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Stationsarzt / leiter

In der langjährigen AWI- bzw. Neumayer-Tradition ist es vorgesehen, dass der Arzt auch immer der Stationsleiter ist. Das liegt nicht unbedingt daran, dass Ärzte besonders befähigt sind, andere Leute oder eine Einrichtung wie die Neumayer-Station, die durch das Leben in einer längere Zeit auf sich allein gestellten Gruppe geprägt ist, zu leiten. In dem hierarchisch geprägten Umfeld, das in vielen Kliniken herrscht, sind die meisten Ärzte eher gewohnt, geleitet zu werden, selbst die Chefärzte ordnen sich inzwischen mehr oder weniger den Verwaltungsdirektoren ihrer Klinik unter. Der naheliegende Grund ist eher, dass auf der Neumayer-Station die medizinischen Aufgaben im allgemeinen sehr überschaubar sind und das ist auch gut so. Der regierende Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit wird mir verzeihen, dass ich diese von ihm in einem anderen Zusammenhang gewählte Formulierung einfach auf die Neumayer-Station übertrage.

Wowi kenne ich nicht persönlich, aber wenn ich mich nicht gerade in der Antarktis aufhalte, lebe ich in "seiner" Stadt, zumindest in den letzten Jahren und auch früher habe ich schon mal über 10 Jahre in Berlin verbracht. Von meinen Wurzeln her komme ich aus einem ganz anderen Teil Deutschlands, nämlich aus Konstanz am Bodensee, wo ich zur Schule gegangen bin und wo ich auch später nochmals viele Jahre gewohnt habe.

Mit 52 Jahren bin ich der Senior der diesjährigen ÜWI-Gruppe und manche sind gerade mal halb so alt wie ich. Sie sind aber mehr als halb so groß, zum Teil sogar größer als ich, also passen wir doch ganz gut zusammen. Jedenfalls hat es bis jetzt den Anschein.

Warum ein 52-jähriger Unfallchirurg in die Antarktis geht, ist schnell erklärt. Eigentlich war es hauptsächlich die Neugier, etwas kennenzulernen, das zu sehen man normalerweise nicht die Gelegenheit hat. Ich war bisher noch nicht in der Antarktis, aber ich habe schon an mehreren Krankenhäusern in Deutschland gearbeitet. Anders als in Deutschland ist man hier für alles zuständig, was mit Krankheit zu tun hat, auch für Zahnbehandlungen, während man in Deutschland nur auf seinem Fachgebiet tätig ist. So verhilft mir der Aufenthalt auf der Neumayer-Station auch zur Erweiterung meines medizinischen Horizonts. Eine Tätigkeit als Zahnarzt nach meiner Rückkehr aus der Antarktis ziehe ich trotzdem nicht ernsthaft in Betracht.

Da ich ziemlich sportverrückt bin, habe ich mir ein Rennrad mit hierher gebracht. Um aber eventuellen Fragen gleich entgegenzutreten, nein, ich fahre hier nicht durch Eis und Schnee, sondern trete auf der Stelle, weil ich das Rad nämlich auf eine ebenfalls mitgebrachte Trainingsrolle montiert habe. Es gibt halt im Leben immer mal Situationen, wo man nicht vorwärts kommt. Ist ja auch gar nicht schlimm, wie man sieht, sondern kann der Gesundheit auch förderlich sein. Da auf der Neumayer-Station außerdem seit einigen Jahren noch ein Ruderergometer steht, ist sogar für etwas Abwechslung gesorgt, nur das mit dem Vorwärtskommen ist auch hier das selbe.

Ein zweites Hobby von mir ist die Musik. Ich habe mir ein ziemlich großes Keyboard mit hierher gebracht bzw. bringen lassen und wenn ich Zeit und Lust habe, spiele ich eigene oder fremde Stücke. Damit niemand darunter leiden muss, setze ich mir dazu meist einen Kopfhörer auf. In letzter Zeit habe ich auch einige selbst gedrehte Filme vertont, aber in Hollywood ist mein Name noch kein Begriff. Nicht mal in Babelsberg, obwohl das ja so nahe an Berlin liegt. Vielleicht sollte ich da nach meiner Rückkehr im Frühjahr 2008 mal vorbeischauen?

 


 
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