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AtkaXpress von nun an online

Liebe Leser und Fans von Deutschlands südlichstem Magazin der Welt, 

Im AtkaXpress, den es seit März 2012 nur noch als Blog gibt, berichten die Mitglieder des Neumayer-Überwinterer-Teams in regelmäßigen Abständen von ihrem Leben und ihrer Arbeit an der Antarktis-Forschungsstation Neumayer III. Seitdem haben die Kollegen und Kolleginnen der Teams viele eindrucksvolle Beiträge geschrieben. Diese finden Sie archiviert unter den Jahreszahlen in der linken Spalte. Seit Dezember 2013 ist das 34. Team auf Neumayer und berichtet in diesem Blog. Sollten Sie Fragen haben, erreichen Sie unsere Blogautoren unter der E-Mail-Adresse atkaxpress(at)awi.de. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!


 
 

20. Oktober 2014: Post vom 35. Team - Die ersten Kisten gehen auf die Reise…

Die Multifunktions-Kiste passt. Andi (in der Kiste) und Elke schafften viel Platz für unser "€žSperrgut"€œ. Z.B. Langlaufski, Musikinstrumente und andere Sportgeräte. Foto: Elke Ludewig, Alfred-Wegener-Institut

Angekommen im Hafenlager. Foto: Peter Oertel, Alfred-Wegener-Institut

Geschafft: Der Zoll hat alles abgesegnet und wir haben alle Papiere zusammen! Foto: Peter Oertel, Alfred-Wegener-Institut

... nun ja, nicht wirklich. Weil der Transporter, nämlich der Eisbrecher "Polarstern", erst vor kurzem aus Tromsö (Norwegen) zurück in Bremerhaven eingetroffen ist und zur Zeit für Wartungsarbeiten in der Lloyd-Werft im Trockendock liegt.

Aber unsere 32 Kisten mit unseren persönlichen Sachen haben bereits die EU-Außengrenze in Bremerhaven in Form des Freihafens erreicht. Im Freihafen stehen Tausende von Autos, die von irgendwoher ankommen oder irgendwohin verschifft werden. Außerdem findet man Werften, Errichterschiffe für Offshore-Windkraftanlagen in der Nordsee und Terminals für die riesigen Containerschiffe aus aller Welt, die dort entladen (gelöscht) und beladen werden.

Und dort steht auch das AWI-Hafenlager in dem alle Frachten für die Forschungsschiffe und Polar-Stationen gelagert werden. Der Zoll kann dort jederzeit kontrollieren, was da so herum steht, und er muss von jedem Ding Bescheid wissen, was es ist und woher bzw. wohin es gehen soll. Die Durchführungsvorschriften zur Einhaltung der Zollbestimmungen sind im letzten Jahr etwas komplizierter geworden und so mussten wir schon sehr früh unsere Kisten gepackt haben.

Das bedeutet, dass man für jede seiner Kiste eine Pack-Liste haben muss und für alle Kisten zusammen eine Frachtliste, auf der das Gewicht, der Inhalt und der Wert jeder Kiste vermerkt ist. Wenn man das alles hat, bekommt man eine Statusliste zurück, die man zwingend benötigt, möchte man seine Kisten nach der Rückkehr wieder nach Deutschland einführen. Folglich kann man nicht mit mehr Kisten zurückkommen als man ursprünglich ausgeführt hatte. Es will also gut überlegt sein, was reinkommt in die 80x60x40 cm großen Aluboxen. Denn wenn die einmal im Hafenlager abgegeben sind, kommt man nicht mehr an sie heran und kann auch nichts mehr dazu packen oder herausnehmen.

Oft wurden wir die letzten Tage gefragt: „Was nehmt ihr denn eigentlich alles mit auf die Station?“ Nun, das gestaltet sich sehr unterschiedlich. Benötigt der eine nur eine einzige Kiste, können es beim anderen gleich fünf Kisten sein. Aber hier einmal ein paar unsortierte Stichworte als Beispiele: Langlaufski, Kuschelkissen, Kuscheldecke, Strickzeug, Schlagzeug, Dudelsack, Desktop-PC, Kosmetika, Saxophon, Leseleuchten, Musikinstrumentenbausatz, Ölmalzeug, Leinwand, Küchenmesserset, E-Bass, Golfschläger, Tischtennisschläger, Festplatten, Monitor, WII und vieles anderes…

Wir hoffen auf alle Fälle, dass wir nichts Wesentliches vergessen haben und wir freuen uns schon auf ein Wiedersehen mit ihnen auf  Neumayer. Natürlich Vollzählig!

beste Grüße

Markus Eser


 

14. Oktober 2014: Post vom 35. Team - Das Logo ist fertig

Markus Eser und Jens Biethan beim Verkauf der Teamartikel. Foto: Andreas Leonhardt

Das Logo des 35. Überwintererteams.

Die Aufnäher des 35. Überwintererteams. Foto: Andreas Leonhardt, Alfred-Wegener-Institut

Jedes Jahr ist das Erstellen des ÜWI-Logos eines der ersten “Team-Projekte”. Es wird für die ÜWI-Poloshirts, Aufkleber und sonstige Merchandising-Produkte verwendet, die jedes ÜWI-Team individuell aussucht und deren Produktion es auch selbst organisiert.

Während des Bergkurses setzten wir uns abends zusammen und “brüteten”. Es ist nicht leicht, jedes Jahr etwas einigermaßen Neues zu entwickeln, denn die 34 Teams vor uns haben sich ja auch schon die Köpfe zerbrochen. Dazu kommt in diesem Jahr auch noch, dass die Gepäckabgabe für den AWI-Eisbrecher “Polarstern”, der uns mit Gütern beliefert, extrem früh erfolgt, weil sich diverse Zollbestimmungen geändert haben. Das bedeutet extremer Termindruck für uns. Denn produziert werden müssen die ganzen Sachen ja auch noch und dann auf das Schiff, damit wir auch etwas verkaufen können. Denn die Sommergäste und die Schiffs- und Flugzeugbesatzungen gehören zu unseren “Hauptkunden”.

Aber auch wir haben es geschafft: Hier ist das Logo des 35. Überwinterungteams

Wir haben uns für die Darstellung der Station an der Schelf-Eiskante entschieden. Im Hintergrund ist das Sternbild des “Kreuz des Südens” abgebildet, welches man in Mitteleuropa nicht sehen kann.

Dazu kommen noch ein paar hübsche Polarlichter, die uns hoffentlich reichlich leuchten werden.

Umrandet wird es mit ein wenig Text und dem AWI-Logo.

Der Entwurf stammt von uns und grafisch in Reinform gebracht hat das Ganze eine befreundete Grafikerin von Markus, unserem Elektrotechniker. Ihr sei an dieser Stelle nochmal herzlichst gedankt für die prompte Zusage und für Ihre Unterstützung bei der Umsetzung noch während eines Telefonats vom Gletscher im Ötztal am Abend unseres Biwaks. Wir danken auch unserer Werbeproduktion, die mit viel Geduld und Zeitdruck unsere Aufträge abgearbeitet hat.

Wir hoffen Euch gefällt es so gut wie uns!

Markus Eser

 

Nachtrag: Die verschiedenen Produkte sind mittlerweile geliefert worden und im Verkauf. Hier seht ihr Bilder. Zu kaufen gibt es das Ganze bei uns und beim Pförtner im Gebäude D des AWI in Bremerhaven – natürlich nur so solange der Vorrat reicht.

Die Preise – ohne Versandkosten:

  • Tasse mit Logo auf Vorder- und Rückseite: 10 Euro
  • Poloshirts (Größen M-L-XL): 25 Euro
  • Aufnäher (gewebt): 5 Euro
  • Aufkleber: 0,50 Euro / Stck.
  • Aufkleber: 2 Euro / 5 Stück

 

 

 

 


 

Die Tasse des 35. Überwintererteams. Foto: Andreas Leonhardt, Alfred-Wegener-Institutes

Das komplette Verkaufssortiment. Foto: Andreas Leonhardt


 

10. Oktober 2014: Unsere kleine Stadt im Eis

Willkommen an der Neumayer-Station III. Foto: Alfred-Wegener-Institut

So mancher Leser dieses Blogs mag sicherlich glauben, dass hier auf der Neumayer-Station III nur Wissenschaft betrieben wird. In gewisser Weise stimmt das auch. Jedoch gibt es hier „nur“ vier Wissenschaftler und fünf Menschen, die dafür da sind, dass Wissenschaft betrieben werden kann.

Wir sind die Mannschaft, die nicht nur organisatorisch und kulinarisch alles am Laufen hält, sondern vor allem technisch. Für den organisatorischen Teil ist unser Stationsleiter Holger verantwortlich, der auch als Arzt für uns im Notfall da ist. Ralf - unser Koch - hält uns durch seine Arbeit den Rücken frei, damit alle anderen ihre Zeit für ihre Aufgaben haben und nicht auch noch drei Mahlzeiten für acht Überwinterer selbst zubereiten müssen. Somit ist Ralf wohl der (fast ;-)) wichtigste neunte Überwinterer hier auf der Station. Der dritte im Bunde, der die Wissenschaft unterstützt, ist Dirk. Er kümmert sich nicht nur um unsere Kommunikationsanlagen, sondern ist als Systemadministrator für das gesamte Computernetz sowie alle Server der Wissenschaft verantwortlich. Markus, unser Stationsingenieur, und ich als Stationselektriker kümmern uns gemeinschaftlich um die gesamte „restliche“ Technik hier auf der Station – und das ist nicht wenig.

Es ist wie die Technik einer kleinen Stadt, um die wir uns kümmern. Damit ihr liebe Leser einen kleinen Überblick bekommt, was es hier so auf der Station an Technik gibt, habe ich einmal eine kleine Auflistung erstellt, welche natürlich auch Besonderheiten mit einschließt, die eine Stadt nicht unbedingt hat.


 

Unsere Blockheizkraftwerk (BHKW) und Kraftpakete, genannt "Peter", "Paul" und "Mary". Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Unser Windrad Lucy. Foto Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Das Radom. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Die Trinkwasseraufbereitungsanlage. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Die Kläranlage. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Die Lüftungsanlage. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Die Löschanlage für die Blockheizkraftwerke. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Der Operationsraum. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Wie erzeugen wir Energie?

Man möge glauben, Strom wäre das wichtigste hier auf der Station, denn ohne Strom geht hier gar nichts. Stimmt in gewisser Weise, jedoch wird man schnell merken, dass hier alles wichtig ist - denn ohne Wasser geht es hier auch nicht. Nun aber erst einmal zur Energieerzeugung.
Über drei Blockheizkraftwerke (plus ein Not-BHKW) und eine Windenergieanlage (von uns liebevoll Lucy genannt) erzeugen wir hier unseren Strom. Eine batteriegestützte, unterbrechungsfreie Spannungsversorgung sorgt bei Ausfall eines BHKWs dafür, dass alle Rechner, Server und auch der OP (unser kleines Krankenhaus) weiter Spannung haben, bis das ein anderes BHKW angelaufen ist und alles wieder mit Strom versorgt.

Telefon, Internet und vor allem die Übertragung der wissenschaftlichen Daten funktionieren über eine Satellitenverbindung. Dazu haben wir etwas außerhalb eine größere Parabolantenne stehen, die mit einem Schutz vor der Witterung (Radom) versehen ist. Über diese werden die Daten via Satellit nach Deutschland übertragen.

Woher kommt unser Trinkwasser?

Das Trinkwasser müssen wir uns hier ebenfalls selber herstellen. Dazu schieben wir Schnee und Eis (davon haben wir hier ja mehr als genug) in die Schneeschmelze. Von dort wird das Wasser in zwei große Wassertanks gepumpt und bevor es dann bei uns hier aus dem Wasserhahn läuft, wird es noch über eine Trinkwasseraufbereitungsanlage geleitet. Dort fließt das Wasser durch einen Aktivkohlefilter und wird auch noch durch eine starke UV-C-Strahlenquelle entkeimt. Die natürlichen Mineralien, die hier im Schnee fehlen, werden durch eine Dosieranlage ergänzt. Eine Druckerhöhungsanlage sorgt dafür, dass das Wasser auch aus der Leitung kommt.  Sonst ständen wir unter der Dusche im Trockenen.

Wo es Trinkwasser gibt, gibt es auch Abwasser. Das Abwasser wird hier über eine geschlossene Kleinkläranlage gereinigt. Das so gereinigte Wasser wird noch einmal für die Toilettenspülung verwendet und überschüssiges (gereinigtes!) Wasser wird tief in ein Eisfeld abgeleitet. Der Klärschlamm, der übrig bleibt, wird aufgefangen und mit dem Schiff aus der Antarktis abtransportiert.

Dort, wo Wasser durch Rohre fließt und es kalt ist, müssen Rohre gut isoliert sein und beheizt werden, da sie sonst einfrieren und platzen würden. Dazu sind die Rohre in den kalten Bereichen mit einer Rohrbegleitheizung ausgerüstet. Diese müssen natürlich regelmäßig kontrolliert und geprüft werden.

Weil wir hier keine Fenster haben, die man mal eben zum Lüften öffnen kann, erfolgt die Luftversorgung auf den einzelnen Etagen über mehrere Lüftungsanlagen. Diese heizen die Außenluft über die Abwärme der Stationsabluft vor, bevor sie anschließend durch die Abwärme der BHKW’s auf Raumtemperatur gebracht wird.

Weil die BHKWs nicht mit Wasser, sondern mit Diesel betrieben werden, gibt es zur Betankung der Station eine Pumpenanlage, die den Diesel aus den mobilen Tankcontainern in die Station pumpt. Damit die Station nicht wie die Neumayer-Station II so langsam im Eis versinkt, kann die gesamte Station mit einem Gewicht von 2300 Tonnen (!) über eine hydraulische Anlage angehoben werden. Sie drückt die Station regelrecht aus dem Eis heraus. Damit die Station aber nicht irgendwann schief steht, gibt es dazu eine recht aufwendige messtechnische Überwachung, bestehend aus einer elektronischen Schlauchwaage, Wegstrecken-, und Drucksensoren. So kann auch die Verbiegung der Station überwacht werden.

Eine weitere sehr wichtige Einrichtung ist unsere Brandmeldeanlage mit angeschlossener Löschanlage im Bereich der BHKWs. Sollte es tatsächlich mal zu einem Brand kommen, so sind wir Überwinterer auf uns alleine gestellt. Einen Notruf, wie es ihn woanders auf der Welt gibt, haben wir hier nicht. Hier gibt es praktisch in jedem Raum einen Rauchmelder und an vielen markanten Stellen Brandmeldeschalter. Akustikmelder sind auf der ganzen Station so verteilt, dass überall sofort ein Alarm zu hören ist. Die Löschanlage ist in den Räumen der BHKWs installiert, wo sie im Notfall einen sehr feinen Nebel erzeugt und so die Energie aus einem Feuer nimmt.

Eine weitere wichtige Einrichtung ist unser Krankenhaus. Naja, es ist nicht wirklich ein Krankenhaus – jedoch gibt es hier alle wichtigen Einrichtungen, die ein Krankenhaus so haben muss: einen Behandlungsraum, in dem auch ein Krankenbett steht; einen OP mit Röntgengerät, Beatmungsgerät und noch so einiges, worüber unser Arzt sicherlich mehr sagen kann.

Weil wir Überwinterer neun Monate lang von der Außenwelt abgeschnitten sind und nicht mal eben in den Supermarkt neben an einkaufen gehen können, müssen alle Lebensmittel eingelagert werden. Dazu gibt es mehrere Kühlkammern und Lagerräume mit unterschiedlichen Temperaturbereichen.

Viele technische Einrichtungen sind für uns hier (über)lebensnotwendig, daher werden sie über unsere Gebäudeleittechnik überwacht und visualisiert. Damit wir schnell über alle wichtigen Zustände wie z.B. Temperaturen der BHKW’s, Lüftungsanlagen, Hydraulikanlage sowie Füllstände der Trinkwasser- aber auch der Dieseltanks informiert sind. Wenn irgendwelche Störungen auftreten, werden diese auf einem Monitor angezeigt, und wir werden zusätzlich über unser Bereitschaftstelefon informiert und manchmal sogar nachts etwas unsanft aus dem Schlaf geholt.

Zu den ganzen großtechnischen Einrichtungen kommen noch viele Klein- und Großgeräte, angefangen beim Mixer in der Küche bis zur Spül- oder Waschmaschine und dem Trockner. Außerdem haben wir so einiges elektrotechnisches Werkzeug wie z.B. Bohrmaschinen, Schweißgeräte, eine Drehbank sowie Presswerkzeuge etc.

Unseren Abfall pressen wir über eine Müllpresse und sammeln ihn in einen Container. Dieser wird dann einmal pro Jahr via Schiff abgeholt und später auf dem Festland entsorgt.

Und da wäre noch der Fuhrpark, der zwar nicht direkt zur Technik der Station gehört, aber dennoch von uns Technikern gepflegt und gewartet werden muss. Dazu zählen die Pistenbullys, Skidoos, eine Hebebühne und ein Kran.

Strom, Wasser, Heizung, Telefon, Internet, Müllentsorgung – im Grund kann man unser gesamtes Versorgungssystem und die Stationstechnik mit jenen einer Stadt vergleichen. Nur das sich bei uns zum Beispiel das Krankenhaus und die Apotheke auf der selben Etage befinden wie die Kantine, das Rechenzentrum und das Kino (Beamer wäre eigentlich hier richtig J). Unser Fitnesscenter liegt im Untergeschoss zusammen mit der Kfz-Werkstatt und den Lagern, in denen wir alle nötigen Ersatzteile verstauen.

Es gibt sicherlich noch so einiges, was ich hier nicht erwähnt habe, aber ich denke, es genügt, um zu erkennen, dass wir hier in einer kleine Stadt leben, wo wir Techniker dafür sorgen, dass andere Menschen und wir selbst natürlich hier leben und arbeiten können.

Beste Grüße

Lothar Brungs


 

2. September 2014: Das neue Team geht an den Start

Anreise: Gruppenfoto vor der Zugspitze. Von links nach rechts: Markus, Bettina, Annemarie, Petra, Peter, Elke, Jens, Frank und Andreas. Foto: Eberhard Kohlberg, Alfred-Wegener-Institut

Anreise: Kurze Rast vor dem letzten Aufstieg zum Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Seilschafttraining rund um das Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Bergungstraining am Schwärzenjoch. Jens ist ganz links tief gefallen, Frank spielt bewusstlos und wird von Elke und Peter gerettet, Elke prusikt nach dem Einhängen des Karabiners in Franks Gurt wieder zurück an die Kante, wo dann zusammen mit Peter das große Hochziehen beginnt. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Die Rettungsübung vor malerischer Kulisse und aus anderer Perspektive. Foto: Annemarie Sticher, Alfred-Wegener-Institut

Das große Hochziehen/Retten von Jens am Schwärzenjoch unter strenger Beobachtung von Eberhard (links mit roter Jacke). Bergführer Paul Mair (ornage-blau) hilft Petra und Andreas bei der Bergung des verunglückten Jens. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Liebe Atka-Express-Fans,

während unsere Kollegen im Süden noch dem Sturm und Schnee trotzen, stecken wir, das neue Überwinterungsteam 2015 schon tief in der Vorbereitungsphase.

Um das WIR mal schnell zu definieren, hier ein paar Infos über uns:

Unsere Ärztin und Stationsleiterin Petra ist im Göttinger Raum beheimatet. Sie ist Chirurgin und war auch als Notärztin im Einsatz. Emden ist mit unserem Koch Frank vertreten. Er war lange auf den Nordseeinseln gastronomisch unterwegs und zuletzt Smut auf einem Errichterschiff (Windlift 1).

Jens aus Darmstadt kümmert sich um die IT und den Funkverkehr. Er arbeitete in Dresden bei einem bekannten Prozessorhersteller in der Entwicklung. Er ist Elektroingenieur und hat sich im Bereich Mikroelektronik und Halbleitertechnik spezialisiert und hat auch darüber seine Promotion geschrieben.

Markus aus dem Augsburger Umkreis ist unser Elektrotechniker. Er arbeitete bei einem Energieversorger in Augsburg als Informatiker in der IT, war aber vorher lange Jahre in Bereich Prozessleittechnik und Automatisierungstechnik unterwegs. Peter aus Berlin ist unser Betriebsingenieur. Er fährt seit seiner Ausbildung zur See. Zuletzt als Chef-Ingenieur auf dem Containerschiff Pretoria.  Diese fünf halten die Station am Laufen, während wir restlichen vier uns um die Wissenschaft kümmern.

Da haben wir Andreas, schnell nach seiner Masterarbeit noch aus Oslo zurück nach Deutschland importiert und die erfahrene Saarländerin Annemarie aus Kiel für die Geophysik. Nachdem wir nun den Promotionsstress aus den Knochen geschüttelt haben, können Bettina (Luftchemie) und meine Wenigkeit, Elke (Meteorologie) unsere Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Atmosphäre richten.

So ungefähr haben wir uns am 1. August schnell kennen gelernt und dann ging es auch gleich los mit interessanten Vorträgen und Einblicken, die nur den Wunsch äußern, schnellstmöglich die reale Neumayer-Station III zu betreten. Uns Neunen wurde durch die Details in den Vorträgen nun auf alle Fälle richtig bewusst, welche Verantwortung wir in den 15 Monaten auf der Station übertragen bekommen und welche Stellenwert die deutsche Polarforschung durch das AWI mit der Präsenz durch die Neumayer-Station III in der Antarktis einnimmt. Dass wir da dabei sein und Deutschland vertreten dürfen macht uns schon ein bisschen stolz.

Der Bergkurs am Hochwildehaus in den Ötztaler Alpen war dann auch schon ein Highlight. Paul und Mike, unsere beiden „brudaahl“ (<- Vokabel für Insider) guten Bergführer haben uns perfekt vorbereitet in Sachen Bergung bei nettem, nassem Wetter. Da wurde mit Reepschnüren alias „Paketschnüre“ geprusikt was das Zeug hält und wir haben alle wieder aus der Tiefe bekommen. Gleichzeitig fing das Herz des einen oder anderen, der das Gebirge bisher nur vom Hörensagen kannte, schon für die Berge an zu schlagen und das in über 3000 Metern!

Die Survival-Ausrüstung wurde intensiv getestet. Zelten im Schnee bei Schneesturm! Seit vielen Jahren wieder einmal ein Üwi-Biwak unter sehr realistischen Bedingungen. Auf einem Schneefeld nahe dem Gletscher bauten wir ebene Standflächen, um darauf unsere vier Zelte aufzubauen. Die Nacht war kalt aber unsere Daunenschlafsäcke hielten stand und so wurde, zumindest das was im Schlafsack Platz fand, nicht kalt. Da musste dann am nächsten Morgen der Eishammer her um all’ die Verankerungen und Schneelappen der Zelte wieder los zu bekommen. Wir hoffen, dass wir in der Antarktis die rote Survival-Kiste nur zum Checken aufmachen müssen. Na gut, ein wenig haben wir gemogelt. Der Wirt hat uns doch Brennholz für ein Lagerfeuer bereitgestellt, und auch ein bisschen etwas zur „inneren Erwärmung“ mitgegeben. Da hat das Tütenessen doch gleich etwas besser gemundet.

Aber dennoch ließen es sich zwei von uns nicht nehmen (wer genau, ist „Betriebsgeheimnis“) in der Früh ein äußerst erfrischendes Bad im Gletschersee zu nehmen. Zuvor mussten sie aber die dünne Eisdecke zerstören :-) . Wer’s mag…

Jetzt sind wir in unseren Spezialgebieten unterwegs und lernen fleißig, was auf uns arbeitstechnisch zukommt. Auf uns wartet unter anderem noch ein Kettensägenkurs, der Brandschutzkurs, Erste Hilfe und vieles mehr.

Unsere Techniker reisen zur Zeit sehr viel in der näheren und weiteren Umgebung umher, um in Sachen Satellitenkommunikation, Windkraftwerk, Blockheizkraftwerk, Kläranlage und vieles mehr, auf aktuellen Stand zu kommen damit sie den sicheren Betrieb der Station gewährleisten können.

Aber davon genaueres zu einem späteren Zeitpunkt. Auch werden wir uns natürlich noch detaillierter bei Euch vorstellen. Besonders die Wissenschaft, die diesmal etwas zu kurz gekommen ist. Aber im Moment ist der Terminplan dicht gedrängt.

 

Es grüßen Euch herzlich im Namen aller neuen ÜWIS

 

Elke und Markus

 

 


 

Weitere Bilder

 

 

Seilschafttraining rund um das Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Einführung in die Survival-Kiste im "AWI-Zimmer" des Hochwildehauses.Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Unser Biwakplatz mit vier unterschiedlichen Zelten am frühen Morgen. Die Kälte der Nacht kann man anhand den vereisten Zeltplanen erahnen. Der folgende Abbau war nur mit Eispickel möglich. Links im Bild unsere Kochstelle, wo unser Koch Frank schon kurz nach 6 Uhr für heißen Kaffee und Kakao sorgte. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Gruppenfoto am Nachmittag vor der Zeltnacht am Biwakplatz. Foto: Bergführer Michael Winkler

Das Hochwildehaus am Morgen nach dem Biwakieren. Der See ist gefroren, der Mensch mit Gepäck ist Elke, die wie alle anderen das Zeltzubehör vom Biwakplatz zurückschleppt. Die Holzbalken auf der Vorderfront des Hochwildehauses dienen als Stütze, weil der Permafrost an der Hütte auftaut. In zwei Jahren gibt"s dann eine neue Hütte. Das kleine Häuschen im Hintergrund ist die Fidelitas-Hütte, sozusagen die erste Hütte da oben. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Aufmerksames Zuhören des Teams bei der Einweisung zur Seilrolle am Felsen. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut


 

10. Juli 2014: Neues aus der Stationskombüse

Blick in die Vorratskammer. Foto: Ralf Geisel, Alfred-Wegener-Institut

Die Stationsküche enthält alles, was ein Koch benötigt. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Teamfrühstück. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Bäcker und Koch in Personalunion: Ralf Geisel knetet einen Teig. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Moin, liebe Leser. Nachdem wir am 15. Dezember 2013 in München zu unserer außergewöhnlichen Reise in die Antarktis aufgebrochen sind, ist über ein halbes Jahr ins Land gegangen. Grund genug, um ein paar Eindrücke zu schildern, damit die Daheimgebliebenen sich ein bisschen in die Lage versetzen können, in der wir uns befinden. Damit man versteht, an welchem ungewöhnlichen Arbeitsort wir sind, wie die Arbeitsabläufe sind und wie die Freizeitgestaltung an der 13569 Kilometer entfernten Neumayer-Station III ist.

 

Von 30 Grad plus auf 12 Grad minus.

Die Ankunft in der Antarktis war alles andere als freundlich. Dass wir in die Kälte flogen, war schon klar, innerhalb von sechs Stunden einen Temperatursturz von über 40 Grad Celsius zu haben, war auch klar. Aber dass wir noch fünf Tage wegen Schneesturms und starker Drift auf der russischen Forschungsstation „Novo“ festhingen würden, hatte keiner so richtig auf dem Zettel. Der Flugverkehr zu Neumayer wurde eingestellt. Keine Sicht, kein Flug. Erst als die Piloten nach fünf Tagen ein Wetterloch gefunden hatten, ging es endlich die letzten 730 Km weiter zu unserem neuen Arbeitsplatz, den wir für die nächsten 14 Monate innehaben würden. Der Empfang war groß und nachdem wir die Station von innen begutachtet hatten, ging es am kommenden Tag auch schon los.

 

Eingewöhnungsphase und Stauen

Mit meinem Vorgänger konnte man gut arbeiten, von daher hatten wir schnell unsere „Chemie“ gefunden. Weihnachten und Silvester standen vor der eisigen Stationstür und wir wollten uns ein paar schöne gemeinsame Stunden schenken. Das Menü für den 24. Dezember war „Ganz(s)“ klassisch.

  • Kraftbrühe vom südafrikanischen Wild mit Springbockravioli
  • Duo von der polnischen Hafermastgans mit hausgemachtem Apfel-Ingwer-Rotkohl, Kartoffelklöße und geschmorter Bratapfel
  • Pistaziencreme im Backmantel auf Saucenspiegel mit karamellisierten Früchten und Sahne

 

An Silvester gab es ein ausgiebiges Buffet, welches schnell geplündert war. So war die Eingewöhnungsphase schon abgeschlossen und es ging nahtlos zum Stauen über, denn unser Versorgungsschiff Polarstern hatte in 20 Kilometer Entfernung an der Schelfeiskante in der Atkabucht festgemacht und musste entladen werden. 

Sechs Container a 30 Kubikmeter, davon zweimal Tiefkühlware und viermal Trockenproviant, Getränke und Haushaltswaren  mussten in die dafür vorgesehenen Lasten verstaut werden. Mit schwerem Gerät! Hier bedeutet das: Mit Pistenbully wurden die Container von der Polarstern zur Station gezogen. Danach wurden die Paletten mit Ware aus den Containern ausgestaut und mit dem Fahrstuhl eine Etage tiefer gefahren und in den Kühlräumen mit +5 Grad Celsius bzw. -20 Grad Celsius verteilt. Nach drei Tagen intensivster Arbeit meldete ich Vollzug.

 

Arbeitsort Kombüse Neumayer-Station III

Die Kombüse ist komplett eingerichtet. Es fehlt an nichts, außer dass ein direkter Durchgang zur Messe wünschenswert gewesen wäre. Da können sich manche Küchen in der freien Wirtschaft eine Scheibe von abschneiden. Hier muss man nicht improvisieren. Das ist auch gut so, denn man kann nicht mal eben in ein Geschäft laufen und sich was nachkaufen. Der Supermarkt oder der Kücheneinrichter ist hier nicht um die Ecke. Wenn nicht alles, was gebraucht wird, mit der Polarstern oder dem letzten Flieger, der Ende Februar reinkommt, gibt es für die nächsten acht bis neun Monate keine Möglichkeit, etwas nachzubestellen. Das macht diese Expedition aus, abgeschieden von jeglicher Zivilisation: keine Autos, keine Häuser, keine Bäume, nichts außer Schnee auf einem über 13 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent. Hinzu kommt noch die Kälte, die im Winter zwischen Juni und Oktober auch mal bis -50 Grad Celsius geht oder diese Temperatur sogar unterschreitet.

Ach so, wir haben hier alles was das Herz (der Magen) begehrt. Lamm, Fischsortiment, Wild, Rind, Geflügel, sogar südafrikanisches Wild wie Strauß, Kudu, Springbock bis hin zu verschiedenen Gemüsen und Sättigungsbeilagen.  Käse, Wurst, Milch, Süßigkeiten, Knabbergebäck u.s.w. Es fehlt nichts. Nur die frisch Ware ist fast alle. Lediglich Kartoffeln, Knoblauch und Karotten sind noch im Kühlhaus.

 

Arbeitszeiten

In der Sommersaison, wenn ich für bis zu 50 Personen koche, gibt es Frühstück von 7 bis 8 Uhr, Mittagessen von 12 bis 13 Uhr und Abendbrot von 18 bis19 Uhr. Die Personenzahl richtet sich danach, ob ein Flieger rein kommt, der Forscher von anderen Stationen mitbringt oder ob Forscher von einer Traverse zurückkommen bzw. aufbrechen. Im Sommer ist das ein sehr hartes Berufsleben. Im Winter aber reduziert sich die Belastung deutlich. Ab Ende Februar, wenn der letzte Flieger in Richtung Südafrika aufgebrochen ist, sind nur noch wir neun Überwinterer auf der Station.  Die Essenszeiten sind dem jetzigen Arbeitsablauf angepasst.

 

Freizeit

Die Freizeitgestaltung ist natürlich ein großes Thema. Außerhalb der Station ist das Freizeitangebot nur gering oder gar nicht vorhanden. Also spielt sich das meiste im Inneren der Station ab. Möglichkeiten haben wir viele. Da wären zum Beispiel Tischtennis, unser Sportraum, Zirkeltraining, Billard, Tischfußball,  Basketball,  Instrumente spielen im eigens dafür von uns eingerichteten „Proberaum“,  Dart,  Kino,  Bibliothek , Gesellschaftsspiele oder an der Theke sitzen und Skat spielen. Sprachen lernen, wie Spanisch oder Norwegisch ist auch eine Option. Im Moment ist natürlich die Fußballweltmeisterschaft sehr gefragt. Einige Spiele können wir mit etwa einem Tag Verzögerung anschauen. All diese Möglichkeiten sind enorm wichtig für den Zusammenhalt auf der Station.

Heute, an dem Tag  an dem ich den Bericht verfasst habe, ist die Hälfte der Überwinterung vorbei. Noch vier bis fünf Monate, bis der erste Flieger an der Neumayer- Station landen wird, neue Forscher und Techniker als Sommergäste bringt, und eine neue  Saison starten kann. Bis dahin werden wir noch viel Schnee schieben, forschen und gemeinsame Abende verbringen. Und ich? Ich werde hier weiter für gute Stimmung sorgen, indem ich täglich die leckersten Gerichte auf den Tisch zaubere, bis wir im Februar 2015 die Heimkehr antreten.

Ralf Geisel, Koch Neumayer Station III


 

27. Mai 2014: ...und das Klohäuschen muss mit

Nehmen wir an, Sie betreiben in Deutschland eine kleine Forschungseinrichtung. Sie haben 80 km von Ihrem Büro entfernt eine kleine Messtation errichtet. Diese liefert Ihnen Daten, die Sie dann in Ihrem Büro auswerten. Die Stromversorgung übernimmt ein Kabel zum örtlichen Energieversorger, die Daten fließen durch die Telefonleitung.

Dass es ganz so einfach in der Antarktis nicht ist, wissen Sie bereits aus vorhergehenden Artikeln. Der örtliche Energieversorger existiert nicht, also muss man sich die Energie zum Betreiben der Station selbst produzieren und eine Telefonleitung, die die Datenströme transportieren könnte, ist auch noch nicht verlegt worden. Also hilft hier nur die Richtfunkstrecke weiter.

Alle diese Maßnahmen sollten so wartungsarm als möglich gebaut werden. Denn während Sie zu Hause bei einem Ausfall Ihrer Messstation einfach ins Auto springen, durchschnittlich eine Stunde später an Ihrer Station ankommen, auf dem Weg noch kurz im Baumarkt anhalten und fehlendes Werkzeug und Baumaterial erwerben, erfordert ein Besuch bei unserer Messstation ein klein wenig mehr Planung und Zeitaufwand.


 

Am 07. April war es soweit, die Vorbereitungen waren abgeschlossen und die Abreise stand bevor. Die Seismometerstation „OLYMP“ produzierte Schwankungen in der Datenqualität, die von Neumayer aus nicht korrigiert werden konnten. Es war schnell klar, dass eine Wartung vor Ort durchgeführt werden musste. Es wurden Werkzeuge, evtl. notwendiges Reparaturmaterial, sogar sicherheitshalber Geräte zum vollständigen Austausch eingepackt, dazu zwei Generatoren, um den notwendigen Strom zu erzeugen und natürlich der Treibstoff für die Generatoren.

Da für die Arbeiten 2-3 Tage im Minimum anzusetzen waren, wurde auch ein „Wohnwagen“ mit Proviant, Geschirr und Sicherheitsequipment ausgerüstet. Das ganze wurde als Schlittenzug hinter einen Pistenbully gespannt, der natürlich auch betankt werden wollte, also fanden auch einige Fässer mit Polardiesel Platz in unserem Gepäck. Was brauchten wir sonst noch? Zwei Geophysiker, die sich mit der Wartung auskennen und einen Stationsleiter/Arzt, der für eventuelle Zwischenfälle, das Catering und „housekeeping“, als Fahrer und sonstige Belange mitfuhr. Wie Sie sehen – obwohl sich die Station NUR 80 km entfernt befindet, ist doch einiges an Aufwand nötig


 

Einen wesentlichen Bestandteil des Gepäcks habe ich noch nicht erwähnt. Wir nahmen ausreichend Proviant mit, also mussten wir auch Vorsorge treffen, die daraus entstehenden „Rückstände“ umweltgerecht zu entsorgen. Dazu diente uns ein Toilettenhäuschen, das auch gleichzeitig Schutz vor allzu kalten Empfindungen rund um den entblößten Allerwertesten bot.

Nun aber wirklich – 12 Uhr, Abfahrt! … und los.

Der direkte Weg steht aus Gründen von Gletscherspalten leider nicht zur Verfügung, so dass der nötige Umweg die Strecke auf knapp 110 km ausdehnen würde. Wenn wir gut durchkommen würden, könnten wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 10 und 12 km/h rechnen, also planten wir gleich knapp 12 Stunden allein für die Anreise ein.


 

So war es denn auch – gegen 23 Uhr erreichten wir die Seismometerstation „OLYMP“, nahmen das WC-Gebäude in Betrieb und läuteten den Nachtschlaf ein. Daniel, der größte Outdoorfan im Team, schaufelte sich einen kleinen Wall im Schnee und packte sich mit Isomatte und Schlafsack unter die Milchstraße und diverse Satelliten zum Schlafen, Johannes und ich zogen den „Wohnwagen“ vor.

Verglich man die Temperaturen, so war der Unterschied zwischen den beiden Schlafgelegenheiten wohl eher vernachlässigbar. Da wir noch keinen Strom produzierten, war der Wohnwagen auch noch nicht beheizt, was sich am folgenden Morgen auch unmissverständlich am mitgeführten Trinkwasser ablesen ließ, das über Nacht den Aggregatzustand gewechselt hatte.


 

Die 20-Liter-Eisblöcke waren in dieser Form zumindest für den Morgenkaffee eher untauglich. Doch wenn es etwas im Überfluss in der Antarktis gibt, dann ist es Wasser – nur eben nicht flüssig, sondern in Form von Schnee, der zunächst unter Zuhilfenahme des Gaskochers verflüssigt und anschließend zum Kochen gebracht wurde – 45 min später duftete auch schon der frisch gebrühte Kaffee…

Zwischenzeitlich setzte auch die Stromproduktion und damit verbunden eine gewisse Wärmeentwicklung durch den Ölradiator und die beiden Heißluftgebläse ein. Am frühen Nachmittag war die Innentemperatur dann in den Plusbereich der Celsiusskala verlagert und es wurde angenehm. Lustig, wie die Ansprüche sinken… Empfinde ich im heimatlichen Wohnzimmer die vom Kaminofen erzeugten 22 Grad Celsius als Wohlfühltemperatur, war ich hier auch schon mit knappen 15 Grad zufrieden…


 

Nachdem Temperatur, Kaffee und Mittagessen geregelt waren, ging es rasch an die Fehleranalyse und die daraus resultierenden Reparaturen, die sich alles in allem über 2 Tage hinzogen und bei frostigen Bedingungen zu sehr interessanten Ansichten führten.

In der Zwischenzeit holte uns leider ein Tiefdruckgebiet mit reichlich Wind und Schneedrift ein.

 

Die Arbeiten wurden daher rasch beendet und der Pistenbully ausgegraben, der inzwischen in einer Schneewehe zu versinken drohte. Alles Material wurde rasch wieder sicher verlastet und der vorverlegte Aufbruch ein wenig überstürzt in Angriff genommen. Freitags morgens gegen 6 Uhr erreichten wir den heimatlichen Hafen „Neumayer“ nach einer ereignislosen Heimfahrt.

 

Viele Grüße

Holger Bauer aus dem Eis...

 

(Fotos: Daniel Armbruster)

 

 


 

15. April 2014: Tschuldigung, wo ist Nirgendwo?

Irgendwo im gefühlten Nirgendwo: das glaziologische Pegelfeld. Foto: Kerstin Schmidt, Alfred-Wegener-Institut

Auf dem Rückweg das Ziel im Blick - die Forschungsstation Neumayer-Station III. Foto: Stefan Christmann, Alfred-Wegener-Institut

Fragt man in Deutschland jemanden nach dem Weg, dann gibt es normalerweise Wegpunkte, an denen man sich orientieren kann. Da heißt es dann zum Beispiel, "da vorne an der Tankstelle links abbiegen". Solche Hinweise funktionieren in der Antarktis leider nicht, denn hier gibt es weit und breit nur eine weiße Weite oder vielleicht mal einen Eisberg, wenn man sich auf dem Meereis bewegt.

Zu meinen Aufgaben als Luftchemikerin gehören neben der Betreuung des luftchemischen Observatoriums, kurz Spuso genannt, auch die glaziologischen Messungen. Das bedeutet, ich muss alle zwei Wochen zu einem Pegelfeld etwa 6 Kilometer von der Neumayer-Station entfernt fahren und Schneehöhen messen.

Das Pegelfeld besteht aus 16 Stangen, die in den Schnee gesteckt wurden. Dieses Stangenfeld zu finden, ist gar nicht so einfach, denn so etwas wie Straßen gibt es hier natürlich nicht und die Stangen von Weitem zu sehen ist, auch mit den besten Adleraugen kaum möglich. Um den Weg aber trotzdem schnell und sicher zu finden, nutzen wir ein GPS-Gerät. In diesem können Wegpunkte gespeichert und somit auch wiedergefunden werden. Das GPS-Gerät zeigt genau die Fahrtrichtung an.

Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, einfach so in die Leere zu fahren und sich nur auf ein solches Gerät zu verlassen. Entsprechend seltsam war auch meine erste Fahrt zum Pegelfeld. Mehrmals habe ich angehalten und gefragt, ob das denn hier wirklich richtig sein kann. Und immer hieß es: Ja, weiter. Also weiter.

Welche Erleichterung, als dann plötzlich doch jene Flagge am Horizont auftauchte, die das Pegelfeld markiert. Endlich geschafft. Die Rückfahrt war dann schon einfacher, denn es war bestes Wetter und die Neumayer-Station schon von Weitem zu sehen. Endlich also wieder ein Ziel in Sicht. 

 

Luftchemikerin Kerstin Schmidt

 


 

15. Februar 2014: Kickerturnier

Hallo liebe Sportfreunde des Tischfußballs! 

In unserem Überwinterungsteam befinden sich einige Kicker-Begeisterte, die sich nicht mehr von dem Tisch trennen können. Nach vielen Trainings- und Spielstunden, haben wir uns entschlossen, ein Turnier zu veranstalten. Somit entstand  die "1. Neumayer Open" .

Ein Termin wurde schnell gefunden, am 02.02.2014 um 19.30 Uhr sollte es los gehen. Es wurde ein Plakat entworfen, welches die Stationsbesatzung anregen sollte, sich in die aushängende Liste, die zum mitspielen berechtigt, einzutragen.

Erstaunlicherweise kamen 16 Personen zusammen, so dass wir genau acht Teams bilden konnten, denn es wurden die klassischen Doppel gespielt. Am Vortag, wurden die Teamauslosung und die Gruppenplatzierungen vorgenommen.

Unsere Glücksfee - die Stationsleiterin der Überwinterer vor uns - hatte ein glückliches Händchen und zog kein absolutes Favoritenteam, so dass es sehr ausgeglichen an den Tisch ging. Nach der Auslosung war reges Training, um sich mit den möglichen Gegnern zu messen.

Am nächsten Tag war es nun soweit. Um 19.30 Uhr fanden sich alle Kicker-Teams in der Lounge ein, um den Sieger der 1. Neumayer Open auszuspielen. Gespielt wurde nach folgender Regel: wer zuerst 6 Tore geschossen hat, geht als Sieger vom Tisch. Hin und Rückspiel.

Eine kurze Vorrunde zum warm werden und alle Teams fanden sich  in der KO-Runde wieder. Nach entsprechenden Ergebnissen, waren die Plazierungen klar. Danach ging es in das Viertel-, Halb- und Finale. Hier wurde ein "Best of Three"-Modus gespielt. Wer zuerst zwei Sätze für sich entscheiden konnte, hatte das Match gewonnen.

Nach circa vier Stunden Spieldauer, stand der Sieger fest. Ein hart umkämpftes Endspiel zwischen Marcus/Daniel Z. und Julia/Ralf konnten Julia und Ralf mit 5:6 / 6:3 /4:6 für sich entscheiden. Es war ein rundum gelungenes Event, welches die Kickerbegeisterung und den Zusammenhalt der Üwis 2014 enorm gesteigert hat. Wir stehen nun täglich im Training und freuen uns schon jetzt auf die "2. Neumayer Open" mit den Üwis 2015.

Beste Grüße

Ralf


 

10. Februar 2014: Das Team 2013 verabschiedet sich

Liebe Atkablogleser

Unsere Zeit auf Neumayer ist nun definitiv rum, wir fliegen am 09.2. abends oder am 10.02. morgens Richtiung Novo und Kapstadt und dann in den wohlverdienten Urlaub!
Herzlichen Dank allen treuen Lesern, wir wünsche auch auf diesem Wege dem neuen Team nochmals alles alles gute und eine erfolgreiche Überwinterung!

Das (alt)Üwi-Team 2013 

Das Überwinterterteam 2013. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut


 

4. Februar 2014: Abschied mit Logenplatz

Nun geht auch unsere Zeit hier auf Neumayer so langsam dem Ende zu. Die Übergabezeit ist fast beendet und das neue Team hat bereits das Ruder übernommen. Der Countdown bis zum Nach-Hause-Flug läuft bereits. Zum Abschluss unserer Zeit hier auf Neumayer hatten wir uns vom 33. Überwinterungsteam jedoch noch etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Bereits im Winter kam von unserem Funker René die Idee, ob wir nicht ein Theaterstück aufführen wollten. Sechs Personen aus dem Team konnten sich dafür begeistern und so wurde aus einer kleinen Auswahl an Theaterstücken ein passendes Stück ausgewählt. Die Rollen wurden verteilt und Anfang September wurde mit den Proben begonnen.

Erst in der Lounge, dann später am auserwählten Bühnenort, dem Heuboden, wurde sich 1-2mal die Woche eingefunden und fleißig Szenen geprobt, das Bühnenbild und die Kulisse vorbereitet und so manche Idee ausgetauscht. Da das ausgewählte Stück jedoch für mehr als sechs Personen vorgesehen war, mussten noch Gastschauspieler gecastet werden.

Die noch unbesetzten Rollen konnten schnell besetzt werden und mit Beginn der Sommersaison wurde die Sache ernster. Endlich konnte mit allen Personen geprobt und ein Termin für die Aufführung festgelegt werden – der 23.01. sollte es werden. Es wurden Plakate gedruckt und die begehrten Eintrittskarten konnten an den bekannten Vorverkaufsstellen erstanden werden.

Am Premierenabend wurden die Gäste vor der Vorstellung zum Sektempfang geladen. Auch für die Verpflegung während des Stücks war gesorgt. Es herrschte volles Haus im großen Saal des Atka Theaters – die Logen-, als auch die Parkettplätze waren restlos ausverkauft. Die Gangsterkomödie „Doof gelaufen“ wurde zum Besten gegeben. Das Theaterteam bot seine beste Performance und das Publikum war begeistert.

Im Anschluss an das Theaterstück wurde in der Lounge dann noch feierlich und offiziell die Station an das neue ÜWI-Team übergeben. Danach wurde sich an einem tollen Buffet gestärkt und der Abend an der Bar ausklingen gelassen.

Wir wünschen dem neuen Team eine tolle Zeit und vielleicht haben wir ja die Lust auf mehr Theater geweckt. Damit verabschiedet sich das 33. Überwinterungsteam!


 


 
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Das Überwintererteam 2014

Holger Bauer (Stationsleiter / Arzt)

Markus Bischoff (Betriebsingenieur)

Lothar Brungs (Elektriker)

Dirk Zimmermann (Elektroniker/IT)

Ralf Geisel (Koch)

Kerstin Schmidt(Luftchemikerin)

Elena Stautzebach (Meteorologin)

Daniel Armbruster (Geophysiker)

Johannes Lohse (Geophysiker)