Der Ungers-Bau: Ein Steinschiff auf dem Trockenen
Polar- und Meeresforschung ist auch in der Architektur ein Thema: Seit 1986 ist das Alfred-Wegener-Institut in einem stattlichen Gebäude zu Hause, das an Seefahrt, Wasser und Meer erinnert. Besuchern, die in Richtung Innenstadt fahren, präsentiert es sich als ein riesiger Schiffsbug, der sich in das Straßenpflaster hinein zu schieben scheint – das Heck fehlt allerdings bis heute. Das Bauwerk, das sich vis-a-vis zum Alten Hafen und dem Deutschen Schifffahrtsmuseum befindet, wurde von Oswald Mathias Ungers entworfen. Er gehört zu den weltweit populärsten und bedeutendsten Architekten. Seine Bauten prägten die Architektur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nachhaltig. Für das Alfred-Wegener-Institut an der Columbusstraße in Bremerhaven hat er unter anderem den Preis „Bund Deutscher Architekten Bremen“ erhalten.
Elementare Formen
Unger hat eine Vorliebe für strenge geometrische Ordnungsraster: Elementare Formen wie Quadrat, Kreis beziehungsweise Kubus und Kugel sind grundlegende gestalterische Elemente seiner Architektur, die er auch im Alfred-Wegener-Institut variiert und transformiert hat. Dunkelrotes Klinkermauerwerk mit einem Raster aus weißen, quadratischen Fenstern gestaltet die Fassade. Durch den Ziegelfarbton und die dunkle Verfugung wirkt sie flächig und homogen. Die Details machen die Assoziation eines Ozeandampfers perfekt: Von außen sichtbar sind Geländer als Reling, Kamine als Schlote und das Dach mit Schotten. Letzteres ist als rund umlaufender Balkon begehbar und eröffnet einen weiten Blick auf die Wesermündung und Nordsee.
Historische Beispiele aus der Architektur
Wie kaum ein anderer Architekt ist Ungers seiner klaren Formensprache über Jahrzehnte treu geblieben. Er zählte zu den maßgeblichen Theoretikern der so genannten Zweiten Moderne: In seiner Formensprache beruft er sich gern auf elementare und vom jeweiligen Zeitgeschmack unabhängige Gestaltungsmittel der Architektur. Dabei bezieht er sich auf historische Beispiele aus der Architektur, die bis zurück zur römisch-griechischen Klassik reichen können. So finden sich im Innern des Alfred-Wegener-Instituts unter anderem eine zweigeschossige Halle mit rechteckigen Säulen, zwei halbkreisförmige, übereinander angeordnete Aufenthaltsräume und ein Licht durchflutetes Atrium.
Nur wenige Jahre später präsentierte Ungers einen Entwurf für den Laborneubau der Forschungsstelle Potsdam des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Er wurde ebenso realisiert und 1999 auf dem Telegrafenberg eingeweiht.



