Üwis mit riesigen Blechen selbstgebackener Pizza empfangen. Lecker!
Die Rückfahrt verlief problemlos. Durch die Teilung der Rückwegs in zwei Etappen erschien uns die Fahrt auch nicht ganz so lang. Im Container haben wir uns die Zeit mit Kartenspielen vertrieben und die Reste unserer Nahrungsmittel vertilgt.
Und nun hat uns die Routine auf Neumayer schon wieder. Aber den Ausflug in die Weiten der Antarktis wird wohl keiner von uns so schnell vergessen.
9. Tag, Samstag 20. September
Nun ist unsere Arbeit vollbracht und wir befinden uns auf dem Heimweg nach Neumayer. Da es schon 17 Uhr ist, werden wir heute allerdings nicht mehr die komplette Strecke von 10 Stunden Fahrtdauer zurücklegen, sondern uns irgendwo in den Weiten der Antarktis eine Raststätte suchen, noch einmal schön kochen und unsere Traverse gemütlich ausklingen lassen.
Um 7:30 Uhr wurden wir heute von einem Funkspruch von Neumayer aus dem Bett geworfen. Jürgen, der dankenswerterweise zusammen mit Julia in Franzis Abwesenheit die Arbeiten im Spurenstoffobservatorium erledigt, hatte Probleme mit einem Gerät. Leider ließ sich das Problem nicht lösen. Alles geht eben doch nicht über Funk. Aber wach waren wir wenigstens alle.
Die gestrige starke Drift hatte sich bereits in der Nacht wieder beruhigt und einem unglaublichen Sternenhimmel Platz gemacht. Man kann es sich zu Hause in Deutschland wahrscheinlich nicht vorstellen, welchen Eindruck es macht, wenn man in kompletter Dunkelheit steht und man ringsum die Sterne bis hinunter zum Horizont sieht. Aufgrund des sonnigen, windstillen Wetters waren wire alle der Meinung, dass es richtig warm wäre, mussten uns vom Thermometer dann aber doch sagen lassen, dass -30°C die Frühlingsgefühle nicht so richtig rechtfertigen.
Das Tagesprogramm war klar. Das Olymp-Seismometer musste wieder ingegraben werden. Manchmal fragt man sich als Unwissender da schon, warum man es eigentlich gerade erst ausgegraben hat. Aber da die Geophysiker ja so nette Menschen sind, machen wir natürlich alles für sie. Der gestern leicht lädierte Sendemast bekam später eine neue Aufstellung und Abspannung. Letztendlich wurden Mast und Seismometer mit der Datenerfassungskiste verbunden. Nun kann auch das Olymp-Seismometer wieder für ein Jahr Daten aufzeichnen und senden, bevor der ganze Spaß mit dem Hochsetzen wieder von vorne losgeht.
Ein Nachtrag zu gestern noch: Das Abendessen bestehend aus Nudeln mit einer Käse-Erbsen-Schweinefilet Sauce können wir nur empfehlen, insbesondere wenn es dazu noch einen Rotwein gibt. Heute Abend wird es dann die Variante Nudeln mit Mais, Thunfisch und getrockneten Tomaten geben. Abwechslung ist wichtig! Damit sind die Vorräte an Nudeln dann auch erschöpft. Mit Süßigkeiten könnten wir uns allerdings noch eine Woche über Wasser halten. Gestern Abend wurde auch noch einmal die Traversen-Dusche in Benutzung genommen. Schließlich wollen wir nicht völlig verwahrlost auf Neumayer aufschlagen. Wir sind uns alle einige, daß diese Dusche die beste Erfindung seit Beginn der Traversen ist. Nun sollte sie eigentlich auch mal im antarktischen Sommer zum Einsatz kommen. Dann könnte man nämlich draußen duschen und gleichzeitig die Aussicht genießen. Wir mußten die Dusche leider im Container aufbauen, denn bei den niedrigen Temperaturen wäre sonst das Wasser gefroren, bevor es auf der Haut ankommt.
Die ganze Traverse wurde natürlich fotografisch festgehalten, nur hat es leider mit der Übertragung der Bilder nicht so ganz geklappt. Wir wollen daher nach unserer Rückkehr nach Neumayer noch ein paar Bilder ins Netz stellen. Also, wen es interessiert, der sollte auch in den nächsten Tagen noch ab und zu in diesen Blog schauen.
8. Tag, Freitag 19. September
Gestern Abend sind wir nach einer elend langen Fahrt gegen 23:30 Uhr endlich an der Außenstation Olymp angekommen. Da passierte dann nicht mehr viel, außer das wir einfach nur noch todmüde ins Bett fielen. Und heute morgen ging dann der Spaß von vorne los. Auch am Olymp steht ein Pegelfeld in der Gegend rum und wollte hochgesetzt werden. Also hieß es erst einmal die Skidoos abladen, damit sich Seweryn und Stefan auf den Weg machen konnten. Währenddessen machten sich Franzi und Daniel mal wieder daran, ein tiefes Loch zu graben. Daran haben wir ja jetzt Übung. Dazu kam wieder unser kleines Pferdchen – der 20er Bully – zum Einsatz. In dem so freigemachten ca. 1,80m tiefen Bereich wurden dann ein Seismometer und eine große Datenerfassungsbox ausgebuddelt. Benni fräste sich inzwischen mit der ausnahmsweise mal problemlos angesprungenen Fräse zum Sockel des Sendemastes durch.
Inzwischen hatte der Wind mal wieder ordentlich zugenommen. Obwohl die Sonne schien, wurde dadurch das Arbeiten ziemlich schwierig, zumal unsere Gruben schneller wieder zudrifteten, als wir sie ausbuddeln konnten. Seweryn und Stefan brauchten auch ziemlich lange für ihre Tour, denn die Piste war doch wesentlich unebener als gedacht. Die Kommunikation zwischen beiden Gruppen war zwischenzeitlich etwas schwierig, was in Anbetracht der Wetterverhältnisse, doch ein leichtes Unbehagen verursachte. Aber gegen 15 Uhr waren die Beiden wieder wohlbehalten zurück. Bis dahin waren auch Seismometer und Datenerfassungsbox aus ihren Löchern gehievt. Der Mast sollte mit dem Bullykran herausgezogen werden. Dabei wurde er leider etwas lädiert, aber der Schaden hält sich in Grenzen.Nach einem späten Mittagsessen-Kaffeetrinken konnte man draußen nicht sehr viel machen, außer die „Villa Sonnenschein“ gegen den Wind zu sichern, damit sie sich nicht von allein auf den Heimweg macht.
Nun ist heute Abend nicht mehr viel los. Gerade wird die Dusche aufgebaut, damit wir nicht allzu verwahrlost zurück nach Neumayer kommen werden. Danach gibt es Spaghetti mit einer Käse-Schweinefilet-Erbsen Sauce. Das klingt zwar edel, ist aber eigentlich ein Reste-Essen.Jedenfalls hoffen wir, daß wir morgen mit den restlichen Außenarbeiten fertig werden und uns dann auf den Rückweg nach Neumayer machen können.
7. Tag, Donnerstag 18. September
Nun befinden wir uns auf der langen, holperigen Fahrt von der Watzmann-Außenstation zur Station am Olymp. Die etwas hochtrabenden Namen der Bergrücken sollte man nicht zu ernst nehmen, schließlich handelt es sich nur um Erhebungen von 396m und 526m.
Ein kleiner Nachtrag noch zum gestrigen Tag: Wir wollten gerade anfangen, die Fertigstellung der Arbeiten am Watzmann zu feiern, als unser Dieselaggregat anfing zu spinnen. Ohne Elektrizität ist man bei -30°C in der Antarktis etwas aufgeschmissen. Deshalb mußte Benni noch raus in die Kälte und das Teil reparieren. Ein Hoch auf die Technik! Aber warum soll es uns auch besser gehen, als den auf der Station Verbliebenen, denn auch dort gab es vorgestern einen Ausfall des Diesels. Durch den intensiven Funkkontakt wissen wir aber, daß auch dort wieder alles in Ordnung ist.
Bei Ausfall des Aggregates hätten wir die Traverse wohl abbrechen und direkt zurück zur Station fahren müssen. So konnten wir aber am Morgen alles zusammenpacken, den Watzmann-Container verschließen und uns auf den Weg machen. Nach dem gestrigen ziemlich windigen Tag, verwöhnt uns heute die Antarktis wieder mit Windstille und wolkenlosem Himmel. Da gehen die Temperaturen in den Keller. Gerade haben wir -43°C gemessen. Aber da die Sonne schon wärmt, kann man draußen doch einige Minuten in Jeans rumlaufen. Nur die Nasenspitze friert verdammt schnell ab.
Ja, was soll man über 10 Stunden in einem Wohncontainer schon groß sagen. Es ruckelt so sehr, dass man weder gut am Rechner arbeiten kann, beim Lesen verrutscht man ständig in der Zeile und selbst Schlafen fällt schwer, weil man ständig Angst haben muß, aus dem Bett zu fallen.Gerade haben wir unter Mühen den Bully noch mal betankt. Bei den niedrigen Temperaturen streikt selbst die Tankpumpe. Da hilft alles nichts – Pumpe abbauen, im Container auftauen, parallel etwas essen, wieder anbauen, tanken, weiterfahren. Nun liegen noch gute 50km vor uns. Jetzt ist es 18:30 Uhr und wir rechnen mit einer Ankunft gegen 23:30km, denn mehr als 10km/h schafft der Bully nun mal mit der ganzen Last nicht. Dann wollen wir doch mal sehen, womit wir uns den Rest des Abends noch vertreiben können ...
6. Tag, Mittwoch 17. September
Heute war Endspurt angesagt, zumindest auf dem Watzmann. Franzi hat heute früh schon vor'm Frühstück ihr Lieblingsgefährt, den Pistenbully, warmlaufen lassen, damit dieser uns auch heute wieder kräftig bei der Suche nach den Seismometern unterstütztSo gab es auch heute wieder ein köstliches Frühstück, wobei für die einen der Thunfisch in Öl aus der Dose und für die anderen das Porridge mit getrockneten Pflaumen das Highlight war.
Für Benni stand heute auf dem Programm, das Lager zur Weiterfahrt vorzubereiten, was bei einem Zug mit drei Schlitten dran und den hiesigen Straßenverhältnissen gut durchdacht sein muß, da man sonst mal schnell etwas verliert in der weiten Weiße. Seweryn hat den Watzmanncontainer soweit präpariert, dass er auch das nächste Jahr der harten Witterung in der Antarktis standhalten wird.
Die restlichen lustigen Drei haben sich dann mal wieder auf die Suche nach den noch fehlenden zwei Seismometern gemacht und damit angefangen den Rest hochzusetzen. Bis auf drei haben wir dies auch bis zum Mittagessen geschafft.
Zum Essen gab es eine köstliche Gemüse-Frühlingssuppe aus der Konserve, die seit einigen Jahren im Watzmanncontainer darauf gewartet hat, dass jemand den Container als Notunterkunft nutzt und sich über eine warme Suppe freut. Da dies aber nicht passiert ist, haben wir uns ihrer angenommen, was auch Zeit wurde, da sie seit 2006 - laut Hersteller - nicht mehr zu genießen war. Das sahen wir aber anders. Nach dem Essen ging es dann weiter im Programm und das bei geschätzten 25 Knoten und Schneefegen.
Franzi, Seweryn und Daniel setzten die restlichen Seismometer hoch, während Benni und ich im Lager blieben, um dort alles für die eventuelle Abfahrt vorzubereiten. Die Entscheidung, ob es noch heute zum Olymp weitergehen sollte, wollten wir beim Mittagskaffee entscheiden. Also haben wir uns nach Vollendung der Arbeit um 16 Uhr wieder eingefunden und beschlossen, die Weiterfahrt auf morgen zu vertagen, da unsere zwei Geophysiker noch ca. 2 Stunden benötigen, um ihre Arbeit hier zu vollenden. Dann wäre es sowieso zu spät um weiterzuziehen.
Nun ist es halb sechs. Draußen ist noch immer leichte Drift, was bei der nachmittäglichen Sonne eine sehr entspannende Atmosphäre schafft, vor
allem wenn man im warmen Container sitzt. Nun sind auch Franzi und Daniel vom Fotografieren in unsere Wohngemeinschaft zurück gekommen und wir werden uns nun einen gemütlichen Abend in der unberührten Weite der Antarktis einläuten.
Später wird Franzi uns knusprig gebratene Fischstäbchen serviert an einer Gorgonzolacremesauce auf ostasiatischem Langkornreis zubereiten. Mit dieser kulinarischen Empfehlung aus dem Traversenkochbuch verabschiedet sich auch heute wieder das Watzmann-Olymp-Aufräumkommando "Roter September" und wünscht allen daheim Gebliebenen noch ein paar schöne Spätsommertage.
5. Tag, Dienstag 16. September
Nachdem Daniel, Seweryn und Stefan liebevoll mit einem lauten Klopfen gegen die Fensterscheibe geweckt hat, ging es wie jeden Morgen rüber in den Geocontainer. Auf dem Weg dorthin war es schon etwas sehr frisch, da ein frostig steifer Südwestwind wehte. Doch das ausgiebige Frühstück, zu dem es mal wieder das köstliche Tetrapack Ei gab, hat uns die Kälte vergessen lassen.
Als erstes stand heute das Hochsetzen vom Watzmanncontainer auf dem Program. Dazu haben wir erst einmal innen alles gesichert, so daß nichts durch die Gegend fliegt beim Versetzen. Dann haben Seweryn und Daniel sich um die Kabel der Apparaturen gekümmert, denn zum Verschieben mußten diese abgetrennt werden.
Nachdem das gute Stück sich auf einem wunderschönen Schneehügel befand, mussten nur noch die Kabel wieder ordentlich gelegt werden.
In der Zwischenzeit haben sich Franzi und Stefan auf Schatzsuche begeben, bewaffnet mit unserer umweltfreundlichen Kettensäge waren die ersten zwei Seismometer fix geborgen. Doch dann war der Wurm drin und unser Freund - die Säge - wurde zu kalt und funktionierte nicht mehr. Also entschlossen wir uns, erst einmal einen Kaffee zu uns zu nehmen und dann wieder mit frischem Mut an die Tat zu gehen, was sich als sehr weise Entscheidung herausstellte.
Während der Pause beschlossen wir, dass zwei von uns zum Halvfarryggen Nord fahren und dort die Stangen des Deformationsmessfeldes verlängern.
Somit machten sich Benni und Seweryn auf den Weg und die anderen drei gingen, mit der von Benni frisch gewarteten Säge, wieder auf Schatzsuche.
Das Ende vom Lied klingt dann wieder so wie jeden Tag bisher hier oben auf dem Watzmann. Wir haben Einiges geleistet und genießen das gemütliche Beisammensitzen nach einem von Franzi köstlich zubereitetem bulgarischem Geschnetzeltem mit Reis - bis auf Seweryn, denn für ihn gab es heute Fischstäbchen.
Nun steht noch eine lustige Duschparty auf dem Programm. Also, macht's gut und bis morgen!
Das Watzmann-Olymp-Aufräumkommando "Roter September"!
4. Tag, Montag 15. September
Wir wussten ja eigentlich schon vorher, dass der heutige Tag prima wird. Schließlich hat Benni heute Geburtstag und dazu gehört natürlich Geburtstagswetter mit Sonnenschein satt. Die Geburtstagstorte war bereits vor der Abfahrt auf Neumayer angefertigt worden und im tiefgefrorenen Zustand von Stefan auf dem Skidoo unbeschadet bis hierher transportiert worden. Benni hatte sich viel Marzipan auf seiner Geburtstagstorte gewünscht und das hat er auch bekommen zusammen mit einer großen Portion Schokoladencreme.
Heute wurden nun das Zentralseismometer und der Verteilerkasten endgültig hochgesetzt und für das kommende Jahr wetterfest gemacht. Auch der Sockel des Sendemastes wurde auf 1,50m Tiefe gefunden, so dass der Mast ebenfalls
hochgesetzt werden konnte. Zwischenzeitlich wurden mit dem Bully weiter Gruben über den Außenseismometern geschoben. Versehentlich wurden dabei auch schon Seismometer auf der Bully-Schaufel „gefunden“, aber zum Glück blieben alle Seismometer heil. Inzwischen ist die Hälfte der Seismometer freigelegt. Morgen werden wir uns mit Elan an die zweite Hälfte der Geräte machen. Die Suchtechnik wird schließlich auch immer besser.
Bennis Geburtstag musste natürlich noch ein wenig mehr gefeiert werden, als nur mit einer Torte. Deshalb wurde zum Abendessen der kleine Grill angeworfen. Auf den nagelneuen Grillgabeln – natürlich von Benni selbst gefertigt – wurdenzunächst Würstchen gegrillt. Als Freilichtkino gab es dazu das letzte Sonnenlicht im Westen, während im Osten ein riesengroßer, unglaublich orange gefärbter Mond aufging. Kurz bevor das Feuer ausging und es somit draußen endgültig zu kalt wurde, grillten wir schnell noch ein paar Steaks, die dann doch lieber in der gemütlichen Wärme des Wohncontainers verspeist wurden. Nun werden wir den Abend noch ausklingen lassen...
3. Tag, Sonntag 14. September
Nachdem wir gestern Abend vom Pfeifen des Sturmes begleitet eingeschlafen sind, hatte dieser sich, im Gegensatz zu uns, bis heute Morgen noch immer nicht ausgeruht und somit war uns allen klar, als wir noch so im Bett lagen, dass wir es gemütlich angehen lassen konnten.Seweryn und Stefan mussten erst einmal schauen, wie sie aus ihrem Container kommen sollten, da sich die Tür wegen starken Verwehungen nicht öffnen ließ. Also hieß es ab durch’s Fenster und die Tür frei schippen. So konnten wir rüber zu unseren Nachbarn tapsen und in Ruhe das Frühstück genießen, zu dem es heute eine ganz besondere Delikatesse gab, nämlich Rührei aus dem Tetrapack, was viele von zu Hause wohl nicht kennen, aber bestimmt schon mal in einem Hotel unwissentlich serviert bekommen haben.Nachdem der Wind sich dann gegen 10 Uhr verabschiedet hat, konnten wir uns langsam an die Aufräumarbeiten machen.Unser 3-Sterne-Luxus-Klo wurde von der Windsicherung befreit und um ein paar Meter verschoben, da das Loch mittlerweile zugeweht war. Während Franzi die Zeit alleine im Container nutzte, um in Ruhe Ordnung zu schaffen, machte sich Seweryn daran mit viel Sorgfalt die Fräse vom Schnee zu befreien. Benni widmete sich ganz unserem treuen Gefährt - dem Pistenbully , ohne den wir wie ein Hund mit gestutztem Schwanz wären. Daniel und Stefan haben die zwei Skidooschlitten ausgegraben, auf einem sich übrigens eine Kiste mit Bennis Geburtstagstorte befand, welche ebenfalls komplett zugeweht war. Sie befindet sich aber mittlerweile im Container und kann da auftauen, damit wir auch hier in der antarktischen Wildnis morgen Bennis Geburtstag gebührend feiern können.Uns war bereits bewusst, dass sicherlich all die Arbeit, welche wir bis gestern verrichtet hatten, sozusagen vom Winde wieder zu geweht war. Dies bedeutet, alle Gruben von gestern waren heute wieder Schnee von gestern, also mit Schnee von gestern zugeweht und das wirklich bis zur Oberkante. Na ja, das ärgert uns ganz und gar nicht, da wir uns in den letzten Monaten bereits an die Umstände hier gewöhnen konnten. Im Gegensatz, wir gingen recht gelassen daran, wieder von vorne loszulegen, wobei der Schnee jetzt doch verhältnismäßig locker war. Die Moral von der Geschichte ist, wer eine Grube gräbt ist Grubengräber, oder so...Nachdem wir nun wohlgesättigt von Franzis leckerem Rindergeschnetzeltem im gemütlichen Container sitzen und uns auf unsere wohlverdiente Duschsession freuen, ist uns bewusst, dass wir auch heute wieder Großes geleistet haben, denn letztendlich befindet sich die Anlage des Zentralseismometers auf der Oberfläche, acht Außenseismometer sind nahezu freigeschoben und ganze drei Außenseismometer sind schon hochgesetzt.Was höre ich da?! Ah, das ist die Dusche, die uns ruft! Also, dann bis morgen und gute Nacht!
2. Tag, Samstag 13. September
Julia, unsere auf der Station verbliebene Meteorologin, hatte uns bereits vor Beginn der Reise gewarnt, daß wir am Samstag mit einem kleineren Sturmtief in Form von Schneefall und 30-35 Knoten Wind zu rechnen hätten. Deshalb war klar, daß der heutige Tag nur ein halber Arbeitstag werden würde. Beim Frühstück wurde daher auch nicht getrödelt. Benni begann anschließend damit, unser kleines Lager windfest zu machen. Dazu gehört z.B. alle beweglichen Teile auf den Schlitten ordentlich festzubinden und Handlaufleinen zwischen den Containern und den Schlitten zu stecken. Auch unser hölzernes Toilettenhäuschen, seit Generationen liebevoll „Villa Sonnenschein“ genannt, wurde ordentlich verankert und ebenfalls mit einer Handlaufleine versehen.
Wie von Julia vorhergesagt, begann gegen Mittag der Wind aufzufrischen, so daß die Außenarbeiten eingestellt werden mußten. Nach einem späten Mittagessen, zu dem es die restlichen Kohlrouladen gab, verschwanden einfach alle Jungs im Bett und genießen so die eher unfreiwillige Erholungspause.
Nun ist es schon später Nachmittag und wir freuen uns alle auf das bevorstehende Nudelessen. Vielleicht reicht der Elan ja noch für eine Runde Skat nach dem Abendessen...
1. Tag, Freitag 12. September
Der erste Tag vor Ort weckte uns wiederum mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen um die -30°C. Das Sortieren von 5 Menschen und deren ganzer Ausrüstung auf 10qm Wohnfläche war die erste Herausforderung des Tages.
Nach dem Frühstück sahen wir uns erst einmal um. Hier oben stecken auf einer Fläche von 1qkm jede Menge Bambusstangen im Schnee. Sie markieren vergrabene Seismometer. Der Zugang zu den Seismometern erfolgt über Datenkabel, die in senkrechten grünen Plastikrohren verlaufen. Diese Rohre müssen eigentlich jährlich verlängert werden, damit der Zugang zu den Seismometern nicht durch den Schneezutrag vollständig verloren geht.
Aus den verschiedensten Gründen wurde diese Arbeit jedoch in den letzten zwei Jahren unterlassen, so daß sich die Oberkanten der grünen Rohre inzwischen in unbekannter Tiefe befinden. Überrascht waren wir zudem von der Härte des Schnees. Bei den tiefen Wintertemperaturen ist er einfach knallhart, so daß an ein einfaches Ausgraben per Hand überhaupt nicht zu denken ist. Benni und Seweryn sicherten zunächst zwei Benzinfässer, die hier oben zur Sicherheit deponiert sind, jedoch bereits bis zur Oberkante im Schnee verschwunden waren. Daniel und Stefan griffen sich die Handkettensäge und begannen das Zentralseismometer und den Verteilerkasten im Schnee zu suchen. Nachdem dann auch noch die Schneefräse zum Einsatz kam, wurde der Verteilerkasten in ca. 1,80m Tiefe aufgefunden. Das Zentralseismometer sollte sich eigentlich in ca. 3m Entfernung vom Verteilerkasten befinden, aber bisher haben wir nur das Kabel, welches beide verbindet, gefunden und verfolgt, sind jedoch noch nicht bis zum Zentralseismometer vorgedrungen.
Franzi war unterdessen mit dem Bully unterwegs und hatte begonnen, über den ersten der 16 verstreut liegenden Seismometern tiefe Mulden zu schieben, um die Ausgrabearbeiten zu erleichtern und zu beschleunigen. Die Härte des Schnees erwies sich dabei selbst für den Bully als grenzwertig. Wir hatten uns darauf geeinigt, daß Sie bis auf eine Tiefe von ca. 1,20m den Schnee ausräumen sollte. In den ersten zwei Gruben erwies sich dies auch als ausreichend. .
Zum Mittagessen gab es übrigens leckere Nudelsuppe aus der Büchse, die bereits 2006 abgelaufen war und seitdem im Watzmann-Container gefroren rumstand. Die Konsistenz der Nudeln ließ aufgrund des Einfrierens zwar zu Wünschen übrig, aber der Geschmack war tadellos.
Abends gab es Kohlrouladen und Bratkartoffeln. Die Rouladen hatte Stefan bereits auf der Station vorbereitet und ebenfalls eingefroren. Die Bratkartoffeln wurden aus Dosenkartoffeln zubereitet, die sich dafür hervorragend eigneten. Dazu gab es eine Flasche Rotwein. Durch die viele körperliche Arbeit an der kalten Luft ermüdet, begaben sich Stefan und Seweryn recht fix in ihre Betten im Watzmann-Container. Im Geo-Container wurde dagegen noch die nagelneue Traversen-Dusche – von Benni selbst gebastelt – aufgebaut. Mit wunderbar warmen Wasser aus der ebenfalls selbst gebauten Traversen-Schneeschmelze konnten wir restlichen drei Leute hervorragend duschen und fielen dann sauber und zufrieden ebenfalls ins Bett.
Abreise, Donnerstag 11. September
An einem herrlich sonnigen, aber klirrend kalten Donnerstag machten wir uns auf den Weg zur diesjährigen Geo-Traverse. Auf große Fahrt gingen die beiden Geophysiker Daniel und Seweryn, Benni für die Technik sowie Franzi und Stefan als hilfreiche Arbeitstiere.
Es ist kaum zu glauben, was man alles für zehn Tage Leben und Arbeiten in der Antarktis mitnehmen muß. So mußte der Bully neben dem gelben Wohncontainer noch zwei voll beladene Schlitten zur geophysikalischen Außenstation am Watzmann ziehen. Der Pistenbully gehört schon im unbeladenen Zustand nicht gerade zu den rasend schnellen Fahrzeugen, aber mit der zu ziehenden Last verringerte sich die
Durchschnittsgeschwindigkeit auf ca. 10 km/h. Die 80km lange Fahrtstrecke nahm somit den ganzen Tag in Anspruch. Daniel und Stefan nutzen die Gelegenheit um endlich mal eine lange Strecke mit den Skidoos zu fahren. Sie fuhren ca. 4 Stunden nach dem Bully-Zug von der Station ab und holten uns dann nach zwei Dritteln der Strecke ein. Trotz der -40°C machte ihnen das Skidoo fahren Spaß. Bis zu drei Gesichtsmasken übereinander verhinderten Erfrierungen im Gesicht. Nach einer ausgiebigen Kaffeepause im schön warmen Wohncontainer machte sich der ganze Troß wieder auf den Weg. Das letzte Ende der Wegstrecke war leider sehr uneben, so daß Franzi, die die Fahrt im Wohncontainer verbrachte, ganz schön durchgeschüttelt wurde.
Dafür entschädigte uns jedoch der wunderschöne Sonnenuntergang. An der Außenstation Watzmann befindet sich ein weiterer kleiner Wohncontainer. Die Skidoo-Fahrer waren bereits 1,5h vor dem Rest an der Außenstation angekommen und hatten in der Eiseskälte schon unter Mühen ein Dieselaggregat zum Laufen gebracht und diesen Container etwas angewärmt.
Der Rest des Abends verging schnell mit dem Aufbau und Einrichten unseres Lagers für die kommende Woche. Nach einer späten Kartoffelsuppe und einem Belohnungsbier gingen wir alle todmüde ins Bett.




































