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AtkaXpress von nun an online

Liebe Leser und Fans von Deutschlands südlichstem Magazin der Welt, 

Im AtkaXpress, den es seit März 2012 nur noch als Blog gibt, berichten die Mitglieder des Neumayer-Überwinterer-Teams in regelmäßigen Abständen von ihrem Leben und ihrer Arbeit an der Antarktis-Forschungsstation Neumayer III. Seitdem haben die Kollegen und Kolleginnen der Teams viele eindrucksvolle Beiträge geschrieben. Diese finden Sie archiviert unter den Jahreszahlen in der linken Spalte. Seit Dezember 2013 ist das 34. Team auf Neumayer und berichtet in diesem Blog. Sollten Sie Fragen haben, erreichen Sie unsere Blogautoren unter der E-Mail-Adresse atkaxpress(at)awi.de. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!


 
 

2. September 2014: Das neue Team geht an den Start

Anreise: Gruppenfoto vor der Zugspitze. Von links nach rechts: Markus, Bettina, Annemarie, Petra, Peter, Elke, Jens, Frank und Andreas. Foto: Eberhard Kohlberg, Alfred-Wegener-Institut

Anreise: Kurze Rast vor dem letzten Aufstieg zum Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Seilschafttraining rund um das Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Bergungstraining am Schwärzenjoch. Jens ist ganz links tief gefallen, Frank spielt bewusstlos und wird von Elke und Peter gerettet, Elke prusikt nach dem Einhängen des Karabiners in Franks Gurt wieder zurück an die Kante, wo dann zusammen mit Peter das große Hochziehen beginnt. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Die Rettungsübung vor malerischer Kulisse und aus anderer Perspektive. Foto: Annemarie Sticher, Alfred-Wegener-Institut

Das große Hochziehen/Retten von Jens am Schwärzenjoch unter strenger Beobachtung von Eberhard (links mit roter Jacke). Bergführer Paul Mair (ornage-blau) hilft Petra und Andreas bei der Bergung des verunglückten Jens. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Liebe Atka-Express-Fans,

während unsere Kollegen im Süden noch dem Sturm und Schnee trotzen, stecken wir, das neue Überwinterungsteam 2015 schon tief in der Vorbereitungsphase.

Um das WIR mal schnell zu definieren, hier ein paar Infos über uns:

Unsere Ärztin und Stationsleiterin Petra ist im Göttinger Raum beheimatet. Sie ist Chirurgin und war auch als Notärztin im Einsatz. Emden ist mit unserem Koch Frank vertreten. Er war lange auf den Nordseeinseln gastronomisch unterwegs und zuletzt Smut auf einem Errichterschiff (Windlift 1).

Jens aus Darmstadt kümmert sich um die IT und den Funkverkehr. Er arbeitete in Dresden bei einem bekannten Prozessorhersteller in der Entwicklung. Er ist Elektroingenieur und hat sich im Bereich Mikroelektronik und Halbleitertechnik spezialisiert und hat auch darüber seine Promotion geschrieben.

Markus aus dem Augsburger Umkreis ist unser Elektrotechniker. Er arbeitete bei einem Energieversorger in Augsburg als Informatiker in der IT, war aber vorher lange Jahre in Bereich Prozessleittechnik und Automatisierungstechnik unterwegs. Peter aus Berlin ist unser Betriebsingenieur. Er fährt seit seiner Ausbildung zur See. Zuletzt als Chef-Ingenieur auf dem Containerschiff Pretoria.  Diese fünf halten die Station am Laufen, während wir restlichen vier uns um die Wissenschaft kümmern.

Da haben wir Andreas, schnell nach seiner Masterarbeit noch aus Oslo zurück nach Deutschland importiert und die erfahrene Saarländerin Annemarie aus Kiel für die Geophysik. Nachdem wir nun den Promotionsstress aus den Knochen geschüttelt haben, können Bettina (Luftchemie) und meine Wenigkeit, Elke (Meteorologie) unsere Aufmerksamkeit voll und ganz auf die Atmosphäre richten.

So ungefähr haben wir uns am 1. August schnell kennen gelernt und dann ging es auch gleich los mit interessanten Vorträgen und Einblicken, die nur den Wunsch äußern, schnellstmöglich die reale Neumayer-Station III zu betreten. Uns Neunen wurde durch die Details in den Vorträgen nun auf alle Fälle richtig bewusst, welche Verantwortung wir in den 15 Monaten auf der Station übertragen bekommen und welche Stellenwert die deutsche Polarforschung durch das AWI mit der Präsenz durch die Neumayer-Station III in der Antarktis einnimmt. Dass wir da dabei sein und Deutschland vertreten dürfen macht uns schon ein bisschen stolz.

Der Bergkurs am Hochwildehaus in den Ötztaler Alpen war dann auch schon ein Highlight. Paul und Mike, unsere beiden „brudaahl“ (<- Vokabel für Insider) guten Bergführer haben uns perfekt vorbereitet in Sachen Bergung bei nettem, nassem Wetter. Da wurde mit Reepschnüren alias „Paketschnüre“ geprusikt was das Zeug hält und wir haben alle wieder aus der Tiefe bekommen. Gleichzeitig fing das Herz des einen oder anderen, der das Gebirge bisher nur vom Hörensagen kannte, schon für die Berge an zu schlagen und das in über 3000 Metern!

Die Survival-Ausrüstung wurde intensiv getestet. Zelten im Schnee bei Schneesturm! Seit vielen Jahren wieder einmal ein Üwi-Biwak unter sehr realistischen Bedingungen. Auf einem Schneefeld nahe dem Gletscher bauten wir ebene Standflächen, um darauf unsere vier Zelte aufzubauen. Die Nacht war kalt aber unsere Daunenschlafsäcke hielten stand und so wurde, zumindest das was im Schlafsack Platz fand, nicht kalt. Da musste dann am nächsten Morgen der Eishammer her um all’ die Verankerungen und Schneelappen der Zelte wieder los zu bekommen. Wir hoffen, dass wir in der Antarktis die rote Survival-Kiste nur zum Checken aufmachen müssen. Na gut, ein wenig haben wir gemogelt. Der Wirt hat uns doch Brennholz für ein Lagerfeuer bereitgestellt, und auch ein bisschen etwas zur „inneren Erwärmung“ mitgegeben. Da hat das Tütenessen doch gleich etwas besser gemundet.

Aber dennoch ließen es sich zwei von uns nicht nehmen (wer genau, ist „Betriebsgeheimnis“) in der Früh ein äußerst erfrischendes Bad im Gletschersee zu nehmen. Zuvor mussten sie aber die dünne Eisdecke zerstören :-) . Wer’s mag…

Jetzt sind wir in unseren Spezialgebieten unterwegs und lernen fleißig, was auf uns arbeitstechnisch zukommt. Auf uns wartet unter anderem noch ein Kettensägenkurs, der Brandschutzkurs, Erste Hilfe und vieles mehr.

Unsere Techniker reisen zur Zeit sehr viel in der näheren und weiteren Umgebung umher, um in Sachen Satellitenkommunikation, Windkraftwerk, Blockheizkraftwerk, Kläranlage und vieles mehr, auf aktuellen Stand zu kommen damit sie den sicheren Betrieb der Station gewährleisten können.

Aber davon genaueres zu einem späteren Zeitpunkt. Auch werden wir uns natürlich noch detaillierter bei Euch vorstellen. Besonders die Wissenschaft, die diesmal etwas zu kurz gekommen ist. Aber im Moment ist der Terminplan dicht gedrängt.

 

Es grüßen Euch herzlich im Namen aller neuen ÜWIS

 

Elke und Markus

 

 


 

Weitere Bilder

 

 

Seilschafttraining rund um das Hochwildehaus. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Einführung in die Survival-Kiste im "AWI-Zimmer" des Hochwildehauses.Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Unser Biwakplatz mit vier unterschiedlichen Zelten am frühen Morgen. Die Kälte der Nacht kann man anhand den vereisten Zeltplanen erahnen. Der folgende Abbau war nur mit Eispickel möglich. Links im Bild unsere Kochstelle, wo unser Koch Frank schon kurz nach 6 Uhr für heißen Kaffee und Kakao sorgte. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Gruppenfoto am Nachmittag vor der Zeltnacht am Biwakplatz. Foto: Bergführer Michael Winkler

Das Hochwildehaus am Morgen nach dem Biwakieren. Der See ist gefroren, der Mensch mit Gepäck ist Elke, die wie alle anderen das Zeltzubehör vom Biwakplatz zurückschleppt. Die Holzbalken auf der Vorderfront des Hochwildehauses dienen als Stütze, weil der Permafrost an der Hütte auftaut. In zwei Jahren gibt"s dann eine neue Hütte. Das kleine Häuschen im Hintergrund ist die Fidelitas-Hütte, sozusagen die erste Hütte da oben. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut

Aufmerksames Zuhören des Teams bei der Einweisung zur Seilrolle am Felsen. Foto: Markus Eser, Alfred-Wegener-Institut


 

10. Juli 2014: Neues aus der Stationskombüse

Blick in die Vorratskammer. Foto: Ralf Geisel, Alfred-Wegener-Institut

Die Stationsküche enthält alles, was ein Koch benötigt. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Teamfrühstück. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Bäcker und Koch in Personalunion: Ralf Geisel knetet einen Teig. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Moin, liebe Leser. Nachdem wir am 15. Dezember 2013 in München zu unserer außergewöhnlichen Reise in die Antarktis aufgebrochen sind, ist über ein halbes Jahr ins Land gegangen. Grund genug, um ein paar Eindrücke zu schildern, damit die Daheimgebliebenen sich ein bisschen in die Lage versetzen können, in der wir uns befinden. Damit man versteht, an welchem ungewöhnlichen Arbeitsort wir sind, wie die Arbeitsabläufe sind und wie die Freizeitgestaltung an der 13569 Kilometer entfernten Neumayer-Station III ist.

 

Von 30 Grad plus auf 12 Grad minus.

Die Ankunft in der Antarktis war alles andere als freundlich. Dass wir in die Kälte flogen, war schon klar, innerhalb von sechs Stunden einen Temperatursturz von über 40 Grad Celsius zu haben, war auch klar. Aber dass wir noch fünf Tage wegen Schneesturms und starker Drift auf der russischen Forschungsstation „Novo“ festhingen würden, hatte keiner so richtig auf dem Zettel. Der Flugverkehr zu Neumayer wurde eingestellt. Keine Sicht, kein Flug. Erst als die Piloten nach fünf Tagen ein Wetterloch gefunden hatten, ging es endlich die letzten 730 Km weiter zu unserem neuen Arbeitsplatz, den wir für die nächsten 14 Monate innehaben würden. Der Empfang war groß und nachdem wir die Station von innen begutachtet hatten, ging es am kommenden Tag auch schon los.

 

Eingewöhnungsphase und Stauen

Mit meinem Vorgänger konnte man gut arbeiten, von daher hatten wir schnell unsere „Chemie“ gefunden. Weihnachten und Silvester standen vor der eisigen Stationstür und wir wollten uns ein paar schöne gemeinsame Stunden schenken. Das Menü für den 24. Dezember war „Ganz(s)“ klassisch.

  • Kraftbrühe vom südafrikanischen Wild mit Springbockravioli
  • Duo von der polnischen Hafermastgans mit hausgemachtem Apfel-Ingwer-Rotkohl, Kartoffelklöße und geschmorter Bratapfel
  • Pistaziencreme im Backmantel auf Saucenspiegel mit karamellisierten Früchten und Sahne

 

An Silvester gab es ein ausgiebiges Buffet, welches schnell geplündert war. So war die Eingewöhnungsphase schon abgeschlossen und es ging nahtlos zum Stauen über, denn unser Versorgungsschiff Polarstern hatte in 20 Kilometer Entfernung an der Schelfeiskante in der Atkabucht festgemacht und musste entladen werden. 

Sechs Container a 30 Kubikmeter, davon zweimal Tiefkühlware und viermal Trockenproviant, Getränke und Haushaltswaren  mussten in die dafür vorgesehenen Lasten verstaut werden. Mit schwerem Gerät! Hier bedeutet das: Mit Pistenbully wurden die Container von der Polarstern zur Station gezogen. Danach wurden die Paletten mit Ware aus den Containern ausgestaut und mit dem Fahrstuhl eine Etage tiefer gefahren und in den Kühlräumen mit +5 Grad Celsius bzw. -20 Grad Celsius verteilt. Nach drei Tagen intensivster Arbeit meldete ich Vollzug.

 

Arbeitsort Kombüse Neumayer-Station III

Die Kombüse ist komplett eingerichtet. Es fehlt an nichts, außer dass ein direkter Durchgang zur Messe wünschenswert gewesen wäre. Da können sich manche Küchen in der freien Wirtschaft eine Scheibe von abschneiden. Hier muss man nicht improvisieren. Das ist auch gut so, denn man kann nicht mal eben in ein Geschäft laufen und sich was nachkaufen. Der Supermarkt oder der Kücheneinrichter ist hier nicht um die Ecke. Wenn nicht alles, was gebraucht wird, mit der Polarstern oder dem letzten Flieger, der Ende Februar reinkommt, gibt es für die nächsten acht bis neun Monate keine Möglichkeit, etwas nachzubestellen. Das macht diese Expedition aus, abgeschieden von jeglicher Zivilisation: keine Autos, keine Häuser, keine Bäume, nichts außer Schnee auf einem über 13 Millionen Quadratkilometer großen Kontinent. Hinzu kommt noch die Kälte, die im Winter zwischen Juni und Oktober auch mal bis -50 Grad Celsius geht oder diese Temperatur sogar unterschreitet.

Ach so, wir haben hier alles was das Herz (der Magen) begehrt. Lamm, Fischsortiment, Wild, Rind, Geflügel, sogar südafrikanisches Wild wie Strauß, Kudu, Springbock bis hin zu verschiedenen Gemüsen und Sättigungsbeilagen.  Käse, Wurst, Milch, Süßigkeiten, Knabbergebäck u.s.w. Es fehlt nichts. Nur die frisch Ware ist fast alle. Lediglich Kartoffeln, Knoblauch und Karotten sind noch im Kühlhaus.

 

Arbeitszeiten

In der Sommersaison, wenn ich für bis zu 50 Personen koche, gibt es Frühstück von 7 bis 8 Uhr, Mittagessen von 12 bis 13 Uhr und Abendbrot von 18 bis19 Uhr. Die Personenzahl richtet sich danach, ob ein Flieger rein kommt, der Forscher von anderen Stationen mitbringt oder ob Forscher von einer Traverse zurückkommen bzw. aufbrechen. Im Sommer ist das ein sehr hartes Berufsleben. Im Winter aber reduziert sich die Belastung deutlich. Ab Ende Februar, wenn der letzte Flieger in Richtung Südafrika aufgebrochen ist, sind nur noch wir neun Überwinterer auf der Station.  Die Essenszeiten sind dem jetzigen Arbeitsablauf angepasst.

 

Freizeit

Die Freizeitgestaltung ist natürlich ein großes Thema. Außerhalb der Station ist das Freizeitangebot nur gering oder gar nicht vorhanden. Also spielt sich das meiste im Inneren der Station ab. Möglichkeiten haben wir viele. Da wären zum Beispiel Tischtennis, unser Sportraum, Zirkeltraining, Billard, Tischfußball,  Basketball,  Instrumente spielen im eigens dafür von uns eingerichteten „Proberaum“,  Dart,  Kino,  Bibliothek , Gesellschaftsspiele oder an der Theke sitzen und Skat spielen. Sprachen lernen, wie Spanisch oder Norwegisch ist auch eine Option. Im Moment ist natürlich die Fußballweltmeisterschaft sehr gefragt. Einige Spiele können wir mit etwa einem Tag Verzögerung anschauen. All diese Möglichkeiten sind enorm wichtig für den Zusammenhalt auf der Station.

Heute, an dem Tag  an dem ich den Bericht verfasst habe, ist die Hälfte der Überwinterung vorbei. Noch vier bis fünf Monate, bis der erste Flieger an der Neumayer- Station landen wird, neue Forscher und Techniker als Sommergäste bringt, und eine neue  Saison starten kann. Bis dahin werden wir noch viel Schnee schieben, forschen und gemeinsame Abende verbringen. Und ich? Ich werde hier weiter für gute Stimmung sorgen, indem ich täglich die leckersten Gerichte auf den Tisch zaubere, bis wir im Februar 2015 die Heimkehr antreten.

Ralf Geisel, Koch Neumayer Station III


 

27. Mai 2014: ...und das Klohäuschen muss mit

Nehmen wir an, Sie betreiben in Deutschland eine kleine Forschungseinrichtung. Sie haben 80 km von Ihrem Büro entfernt eine kleine Messtation errichtet. Diese liefert Ihnen Daten, die Sie dann in Ihrem Büro auswerten. Die Stromversorgung übernimmt ein Kabel zum örtlichen Energieversorger, die Daten fließen durch die Telefonleitung.

Dass es ganz so einfach in der Antarktis nicht ist, wissen Sie bereits aus vorhergehenden Artikeln. Der örtliche Energieversorger existiert nicht, also muss man sich die Energie zum Betreiben der Station selbst produzieren und eine Telefonleitung, die die Datenströme transportieren könnte, ist auch noch nicht verlegt worden. Also hilft hier nur die Richtfunkstrecke weiter.

Alle diese Maßnahmen sollten so wartungsarm als möglich gebaut werden. Denn während Sie zu Hause bei einem Ausfall Ihrer Messstation einfach ins Auto springen, durchschnittlich eine Stunde später an Ihrer Station ankommen, auf dem Weg noch kurz im Baumarkt anhalten und fehlendes Werkzeug und Baumaterial erwerben, erfordert ein Besuch bei unserer Messstation ein klein wenig mehr Planung und Zeitaufwand.


 

Am 07. April war es soweit, die Vorbereitungen waren abgeschlossen und die Abreise stand bevor. Die Seismometerstation „OLYMP“ produzierte Schwankungen in der Datenqualität, die von Neumayer aus nicht korrigiert werden konnten. Es war schnell klar, dass eine Wartung vor Ort durchgeführt werden musste. Es wurden Werkzeuge, evtl. notwendiges Reparaturmaterial, sogar sicherheitshalber Geräte zum vollständigen Austausch eingepackt, dazu zwei Generatoren, um den notwendigen Strom zu erzeugen und natürlich der Treibstoff für die Generatoren.

Da für die Arbeiten 2-3 Tage im Minimum anzusetzen waren, wurde auch ein „Wohnwagen“ mit Proviant, Geschirr und Sicherheitsequipment ausgerüstet. Das ganze wurde als Schlittenzug hinter einen Pistenbully gespannt, der natürlich auch betankt werden wollte, also fanden auch einige Fässer mit Polardiesel Platz in unserem Gepäck. Was brauchten wir sonst noch? Zwei Geophysiker, die sich mit der Wartung auskennen und einen Stationsleiter/Arzt, der für eventuelle Zwischenfälle, das Catering und „housekeeping“, als Fahrer und sonstige Belange mitfuhr. Wie Sie sehen – obwohl sich die Station NUR 80 km entfernt befindet, ist doch einiges an Aufwand nötig


 

Einen wesentlichen Bestandteil des Gepäcks habe ich noch nicht erwähnt. Wir nahmen ausreichend Proviant mit, also mussten wir auch Vorsorge treffen, die daraus entstehenden „Rückstände“ umweltgerecht zu entsorgen. Dazu diente uns ein Toilettenhäuschen, das auch gleichzeitig Schutz vor allzu kalten Empfindungen rund um den entblößten Allerwertesten bot.

Nun aber wirklich – 12 Uhr, Abfahrt! … und los.

Der direkte Weg steht aus Gründen von Gletscherspalten leider nicht zur Verfügung, so dass der nötige Umweg die Strecke auf knapp 110 km ausdehnen würde. Wenn wir gut durchkommen würden, könnten wir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 10 und 12 km/h rechnen, also planten wir gleich knapp 12 Stunden allein für die Anreise ein.


 

So war es denn auch – gegen 23 Uhr erreichten wir die Seismometerstation „OLYMP“, nahmen das WC-Gebäude in Betrieb und läuteten den Nachtschlaf ein. Daniel, der größte Outdoorfan im Team, schaufelte sich einen kleinen Wall im Schnee und packte sich mit Isomatte und Schlafsack unter die Milchstraße und diverse Satelliten zum Schlafen, Johannes und ich zogen den „Wohnwagen“ vor.

Verglich man die Temperaturen, so war der Unterschied zwischen den beiden Schlafgelegenheiten wohl eher vernachlässigbar. Da wir noch keinen Strom produzierten, war der Wohnwagen auch noch nicht beheizt, was sich am folgenden Morgen auch unmissverständlich am mitgeführten Trinkwasser ablesen ließ, das über Nacht den Aggregatzustand gewechselt hatte.


 

Die 20-Liter-Eisblöcke waren in dieser Form zumindest für den Morgenkaffee eher untauglich. Doch wenn es etwas im Überfluss in der Antarktis gibt, dann ist es Wasser – nur eben nicht flüssig, sondern in Form von Schnee, der zunächst unter Zuhilfenahme des Gaskochers verflüssigt und anschließend zum Kochen gebracht wurde – 45 min später duftete auch schon der frisch gebrühte Kaffee…

Zwischenzeitlich setzte auch die Stromproduktion und damit verbunden eine gewisse Wärmeentwicklung durch den Ölradiator und die beiden Heißluftgebläse ein. Am frühen Nachmittag war die Innentemperatur dann in den Plusbereich der Celsiusskala verlagert und es wurde angenehm. Lustig, wie die Ansprüche sinken… Empfinde ich im heimatlichen Wohnzimmer die vom Kaminofen erzeugten 22 Grad Celsius als Wohlfühltemperatur, war ich hier auch schon mit knappen 15 Grad zufrieden…


 

Nachdem Temperatur, Kaffee und Mittagessen geregelt waren, ging es rasch an die Fehleranalyse und die daraus resultierenden Reparaturen, die sich alles in allem über 2 Tage hinzogen und bei frostigen Bedingungen zu sehr interessanten Ansichten führten.

In der Zwischenzeit holte uns leider ein Tiefdruckgebiet mit reichlich Wind und Schneedrift ein.

 

Die Arbeiten wurden daher rasch beendet und der Pistenbully ausgegraben, der inzwischen in einer Schneewehe zu versinken drohte. Alles Material wurde rasch wieder sicher verlastet und der vorverlegte Aufbruch ein wenig überstürzt in Angriff genommen. Freitags morgens gegen 6 Uhr erreichten wir den heimatlichen Hafen „Neumayer“ nach einer ereignislosen Heimfahrt.

 

Viele Grüße

Holger Bauer aus dem Eis...

 

(Fotos: Daniel Armbruster)

 

 


 

15. April 2014: Tschuldigung, wo ist Nirgendwo?

Irgendwo im gefühlten Nirgendwo: das glaziologische Pegelfeld. Foto: Kerstin Schmidt, Alfred-Wegener-Institut

Auf dem Rückweg das Ziel im Blick - die Forschungsstation Neumayer-Station III. Foto: Stefan Christmann, Alfred-Wegener-Institut

Fragt man in Deutschland jemanden nach dem Weg, dann gibt es normalerweise Wegpunkte, an denen man sich orientieren kann. Da heißt es dann zum Beispiel, "da vorne an der Tankstelle links abbiegen". Solche Hinweise funktionieren in der Antarktis leider nicht, denn hier gibt es weit und breit nur eine weiße Weite oder vielleicht mal einen Eisberg, wenn man sich auf dem Meereis bewegt.

Zu meinen Aufgaben als Luftchemikerin gehören neben der Betreuung des luftchemischen Observatoriums, kurz Spuso genannt, auch die glaziologischen Messungen. Das bedeutet, ich muss alle zwei Wochen zu einem Pegelfeld etwa 6 Kilometer von der Neumayer-Station entfernt fahren und Schneehöhen messen.

Das Pegelfeld besteht aus 16 Stangen, die in den Schnee gesteckt wurden. Dieses Stangenfeld zu finden, ist gar nicht so einfach, denn so etwas wie Straßen gibt es hier natürlich nicht und die Stangen von Weitem zu sehen ist, auch mit den besten Adleraugen kaum möglich. Um den Weg aber trotzdem schnell und sicher zu finden, nutzen wir ein GPS-Gerät. In diesem können Wegpunkte gespeichert und somit auch wiedergefunden werden. Das GPS-Gerät zeigt genau die Fahrtrichtung an.

Trotzdem ist es ein komisches Gefühl, einfach so in die Leere zu fahren und sich nur auf ein solches Gerät zu verlassen. Entsprechend seltsam war auch meine erste Fahrt zum Pegelfeld. Mehrmals habe ich angehalten und gefragt, ob das denn hier wirklich richtig sein kann. Und immer hieß es: Ja, weiter. Also weiter.

Welche Erleichterung, als dann plötzlich doch jene Flagge am Horizont auftauchte, die das Pegelfeld markiert. Endlich geschafft. Die Rückfahrt war dann schon einfacher, denn es war bestes Wetter und die Neumayer-Station schon von Weitem zu sehen. Endlich also wieder ein Ziel in Sicht. 

 

Luftchemikerin Kerstin Schmidt

 


 

15. Februar 2014: Kickerturnier

Hallo liebe Sportfreunde des Tischfußballs! 

In unserem Überwinterungsteam befinden sich einige Kicker-Begeisterte, die sich nicht mehr von dem Tisch trennen können. Nach vielen Trainings- und Spielstunden, haben wir uns entschlossen, ein Turnier zu veranstalten. Somit entstand  die "1. Neumayer Open" .

Ein Termin wurde schnell gefunden, am 02.02.2014 um 19.30 Uhr sollte es los gehen. Es wurde ein Plakat entworfen, welches die Stationsbesatzung anregen sollte, sich in die aushängende Liste, die zum mitspielen berechtigt, einzutragen.

Erstaunlicherweise kamen 16 Personen zusammen, so dass wir genau acht Teams bilden konnten, denn es wurden die klassischen Doppel gespielt. Am Vortag, wurden die Teamauslosung und die Gruppenplatzierungen vorgenommen.

Unsere Glücksfee - die Stationsleiterin der Überwinterer vor uns - hatte ein glückliches Händchen und zog kein absolutes Favoritenteam, so dass es sehr ausgeglichen an den Tisch ging. Nach der Auslosung war reges Training, um sich mit den möglichen Gegnern zu messen.

Am nächsten Tag war es nun soweit. Um 19.30 Uhr fanden sich alle Kicker-Teams in der Lounge ein, um den Sieger der 1. Neumayer Open auszuspielen. Gespielt wurde nach folgender Regel: wer zuerst 6 Tore geschossen hat, geht als Sieger vom Tisch. Hin und Rückspiel.

Eine kurze Vorrunde zum warm werden und alle Teams fanden sich  in der KO-Runde wieder. Nach entsprechenden Ergebnissen, waren die Plazierungen klar. Danach ging es in das Viertel-, Halb- und Finale. Hier wurde ein "Best of Three"-Modus gespielt. Wer zuerst zwei Sätze für sich entscheiden konnte, hatte das Match gewonnen.

Nach circa vier Stunden Spieldauer, stand der Sieger fest. Ein hart umkämpftes Endspiel zwischen Marcus/Daniel Z. und Julia/Ralf konnten Julia und Ralf mit 5:6 / 6:3 /4:6 für sich entscheiden. Es war ein rundum gelungenes Event, welches die Kickerbegeisterung und den Zusammenhalt der Üwis 2014 enorm gesteigert hat. Wir stehen nun täglich im Training und freuen uns schon jetzt auf die "2. Neumayer Open" mit den Üwis 2015.

Beste Grüße

Ralf


 

10. Februar 2014: Das Team 2013 verabschiedet sich

Liebe Atkablogleser

Unsere Zeit auf Neumayer ist nun definitiv rum, wir fliegen am 09.2. abends oder am 10.02. morgens Richtiung Novo und Kapstadt und dann in den wohlverdienten Urlaub!
Herzlichen Dank allen treuen Lesern, wir wünsche auch auf diesem Wege dem neuen Team nochmals alles alles gute und eine erfolgreiche Überwinterung!

Das (alt)Üwi-Team 2013 

Das Überwinterterteam 2013. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut


 

4. Februar 2014: Abschied mit Logenplatz

Nun geht auch unsere Zeit hier auf Neumayer so langsam dem Ende zu. Die Übergabezeit ist fast beendet und das neue Team hat bereits das Ruder übernommen. Der Countdown bis zum Nach-Hause-Flug läuft bereits. Zum Abschluss unserer Zeit hier auf Neumayer hatten wir uns vom 33. Überwinterungsteam jedoch noch etwas ganz Besonderes ausgedacht.

Bereits im Winter kam von unserem Funker René die Idee, ob wir nicht ein Theaterstück aufführen wollten. Sechs Personen aus dem Team konnten sich dafür begeistern und so wurde aus einer kleinen Auswahl an Theaterstücken ein passendes Stück ausgewählt. Die Rollen wurden verteilt und Anfang September wurde mit den Proben begonnen.

Erst in der Lounge, dann später am auserwählten Bühnenort, dem Heuboden, wurde sich 1-2mal die Woche eingefunden und fleißig Szenen geprobt, das Bühnenbild und die Kulisse vorbereitet und so manche Idee ausgetauscht. Da das ausgewählte Stück jedoch für mehr als sechs Personen vorgesehen war, mussten noch Gastschauspieler gecastet werden.

Die noch unbesetzten Rollen konnten schnell besetzt werden und mit Beginn der Sommersaison wurde die Sache ernster. Endlich konnte mit allen Personen geprobt und ein Termin für die Aufführung festgelegt werden – der 23.01. sollte es werden. Es wurden Plakate gedruckt und die begehrten Eintrittskarten konnten an den bekannten Vorverkaufsstellen erstanden werden.

Am Premierenabend wurden die Gäste vor der Vorstellung zum Sektempfang geladen. Auch für die Verpflegung während des Stücks war gesorgt. Es herrschte volles Haus im großen Saal des Atka Theaters – die Logen-, als auch die Parkettplätze waren restlos ausverkauft. Die Gangsterkomödie „Doof gelaufen“ wurde zum Besten gegeben. Das Theaterteam bot seine beste Performance und das Publikum war begeistert.

Im Anschluss an das Theaterstück wurde in der Lounge dann noch feierlich und offiziell die Station an das neue ÜWI-Team übergeben. Danach wurde sich an einem tollen Buffet gestärkt und der Abend an der Bar ausklingen gelassen.

Wir wünschen dem neuen Team eine tolle Zeit und vielleicht haben wir ja die Lust auf mehr Theater geweckt. Damit verabschiedet sich das 33. Überwinterungsteam!


 

 

15. Dezember 2013: Unterwegs ins Eis – die neuen Überwinterer kommen

Die Neuüberwinterer vor dem Abflug vom Flughafen Kapstadt in die Antarktis - der Flug muss schneller angetreten werden als gedacht, weil ein Tiefdruckgebiet naht.

Blick der Neuüberwinterer im Dezember 2013 auf die Flugtafel in Kapstadt vor dem Abflug in die Antarktis.

Die Iljuschin hat die Neuüberwinterer sicher nach Novolazarevskaya gebracht.

Mit einem selbstgemachten Banner begrüߟt die Crew auf Neumayer die neuen Überwinterer bevor es an die ܜbergabe geht.


Am 15ten Dezember war es endlich soweit - die Reise in unsere neue Heimat hatte begonnen! Nach einem gemeinsamen Flug von München über Johannesburg nach Kapstadt wurden wir von unserem Teamleiter mit einer überraschenden Nachricht vom Flughafen abgeholt: Unser Flug in die Antarktis sollte schon am nächsten Abend starten! Grund dafür war das Wetter: Ein Tiefdruckgebiet war im Anmarsch, das  jeglichen Flug zwischen Kapstadt und der Antarktis für die darauffolgenden Tage verhindern würde. Die Zeit in Kapstadt war also knapp und wurde hauptsächlich für organisatorische Pflichten wie Pre-flight-briefing, Einchecken des Gepäcks und Abholung unser bereits in Bremerhaven gepackten Polarkleidung genutzt.


Am 17ten Dezember wurden wir abends vom Hotel abgeholt und zum Flughafen gebracht. Die Strecke Kapstadt-Novolazarevskaya (eine russische Station nordöstlich von Neumayer) wird von einem russischen Cargo-Flugzeug geflogen, einer Iljushin. Das Innere der Maschine hat kaum Ähnlichkeiten mit einem normalen Linienflugzeug. Es gibt keine Fenster, dafür aber einen Bildschirm auf dem der Flug aus der Sicht einer Kamera unter dem Cockpit übertragen wird. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist der erhöhte Lärmpegel gegen den nur ein Paar Ohrstöpsel helfen.


Nach 5 Stunden Flug wurden wir aufgefordert unsere Polarkleidung anzuziehen - durch den begrenzten Platz in der Maschine ist das gar nicht so einfach! Während des Landeanflugs starrten fast alle gebannt auf den Bildschirm um den ersten Blick auf diesen einzigartigen Kontinenten zu werfen. Als die Landebahn ins Sichtfeld rückte waren wir auch schon am Boden.


Die ersten Stunden auf Novolazarevskaya verbrachten wir wartend in der Messe. Es war zuerst unklar, ob wir bei dem doch recht stürmischen Wetter nach Neumayer weiterfliegen konnten oder nicht. Nach einigen Stunden wurden wir dann informiert, dass wir wohl die nächsten Tage auf der russischen Station bleiben werden. Untergebracht wurden wir in einer gemütlichen Hütte - Teil der liebevoll "Oase" genannten Einrichtungen rund um die Forschungsstation.

Die Station ist eine der wenigen, die nicht auf Eis, sondern auf Stein gebaut wurde. Wenn man bedenkt, dass 98% des Kontinents mit Eis bedeckt ist, sind Felsen eine echte Seltenheit. Letztendlich sind wir 5 Tage auf der russischen Station geblieben und haben den ersten Sturm dort miterlebt. Für die meisten von uns war es sicher beeindruckend gegen den Wind ankämpfen zu müssen um ein paar Meter vorwärts zu kommen. Auch die Wände der Hütte vibrierten bei den stärksten Böen.


Am 22ten, also noch rechtzeitig vor Weihnachten, wurden wir wieder zum Flugfeld gebracht wo das Flugzeug „Mia“ auf uns wartete. Im Eiltempo haben wir unser Privatgepäck inkl. Polarkleidung und noch anderes Cargo in die Maschine geschafft und dann starteten wir zu unserem wohl letzten Flug für die nächsten 14 Monate. Es dauerte gut 2 Stunden bis wir unser neues Zuhause von oben endlich entdeckten.


Das Willkommen von den nun „Alt-Üwis“ und den restlichen Sommergästen war sehr herzlich. Ein Sektempfang auf einer selbst gebauten Schneebar und ein Willkommen- Banner wartete auf uns, eine Tradition, die sich schon seit einigen Jahren hält. Barbara, die Stationsleiterin des letzten Teams, zeigte uns die Station; wir waren alle erstaunt über die Größe des Gebäudes! Es würde wohl einige Tage dauern bis wir uns alle Räume eingeprägt haben.


Seit der Ankunft vor mittlerweile einem Monat übernehmen wir Schritt für Schritt die Routinearbeiten an der Station und bereiten unsere neue schöne Heimat auf den bevorstehenden Winter zu neunt vor.

Beste Grüße

Elena Stautzebach


 

Die russische Station Novolazarevskaya in der Antarktis.


 

3. Dezember 2013: Die Abreise rückt näher

Für 15 Monate müssen eine Menge Lebensmittel eingepackt werden. Eine Kleinigkeit zu knabbern darf dabei nicht fehlen. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Proviant verladen: Alle packen mit an. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Koch Ralf hat in Sachen Proviant den Hut auf. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Buchführung: Wichtig ist, dass der Überblick nicht verloren geht. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

Unsere Vorbereitungszeit war dicht gepackt mit zahlreichen wissenschaftlichen, technischen und sicherheitsrelevanten Kursen. Dicht gepackt... Ein gutes Stichwort. Kaum eine Frage ist mir in den vergangenen Wochen so oft gestellt worden wie die Frage nach den Vorräten! Auch die müssen in unseren Proviantcontainern dicht gepackt sein. Doch der Reihe nach...

Dass sich die Vorbereitungszeit dem Ende nähert, erkannte man am Aufruf unseres Kochs Ralf nach unserer Erste-Hilfe-Ausbildung: „Wir müssen Anfang November unsere Proviantcontainer bestücken! Ich wäre für eure Unterstützung dankbar!“

Drei Tage wurden eingeplant, um den bereits bestellten Proviant in die bereitgehaltenen Container, die auf minus 20 Grad Celsius beziehungsweise plus 5 Grad Celsius temperiert werden, zu verstauen, damit diese dann per Containerschiff nach Kapstadt und dort mit „Polarstern“ zum Eisanleger in der Nähe der Neumayer-Station III transportiert werden können.

Es kam der Montag, 4. November 2013, und es regnete wie aus Eimern. Die Anlieferung der Paletten war für die Zeit vom 5. bis 7. November geplant. Die Aktion sollte unter freiem Himmel stattfinden – die ersten Sorgenfalten auf Ralfs Stirn waren zu erkennen. Für alle drei Tage standen Unterstützungskräfte aus unseren Reihen zum Führen der Bestandslisten der einzelnen Container bereit. Und alle sahen sich bereits im strömenden Regen durchnässte Paletten in die Container einstauen. Durchnässte Paletten und minus 20 Grad Celsius... Hmmmm... Wir werden wohl Eisblöcke aus dem Container entnehmen... Warten wir's mal ab, wie das Wetter morgen wird...

Und kaum zu glauben... der 5. November erwartete uns mit strahlend blauem Himmel, Windstille und angenehmer Witterung. Problemlos war es möglich, die eintreffenden LKW mit dem Stapler zu entladen, die Paletten unter freiem Himmel kurz zwischenzulagern und anschließend auf die Container zu verteilen.

Ralf hatte dabei die Gesamtleitung und den Überblick – unterstützt wurde er von Kräften der Schiffsversorgung Rostock, welche die Bestellung unserer Waren veranlasst und zusammengepackt hatte, sowie natürlich von einem vorher festgelegten Helferteam aus dem ÜWI-Kreis. Mit Fachkenntnis, Gabelstapler, Hubwagen und vereinten Kräften war der gesamte Proviant am Nachmittag des 4. Novembers bereits verstaut.

Insgesamt wurden dabei sechs Container angefüllt, davon zwei Tiefkühlcontainer mit minus 20 Grad Celsius. In letzteren befindet sich dabei unter anderem unser Fleischvorrat (Rind, Schwein, Kalb, Lamm, Geflügel und Wild). Natürlich wurden aber auch Fisch und andere Meeresbewohner nicht vergessen. Ergänzt werden die Proteine durch Kohlenhydratbeilagen wie Brot, Brötchen und Kartoffeln in unterschiedlichen Fertigungsformen.

Die Kühlcontainer wurden mit allerhand Konserven und Teigwaren, Gewürzen, Wasser und Säften, Knabbereien und Süßigkeiten befüllt. Um auch zu einigen Produkten Zahlen zu nennen: 1300 Liter Milch und 1000 Kilogramm Kartoffeln werden uns zur Verarbeitung zur Verfügung stehen.

In Kapstadt wird der bereits jetzt verpackte Vorrat mit frischen Lebensmitteln wie Eiern und frischem Obst und Gemüse ergänzt; eine letzte Lieferung frischer Lebensmitteln ist mit der Luftfracht für Anfang Februar geplant. Danach besteht bis November keine Möglichkeit mehr, zum Kaufmann an der Ecke zu laufen und Vergessenes kaufen oder über den Versandhandel nachbestellen zu können. Daher waren bei der Planung der einzukaufenden Waren erheblicher Aufwand und Rechenarbeit von unserem Koch Ralf gefragt. Er hatte auf Grundlage unserer seit August beobachteten Essensgewohnheiten die Kalkulation erstellt.

 

Beste Grüße

Holger Bauer, Leiter des 34. Überwinterer-Teams.

 


 

Geschafft: Die Container sind gefüllt. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut

So manches Teammitglied würde gern schon etwas früher abreisen...

... aber nicht jeder findet Platz in einer Zarges-Kiste - so sehr sich die Kollegen auch bemühen. Foto: Holger Bauer, Alfred-Wegener-Institut


 

8.11.2013 – Auflösung unseres AtkaXpress-Rätsels 2013

Rätsel-Foto: Wer oder was steckt hinter diesem Kunstwerk? Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Liebe Leser, vielen Dank, dass Sie auch in diesem Jahr so zahlreich mitgerätselt haben. Richtig lagen all jene, die „Pinguin“, „Pinguinkot“ oder „Pinguinurin“ als Antwort geschrieben hatten. Sehr gut gefallen haben uns aber auch die vielen anderen phantasievollen Lösungsvorschläge. Die Palette reichte von der Route eines Eisbrechers über Risse im Meereis und Robbenspuren bis zur Idee, hier sei wohl ein Helium-Ballon unserer Meteorologen geplatzt. Wir haben alle Preisträger über ihren Gewinn informiert und wünschen Ihnen auch weiterhin viel Spaß mit unserem AtkaXpress.

Mit besten Grüßen 

Sina Löschke    


 

23. Oktober 2013: Von Bergführern bis hin zu „Gerry Glitter“ (Hitzeschutzanzug)

Berg in Sicht. Foto: Daniel Armbruster, Alfred-Wegener-Institut

Der künftige Neumayer-IT-Experte Dirk Zimmermann als Feuerwehrmann im Übungseinsatz. Foto: Lotar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Das 34. Überwinterungsteam bei der Brandschutzausbildung. Foto: Lothar Brungs, Alfred-Wegener-Institut

Liebe Leser, die Hälfte unserer Vorbereitungszeit ist um. Zwei intensive Monate mit Einführungskurs, Bergkurs, Feuerbekämpfungskurs inklusive Leckabwehr, Unix und Linux, und natürlich alle anderen individuellen Kurse und Vorbereitungen, welche die einzelnen Betreuer uns ÜWIs zusammengestellt haben. Was haben wir also gelernt?

Alle Überwinterer starten nach einer Einführungswoche mit dem Bergkurs. Wir waren im "Hochwilde Haus" in Österreich auf dem Gurgler Ferner. Urig schön und fast familiär waren hier die Tage. Wir lernten uns anzuseilen, darauf zu achten, dass die Gurte sehr gut sitzen, da es ansonsten schmerzhaft endet. Wir lernten uns abzuseilen und uns zu retten, wenn wir oder Sommergäste in eine Gletscherspalte fallen sollten. Und ja, Eis ist nicht weich, Gletscherspalten sind tief und wenn die Seilschaft nicht aufpasst, kann es auch mal schiefgehen, und die Sicherung muss helfen. Ein intensiver und unglaublich lehrreicher Kurs. Sowohl was den technischen, als auch was den menschlichen Bereich betrifft. Wir haben uns als Team gefunden!

Ein weiterer gemeinsamer Kurs war der Feuerbekämpfungskurs. Wie jedes Jahr fand er auch wieder in Neustadt Holstein statt, an der Außenstelle für Schiffssicherung. Militärischer Ton, klare Ansagen und wenn jemand etwas falsch macht, dann noch mal. Zartbesaitet darf man hier nicht sein. Es geht ja auch schließlich um unser Leben, wenn es brennt.

Doch was passiert eigentlich, wenn es in der Station brennt? Da wir an der Neumayer Station III Bremerhavener Rufnummern haben, könnten wir die "112" anrufen und würden mit unserem Notruf tatsächlich in der Leitstelle der Bremerhavener Feuerwehr ankommen. Es liegt aber eine erhebliche Strecke zwischen Bremerhaven und der Antarktis und ich glaube, die Feuerwehr wäre nicht in 15 oder 20 Minuten vor Ort. Für uns heißt das: Sich selbst helfen!

Viele Menschen haben Angst vor Feuer. Wir auch! Denn, wenn es brennt, gibt es für uns keine Hilfe von außen. Wir haben gelernt: Angst zu haben, ist eine Sache - sich von ihr leiten zu lassen, eine andere.

Wir wurden in dieser Woche keine Feuerwehrleute und ich habe unglaublichen Respekt vor dieser Arbeit. Trotzdem müssen wir ein Feuer oder Kammerbrand innerhalb von 10 bis 15 Minuten nach Ausbruch bekämpfen, ansonsten werden wir verlieren.

Wenn Mann oder Frau in einem Abstand von etwa sechs Metern vor einem acht Meter hohen Feuer steht und die Hitze unter der Brandschutzhaube spürt, bekommt jeder Respekt. Wenn eine Wanne mit 500 Liter Diesel brennt und wir es schaffen, zu zweit dieses Wannenfeuer in wenigen Sekunden zu löschen, erkennt man aber auch, was möglich ist. Und wenn man dann "Gerry Glitter" anhat, ist fast alles möglich. Aber das Allerwichtigste ist: Kein Feuer entstehen lassen. Und wenn es doch brennen sollte, wissen wir: Nur im Team können wir ein Feuer löschen.

Hier noch eine kleine Feuerkunde:

  • CO2-Löscher eignen sich nicht, um Lagerfeuer zu löschen. Wasser ist besser!
  • Wasser löscht keine Benzin- oder Fettbrände! In einem solchen Brandfall Pulverlöscher nehmen.
  • Pulverlöscher sind vielseitig einsetzbar. Sie löschen aber keine Glut! 

 

Bevor ich es vergesse: Unsere Fanartikel - verziert mit unserem Logo - sind jetzt verfügbar und können bei uns per E-Mail nachgefragt werden. Anfragen schicken Sie bitte an folgende Adresse: Dirk.Zimmermann(at)awi.de

Verfügbar sind die allseits beliebten Poloshirts in den Größen S bis XXL für 25,00 Euro; T-Shirts für 15,00 Euro, Aufnäher groß für 15,00 Euro, Aufnäher klein für 12,00 Euro, Autoaufkleber für 1,00 Euro sowie Tassen mit unserem Logo in blau. Wenn die Ware verschickt werden soll, kommen die Versandkosten noch dazu. (Hier gibt es unsere Artikel-Kollektion als kleinen Katalog zum Herunterladen)

 

Beste Grüße

Dirk Zimmermann

 


 

11. Oktober 2013: Das Neumayer-Rätsel 2013 - Was steckt hinter diesem antarktischen Kunstwerk?

Rätsel-Foto: Wer oder was steckt hinter diesem Kunstwerk? Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Als Stationsleiterin Barbara Fiedel neulich eine Erkundungsfahrt auf dem Meereis machte, entdeckte sie dieses – nennen wir es Kunstwerk. Sofort zückte sie ihren Fotoapparat und machte ein Foto davon. Zum Glück, denn so können wir heute gemeinsam mit dem 33. Überwinterungsteam zum Neumayer-Rätsel 2013 aufrufen. Unsere Frage: Was verbirgt sich hinter diesem Kunstwerk und wie ist es entstanden?

Schreiben Sie uns Ihre Antwort bis zum 30. Oktober 2013 an die E-Mailadresse: atkaxpress(at)awi.de

Unter allen Einsendern, die diese Frage richtig beantworten, verlosen wir die Original-Neumayer-Frühstücksbecher unseres 33. Neumayer-Teams.

Noch ein Tipp: Barbara Fiedel sagt, der Künstler sei sich seines außergewöhnlichen Werkes überhaupt nicht bewusst gewesen.

 

Viel Glück, 

Barbara Fiedel und Sina Löschke


 

22. September 2013: Grüße zum Frühlingsanfang


 

17. September 2013: Der erste Blogbeitrag des neuen Überwinterer-Teams

Das Logo des 34. Überwinterungsteams.

Es ist wieder so weit. Seit Anfang August werden wir, die neuen ÜWIs, auf den kommenden antarktischen Winter vorbereitet. Wir, das sind Holger, Markus, Lothar, Dirk, Ralf, Elena, Kerstin, Johannes und Daniel. Sicher werden wir uns in den kommenden Monaten noch eingehender vorstellen, so dass ihr uns besser kennen lernen könnt.

Traditionell beginnt mit der Vorbereitungszeit auch eine Phase, in der die ÜWIs ihr eigenes Logo entwickeln. Im Allgemeinen verläuft dieser Prozess der Entscheidungsfindung jedoch nicht immer geradlinig... Einzigartig soll es sein (was bei Überwinterung Nr. 34 gar nicht so einfach ist!). Gleichzeitig soll es nicht zu überladen an Details sein, um dem Betrachter sofort zu vermitteln, worum es sich dabei handelt.

Erst nach vielen Stunden der gemeinsamen Diskussion und (Um-)Gestaltung hat unser Logo einen Status erreicht, in dem wir es nun drucken lassen und auch veröffentlichen können. Bis dahin aber war es ein langer Weg. Wir haben uns jetzt schlussendlich für eine Version entschieden, die unser zukünftiges Zuhause als zentrales Motiv darstellt: Im Hintergrund, möglichst schlicht gehalten, sind die Umrisse der Antarktis und der Südzipfel Südamerikas zu erkennen. Die Basis bildet im Gegensatz zu vielen vorangegangenen Logos ein regelmäßiges Neuneck. Aber macht euch doch am besten selbst ein Bild von der Ausgabe des 34. ÜWI-Logos (siehe rechts). Eine Sammlung der Logos aller bisherigen Überwinterer-Teams, einschließlich dem unserigen, findet ihr hier.

 

Johannes und Daniel vom 34. Überwinterer-Team


 

9. September: Sport auf Neumayer

Wie in der Schule: geliebt-gehasstes Zirkeltraining. Foto: Julia Regnery, Alfre-Wegener-Institut

Wie hält man sich in der Polarnacht aktiv?

Unser Sportraum platzt bei 3 Mann oder Frau Besatzung aus allen Nähten. Deshalb mussten wir uns was anderes einfallen lassen. Sport macht doch umso mehr Spaß, und das Aufraffen, das Überwinden des inneren Schweinehundes fällt leichter, wenn man es in der Gruppe machen kann.  Wo gibt es Platz – was können mehrere gleichzeitig tun, jeder auf seinem Level? Da fiel mir das gute alte Zirkeltraining ein – manchmal verhasst, aber doch effektiv für alle Muskelgruppen was dabei und mit Musik auf der Galerie gar nicht so schlecht. Und, 6 von 9 haben regelmäßig mitgemacht, die ganze Polarnacht hindurch bis heute, treffen wir uns regelmäßig einmal die Woche für eine Stunde Zirkeltraining auf der Galerie!


 

Das Üwi-Team der Neumayer-Station beim antarktischen Walk-off. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Um sich sportlich mit den Nachbarstationen zu verbinden wurden wir von Sanae, unseren nächsten Nachbarn dazu aufgefordert an einem Walk off teilzunehmen. Walk off, was ist das? Alle teilnehmenden Stationen brauchen ein Laufband und ein Team von mindestens 6 Leuten. Dann gilt es 6x20min auf dem Laufband zu Walken und dabei als Team die weiteste Strecke zurückzulegen. Ausgebaute Kategorien waren, wer hat das beste Kostüm oder welcher Einzelteilnehmer hat die Höchstgeschwindigkeit erreicht. Wir waren mit unserem Dreamteam natürlich mit von der Partie, übrigens bereits zum 2. Mal diesen Winter, der erste Contest stieg bereits am 28.juni und wir belegten einen ehrenwerten 2. Platz! Diesmal liegt die Auswertung noch nicht vor, wir konnten uns aber von 16,2 auf 16,8 Kilometer steigern!


 

Extrem-Jogging: Laufen bei -38 °C. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Natürlich möchte man auch nicht die außerstationären sportlichen Aktivitäten missen. Sind doch einige von uns mehr oder minder passionierte Jogger und auf dem Laufband kann es nach einiger Zeit schon ein bisschen öde werden. Einige Ziele hier vor Ort bieten eine gute Distanz zum Joggen – hierzu gehört zum Beispiel die E-Base (Emergance Basis oder auch die Sommerstation der Südafrikaner; Hin- und Rückweg ca. 11km) oder die Infraschallstationen (Laufweg ca. 9km), die im näheren Umkreis aufgebaut sind. Über den Winter gab es leider nicht so viele Gelegenheiten, mit schönem Wetter und wenig Wind, die man zum draußen Laufen nutzen konnte – eine Gelegenheit gab es aber doch und neben den guten Wetterbedingungen gab es -38°C inklusive….

von Barbara Fiedel und Julia Regnery


 

7. August 2013: Aufnahmen aus der Nacht

Nachdem nun langsam die Sonne wieder über den Horizont kriecht, wird es allerhöchste Zeit, den Nachthimmel über der Neumayer-Station III zu Wort kommen zu lassen. Es beginnt alles noch bei Tageslicht mit dem Mond. Denn ja, es gab auch kurz vor Mittwinter helle Tage, an denen man fast nicht glauben konnte, dass die Sonne nicht aufgeht. An solchen Tagen steht manchmal der Mond über dem Horizont (schaut Euch Lisas Beitrag an, dann seht Ihr den Mond tagsüber). Nachts gibt es ihn natürlich auch nochmal, in der Version heruntergefallene Orange“.

In den stillen klaren Winternächten, von denen es leider nicht allzu viele gegeben hat, kann man außer dem Mond eine Vielzahl an Sternen sehen. Leider habe ich von Sternen und Sternbildern keine Ahnung, ich kann ja gerade mal den Orion erkennen. 

Und bei den Sternbildern der Südhalbkugel schneide ich noch schlechter ab. Glücklicherweise spielt das gar keine Rolle, da man spätestens auf den Fotos sowieso nur noch Myriaden von Lichtpunkten sieht. Dort wo man in der Mitte der Milchstraße auf dem Foto nur Dunkelheit sieht, sind es sogar so viele, dass sie sich gegenseitig verdecken. Es bleiben nur Schatten übrig. 

 

Der der Mond, zwei Tage vor Mittwinter. Foto: Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut

Eines der wenigen Sternbilder, die ich hier erkenne: Der Gürtel des Orion. Foto: Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut

Ein vernünftig belichtetes Bild der Milchstraße. Die dunklen Stellen sind Gaswolken, der grüne Schatten rechts unten im Bild ist ein Rest Polarlicht. Foto Thedda Hänssler, bearbeitet von Boris Christian, Alfred-Wegener-Institut

Auf diesem Foto ist ein Satellit versteckt. Foto Thedda Hänssler, bearbeitet von Boris Christian, Alfred-Wegener-Institut


 

Wenn man doch nur wüsste, wie man die Kamera richtig einstellen soll!

Wenn man dann doch mal ein schönes Bild bekommen hat, ist meistens ein Satellit mit abgelichtet worden. Wenn man sehr viel Glück hat, bekommt man außerdem noch Polarlicht zu sehen. Gerüchte sagen ja, dass in diesem Jahr ein besonders intensives Polarlicht zu sehen sein soll. Leider ist an solchen Tagen fast immer Sturm oder zumindest eine geschlossene Wolkendecke. Am häufigsten sehen wir hier noch das sogenannte farblose Polarlicht, das einfach nur ein wenig vor sich hin schimmert. Dass darin trotzdem Farbe enthalten ist, sieht man erst, wenn man eine Langzeitbelichtung macht.

 

Julia mußte länger arbeiten- deshalb ist das Licht im Spurenstoffobservatorium noch an. Der rote Fleck ist wie immer das geophysikalische Observatorium. Obendrüber sieht man die Farben des eigentlich farblosen Polarlichtes. Foto Thedda Hänssler bearbeitet von Boris Christian, Alfred-Wegener-Institut

Für dieses Foto bin ich morgens um halb sechs rausgegangen - dafür ist es wirklich schön grün geworden. Foto Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut


 

Polarlicht gibt es natürlich auch noch mal in echter Farbe, dann ist es meistens grün. Und wenn es am schönsten ist hat man die Kamera entweder nicht griffbereit oder völlig falsch eingestellt. Aber manchmal klappt es dann doch.

Ähnlich farbenfroh wie der Nachthimmel sind aber auch die Tage gewesen, auch wenn sie manchmal ein bißchen zu rosa geworden sind. Das war aber auch die angemessene Vorbereitung für den ersten richtigen Sonnenaufgang am 23. Juli.


 

Foto 1 von 2, die im Abstand von ein paar Minuten entstanden sind. Foto Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut

Foto 2 von 2, die im Abstand von ein paar Minuten entstanden sind. Foto Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut

Der erste "echte“ Sonnenaufgang im Juli, oder: Kann da nicht mal jemand die blöde Wolke wegnehmen? Foto Thedda Hänssler, Alfred-Wegener-Institut

 

Mit herzlichen Grüßen vom Ende der Nacht, 

Thedda Hänssler, Geophysik


 

27. Juni 2013: Mittwintertag 2013 auf Neumayer (21. Juni)

Das Team beim Anbringen der Wegweiser. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Das Überwinterungsteam mit der traditionellen Weinkiste aus Rheinland-Pfalz. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Ein Mitglied des Überwinterungsteams grüßt auf diesem Wege seinen Heimatort und gratuliert zum Jubiläum. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Wir begehen heute den höchsten antarktischen Feiertag - Weihnachten - Ostern - Geburtstage sind hier auf diesem unwirtlichen und unchristlichen Kontinent eher Nebensache. Aber wenn die längste Nacht des Jahres verstreicht, und die Tage wieder länger werden, man auf den ersten Sonnenaufgang zu, anstatt vom letzten Sonnenuntergang in die Finsternis hinein steuert, dann ist das ein Fest wert!
Alle Antarktisstationen welche mit Überwinterern besetzt sind senden Mitwintergrüße, der Mail Account, der in den letzten Wochen und Monaten eher an Unterbeschäftigung litt, wird aktuell geflutet. Unseren Flur haben wir schon mit all den Mitwintergrüßen in Form von Bildern unserer Kollegen in den anderen Stationen tapeziert. Selbst Xi Jingping und Barack Obama haben Grusschreiben geschickt.

Wie es sich an einem Feiertag gehört, brunchen wir gemütlich, um uns dann den traditionellen Tätigkeiten eines Mitwintertages auf Neumayer zu widmen. Hierzu waren einige Vorbereitungen nötig – jeder von uns hat in den letzten Wochen an „seinem“ Wegweiser gebastelt. Das heißt, jeder Üwi zimmert, schweißt, häkelt, lötet oder bastelt aus allen möglichen Materialien (Holz, Blech, Wolle, Eis, Papier) einen Wegweiser in sein oder ihr Heimatdorf oder -Stadt, versehen mit der Entfernung in Kilometern. Diese Schilder hängen wir bei nur 7 Knoten Wind, fast klarem Himmel und minus 30 Grad am circa 500 Meter im Nordwesten der Station stehenden Wegweiser auf. Trotz der günstigen Witterung wird es nach eineinhalb Stunden Hantieren mit Schraubenschlüsseln und Herumstehen doch empfindlich kalt. Alle haben noch ein Plätzchen an der, schon mit jeder Menge älteren Schildern behangenen Stange gefunden – wir mussten nur 3 alte Schilder abmontieren. Diese Schilder werden natürlich mit nach Hause genommen und ihren Besitzern übersendet!

Nach dem Einläuten der Grillsaison – es gab ein liebevoll auf Holzfeuer gegrilltes Spanferkelchen – wurde natürlich die traditionelle Weinkiste der Struktur und Genehmigungsdirektion Süd Reinland-Pfalz geöffnet und einige erste Weine verkostet. Diese Kiste wird traditionellerweise jedes Jahr großzügig gespendet und enthält jede Menge edle Tropfen aus Rheinhessen und der Pfalz.

Wir telefonierten mit Bremerhaven, wo im Mitsommer viele Alt-Üwis gemeinsam das Mitwinterfest feiern und mit unseren Nachbarn SANAE (Südafrika) und Halley (UK). Alle sind wohlauf und gaben sich den Feierlichkeiten des Mitwinters hin.

Außerdem belustigten wir uns mit einer Runde Hässlich-Wichteln (auch Schrott-Wichteln genannt). Auf die favorisierten Geschenke gehe ich hier an dieser Stelle lieber nicht weiter ein ;-).

So, wir haben quasi das Bergfest mit dem Mitwinterfest gefeiert, nun geht es mit neuem Elan weiter in die zweite Hälfte der Wintersaison. Es stehen in allen Bereichen umfangreiche Inventuren an. Bereits jetzt müssen in Bremerhaven alle nötigen Dinge für die nächste Saison beschafft werden, damit sie rechtzeitig im September in Container gestaut und auf die Reise Richtung Süden geschickt werden können. Polarstern kreuzt im Moment in unseren Breiten umher, so dass sie in diesem Jahr nicht in Bremerhaven sein wird, um dort all den Nachschub für die Neumayer-Station an Bord zu nehmen.

Polarstern wird einen Teil des Nachschubes in Kapstadt an Bord nehmen und uns wahrscheinlich erst zwischen Weihnachten und Neujahr anlaufen. Vorher kommt das Südafrikanische Schiff Agulhas an die Schelfeiskante, um schon mal eine erste Portion Sprit und benötigtes Material für die ersten Projekte der Saison zu bringen.

Viele Grüße

Barbara


 

24. Juni 2013: Nachtrag zum Beitrag "Der Himmel über Neumayer III"

Im unten stehenden Bericht wurde beschrieben, dass es unter bestimmten Bedingungen zu Luftspiegelungen kommt.

Neben den dort beschrieben Spiegelungen gibt es auch noch eine Luftspiegelung, die nur unter ganz bestimmten Bedienungen in polaren Regionen auftritt. In diesem Fall ist die Sonne, die sich eigentlich unter dem Horizont befindet, über dem Horizont sichtbar. Dieses Phänomen wird als "Novaya-Zemlya-Effekt" bezeichnet, da es dort (auf der russischen Arktis-Insel) als erstes beobachtet wurde.

Damit die Sonne, die sich eigentlich unter dem Horizont befindet, über dem Horizont zu sehen ist, wird eine sehr gleichmäßige Schichtung der unteren Atmosphäre über eine Distanz von mehren 100 Kilometer benötigt. In diesem Bereich muss sich eine Inversion ausgebildet haben, dass heißt zum Beispiel muss in der unteren Atmosphäre die Temperatur erst mit der Höhe zunehmen und dann wieder abnehmen. Die Sonnenstrahlen werden dann in dieser Schicht so gebrochen, dass sie sich wellenartig über große Distanzen ausbreiten können.

Aus diesem Grund konnten wir mitten in der Polarnacht kurz vor Mittwinter die Sonne sehen.

Viele Grüße, 

Lisa

 

Die Sonne kurz vor Midwinter. Foto: Lisa Behrens, Alfred-Wegener-Institut

Die Sonne kurz vor Midwinter. Foto: Lisa Behrens, Alfred-Wegener-Institut

Der Mond als "Gegenüber" der Sonne. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut


 

3. Juni 2013: Der Himmel über Neumayer III

Aufnahme eines 22-Grad-Ringes. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Aufnahme einer Lichtsäule. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Aufnahme eines Erdschattenbogens. Foto: Lisa Behrens, Alfred-Wegener-Institut

Aufnahme eines Nebelbogens. Foto: Lisa Behrens, Alfred-Wegener-Institut

Aufnahme einer Spiegelung. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Aufnahme einer Spiegelung. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Jeder hat schon irgendwann mal in den Himmel geguckt. Häufig ist der Himmel ganz oder teilweise mit Wolken bedeckt, oder manchmal auch wolkenlos. Mit etwas Glück kann man noch mehr am Himmel sehen. Durch Wassertöpfchen oder Eiskristalle in der Luft können diverse optischen Erscheinungen hervorgerufen werden. Ein Beispiel, das wahrscheinlich jeder kennt, ist der Regenbogen. Es gibt aber noch diverse andere mögliche optische Erscheinungen. Ein paar sollen hier kurz vorgestellt werden....

 

Eine Kategorie optischer Erscheinungen sind Halos. Sie können in verschiedenen Formen auftreten. Damit sie auftreten können, müssen sich Eiskristalle in der Atmosphäre befinden. Ob und in welcher Form ein Halo auftritt, ist abhängig von der Orientierung und der Größe der Eiskristalle in der Atmosphäre und vom Winkel, in dem das Licht auf die Eiskristalle trifft.

 

Die vielleicht bekannteste Form, die hier auf Neumayer auch am häufigsten zu beobachten ist, ist der 22 Grad-Ring. In diesem Fall bildet sich ein, vom Beobachter aus 22 Grad von der Sonne entfernter Kreis oder ein Teil eines Kreises um die Sonne aus. Diese Art eines Halos wird durch willkürlich orientierte, hexagonale Eiskristalle in der Atmosphäre hervorgerufen. Das Licht bricht sich aufgrund dieser Form der Eiskristalle wie in einem Prisma und wird zudem durch die willkürlich Anordnung der Eiskristalle im Raum in alle möglichen Richtungen gebrochen. Für uns sichtbares Licht wird um 22 Grad abgelenkt, wodurch der Halo an genau dieser Stelle sichtbar wird.

 

Eine andere Art eines Halos ist die Lichtsäule. Ein Lichtsäule ist ein zum Horizont senkrechter Lichtstrahl und häufig zu beobachten, wenn die Sonne dicht am Horizont steht. Ein solche Lichtsäule entsteht durch Reflexion des Sonnenlichts an hexagonalen Eisplättchen. Damit sich eine Lichtsäule ausbildet, muss es fast windstill sein. Dann richten sich die Eisplättchen horizontal in der Luft aus, sinken langsam ab und rotieren um ihre vertikale Achse.

 

Wenn bei einem Sonnenuntergang die Luft klar ist und keine Wolken am Himmel zu sehen sind, ist der Sonnenuntergang gut zu beobachten und sieht sehr schön aus. Allerdings sollte man der Sonne hin und wieder vielleicht einfach mal den Rücken zukehren. Denn dann kann man noch etwas ganz anderes beobachten. Im Osten sieht man dann langsam den Erdschattenbogen aufsteigen. Gegenüber der Sonne hat er seinen höchsten Punkt und nach Norden und Süden nähert er sich dem Horizont an. Der Erdschattenbogen entsteht durch die gekrümmte Oberfläche der Erde. Dadurch werden die untersten Schichten der Atmosphäre gegenüber der Sonne nicht mehr von den Sonnenstrahlen erreicht, und es wird der Schatten des Erdrandes an den Himmel projiziert. (Dieses Phänomen kann entsprechend auch beim Sonnenaufgang beobachtet werden.)

 

Ein weiteres optisches Phänomen ist ein weißer Regenbogen oder Nebelbogen. Er ist ebenfalls während der Dämmerung zu beobachten. Ein Nebelbogen entsteht, wenn die Sonne auf eine Nebelwand scheint und die Wassertröpfchen in dieser Wand eine ganz bestimmte Größe besitzen.  Wie bei einem Regenbogen kommt es dann zu einer Brechung  des Lichts innerhalb der Wassertröpfchen. Dadurch, dass der Wassertropfen sehr klein ist, werden die Lichtstrahlen zusätzlich gebeugt und es kommt zur einer Überlappung der einzelnen Farben, wodurch der Nebelbogen weiß erscheint.

 

An windstillen Tagen können sehr gut Luftspiegelungen beobachtet werden, auch bekannt als Fata Morgana. Wenn unterschiedlich warme Luftschichten übereinander liegen, ist auch deren Dichte unterschiedlich. Dadurch kommt es an der Grenzschicht der beiden Luftmassen zu Brechungen und Ablenkungen der Lichtstrahlen und es werden zum Beispiel auf dem Kopf stehende Objekte erzeugt oder es sind Objekte über dem Horizont sichtbar, die eigentlich nicht sichtbar wären.

 

Viele Grüße aus dem fernen Süden,

Lisa


 

7. Mai 2013: Über die Traverse zur seismologischen Station auf dem “Olymp”

Karte der Gegend um Neumayer III mit der seismologischen Station auf dem Olymp. Quelle: Alfred-Wegener-Institut

Der Traversen-Zug mit Pistenbully, Lastschlitten mit Dieselfässern und Werkzeug, dahinter die Kabause - unser Zuhause. Foto: Georg Spiekermann, Alfred-Wegener-Institut

Unser Traversen-Team bei der Abfahrt von Neumayer III. Foto: Kathrin Höppner, Alfred-Wegener-Institut

Der Antennenmast kurz vor Beginn des Ausgrabens. Der Mast ist sechs Meter hoch, aber zur Hälfte zugeschneit. Foto: Julia Regnery, Alfred-Wegener-Institut

Nach dem Aufrichten und Abspannen des Masts wird das Windrad befestigt. Foto: Thomas Treuger, Alfred-Wegener-Institut

Die etwa neunzig Kilometer entfernt gelegene seismologische Station VNA3 musste in diesem Sommer aus dem Schnee ausgegraben und neu aufgestellt werden. Dazu hat sich Mitte Januar eine kleine Gruppe für einige Tage mit einem Pistenbully, einer Kabause und einer Menge Werkzeug auf den Weg gemacht.

 

Zu den Einrichtungen der Geophysik auf Neumayer gehören die drei seismologische Stationen mit den offiziellen Namen VNA1, VNA2 und VNA3. Die Stationen VNA3 und VNA2 sind auf Erhebungen aufgebaut, die südwestlich und südlich der Neumayer-Station III liegen und von etwa fünfhundert Meter dickem Gletschereis bedeckt sind. Die Erhebung, auf der die Station VNA3 steht, wird Olymp genannt, offiziell heißt sie Søråsen. Auf direktem Weg kommt man nicht dorthin, weil Spalten den Weg versperren. Deshalb führt die Strecke bis zum Olymp über insgesamt 115 Kilometer entlang einer genau festgelegten Route. Bei einer Reisegeschwindigkeit von durchschnittlich 13 Stundenkilometern ist das eine Tagesreise für jede Strecke. Außer dem alle paar Stunden wechselnden Fahrer und seinem Beifahrer haben wir die Reise in den Kojen der Kabause liegend verbracht. Durch die Unebenheiten der Strecke wurden wir alle kräftig durchgeschüttelt. Wir, das waren Thedda, Julia, Thomas und Georg, angeleitet durch unsere Vorgänger-Geo-Üwis Antje (Üwi 2011) und Stefan (Üwi 2012).

 

Das Seismometer auf dem Olymp

Auf dem Olymp steht ein Dreikomponenten-Seismometer in einer kleinen Grube, nach oben abgedeckt durch eine große Sperrholzplatte. Eine Richtantenne an einem sechs Meter hohen Mast überträgt die Daten fast in Echtzeit nach Neumayer. Der Datenlogger und das Modem werden über Bleiakkus versorgt, die in wärmeisolierten Kisten auch in der Grube stehen. Ein Solarpanel und ein kleines Windrad auf einem zweiten Mast laden die Akkus. Bei unserer Ankunft abends schien die Sonne und das Windrad drehte sich bei leichtem Wind – ein schöner Anblick mitten im Nirgendwo. Die gesamte Anlage versinkt langsam unter dem Neuschnee, denn der Schneezutrag am Olymp ist etwa drei Meter pro Jahr. Die Masten waren seit einem Jahr nicht mehr hochgesetzt worden, und auch der Deckel zur Seismometergrube lag etwa drei Meter unter der Geländeoberfläche. Deshalb war es unsere Aufgabe, alles auszugraben und freizuschaufeln, um die Station dann ein paar Meter weiter wieder neu aufzubauen.

 

Erster Tag vor Ort: Schaufeleinsatz

Der erste Tag vor Ort bestand komplett aus Schaufeln und Hacken in Schnee und Eis. Nach dem Seismometer und nach den Mastfüßen haben wir zuerst gegraben, anschließend auch nach den Schneeankern, mit denen die Masten zur Seite weg durch Drahtseile stabilisiert werden. Wo es möglich war, hat sich Thomas erst mit dem Pistenbully durch Wegschieben des Schnees an die Schneeanker herangegraben, bevor wir dann mit Spaten und Schaufel übernommen haben. Das Seismometer und alle Geräte wurden erfolgreich geborgen und vorbereitet für den Wiederaufbau. Am Ende des Tages sah das Gelände auf einer Fläche von etwa 50 mal 20 Metern aus wie das sandige Ufer eines Flusses, über das Goldgräber hergefallen sind.

Am Abend haben wir uns alle in der Enge der Kabause wiedergetroffen und gemeinsam gekocht und gegessen. Zum Schlafen ist jeder in seinen Schlafsack gekrochen, einige in der Kabause, andere auf Feldbetten draußen in der Helligkeit, geschützt vor dem Wind im Schiebeschild des Pistenbullies.

 

Zweiter Tag: Wiederaufbau der Anlage

Am zweiten Tag auf dem Olymp haben wir etwa 50 Meter weiter östlich eine neue Seismometergrube angelegt, die Masten aufgebaut und alles wieder verkabelt. Die beiden schweren Gittermasten sind insgesamt sechs Meter hoch und mussten mit dem Kran des Pistenbullies aufgerichtet werden. Dann haben wir die Masten mit den Drahtseilen und den wieder eingegrabenen Schneeankern abgespannt. Zum Schluss wurde das Windrad auf dem Mast befestigt und die Antenne nach Neumayer ausgerichtet. Das Seismometer wurde in der neuen Grube horizontiert, nach geographisch Nord ausgerichtet und im letzten Schritt entsichert und damit einsatzbereit gemacht. Danach haben wir die Grube wieder mit den Sperrholzplatten abgedeckt. Zum Schluss kommt eine Schicht Schnee darauf, erstens damit nicht bei Sturm durch einen kleinen Spalt Driftschnee in die Grube eindringen kann und zweitens, weil sonst die Sonne die Grube durch die dunklen Platten stark erwärmen würde.

Am Ende des vierten Tages waren wir wieder zuhause auf Neumayer. Ein Souvenir vom Olymp war neben unseren Fotos der Muskelkater von der Buddelei. Einige von uns sind ein paar Tage später zu einer zweiten Traverse zur Station VNA2 aufgebrochen, um auch da die jährlichen Wartungsarbeiten durchzuführen.

 

Georg Spiekermann

 

... ein paar weitere Bilder.  


 

Unser Ingenieur war einer jener Kollegen, die auf einem Feldbett unter freiem Himmel schliefen. Foto: Georg Spiekermann, Alfred-Wegener-Institut

Die durchwühlte Fläche nach der Bergung aller Teile der Anlage. Foto: Georg Spiekermann, Alfred-Wegener-Institut

Die Sperrholzplatten liegen schon auf der neuen Seismometergrube, im Hintergrund wird an den Abspannungen eines Masts gearbeitet. Foto: Julia Regnery, Alfred-Wegener-Institut

Die meiste Zeit über war traumhaft schönes Wetter. Auch nachts stand die Sonne am Himmel. Foto: Thomas Treuger, Alfred-Wegener-Institut


 

14. April 2013: Neuigkeiten aus der Neumayer-Küche

Michael Janke, Koch des 33. Überwinterungsteams. Foto: Michael Janke, Alfred-Wegener-Institut

Heute möchte ich mich, Michael Janke, der aktuelle Stationskoch des diesjährigen Überwinterungsteams, vorstellen und ein wenig über meine Aufgaben und Tätigkeiten erzählen. Also Michael ist mein Name, ich komme aus der Fasenachts-Hochburg Mainz am Rhein und bin ganze 37 Jahre alt und somit auch der „Alte Mann“ hier auf der Neumayer-Station. Ich habe im Rheingau meine Ausbildung zum Koch gemacht und bin danach das erste Mal bei der Bundesmarine zur See gefahren - für insgesamt vier Jahre. Im Anschluss habe ich verschiedene Stationen in Deutschland als Küchenchef und Soue Chef in 3- und 4-Sterne-Häusern durchlaufen. Vor vier Jahren bin ich dann noch einmal für ein Jahr zur See gefahren - auf dem Kreuzfahrtschiff MS Bremen.

Es wird auch gerne erzählt das der Koch so im geheimen der wichtigste Mann auf der Station sei, was sicher nicht ganz unwahr ist. Das allgemeine Leben auf der Station richtet sich eigendlich nur nach den Essenszeiten, das ist so die einzige Routine die wir hier so haben. 8:30 Frühstück, 12:30 Mittagessen (meist Salate und ne Kleinigkeit warmes und zu 18:00 Uhr wird dann richtig gekocht.

Dann haben wir noch unseren Pasta-Tag, den Eintopf-Tag und Sonntagabend gibt es zum TATORT schauen Pizza.


 

Salatbuffett in der Neumayer-Messe, Foto: Michael Janke, Alfred-Wegener-Instiut

BBQ auf Neumayer III. Foto: Michael Janke, Alfred-Wegener-Institut

Antarktisches Brot - selbstgebacken. Foto: Michael Janke, Alfred-Wegener-Institut

Das letzte frische Obst und Gemüse. Foto: Michael Janke, Alfred-Wegener-Institut

Also zu meinen Aufgaben gehört in erster Linie das Verpflegen des Teams. Und dabei ist darauf zu achten, dass man versucht, erst einmal jeden Geschmack zu treffen: nicht zu scharf, nicht zu lasch gewürzt und und und. Bis jetzt ist das Team aber, was das Essen an geht, noch sehr pflegeleicht. Es wird ihm aber auch ein abwechslungsreiches Angebot von mir geboten - von Asiatisch über Afrikanisch, mal Griechisch bis hin zum BBQ oder auch mal ein Spanferkel.

Zur Zeit versuche ich mich in der Kunst des Brotbackens. Und ich muss sagen, dass unser Team sehr davon angetan ist, hin und wieder mal ein frisch gebackenes Brot zu bekommen. Im Normalfall ist das Brot hier auf der Station tiefgekühlt und wird nur noch aufgebacken, was nicht schlecht ist. Zudem haben wir eine Auswahl von 12 verschiedenen Brotsorten.

Das Gleiche gilt für Gemüse, wenn das frische zur Neige geht - und für Fleisch, Fisch, Kartoffelprodukte sowie für Wurst und Käse. All diese Waren kommen weitgehend schon tiefgefroren aus Bremerhaven mit POLARSTERN. Das letzte frische Gemüse und Obst habe ich Mitte Februar mit dem vorletzten Flieger aus Kapstadt bekommen und ich denke mal, dass das ein und andere gut 12 bis 14 Wochen überlebt.

Des Weiteren sorge ich dafür, dass in unserer Messe sowie in der Lounge immer genug und ausreichend Getränke und Süßwaren bereitstehen - für den kleinen Hunger zwischen durch. Das Gleiche gilt auch für Hygieneartikel wie Duschgel, Shampoo, Rasierer, Zahnbürsten und Pasta bis hin zu Melkfett und Zahnseide. Das alles gehört ebenso zu meinem Warenbestand, den ich zu verwalten habe.

In den dunklen Wintermonaten werde ich mit unserem Team noch den ein und anderen Kochkurs veranstalten und meinen Kollegen und Kolleginnen den ein und anderen Köche-Trick beibringen.

So, das soll es von mir gewesen sein.

Schöne Grüße aus dem Eis

Michael Janke


 

1. April 2013: Lichtsignale zur internationalen Raumstation ISS

Trikottausch, das Neumayer-Team im Stil des ISS-Teams, inkl. ISS-Logo auf der Brust. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Das installierte Lichtarray auf dem Dach der Station. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Der Lichtkegel in den Weltraum. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Die Antwort der ISS auf der Radomcam. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Über die CHOICE-Studie haben wir einen guten Kontakt zur amerikanischen Weltraumagentur erhalten. Wie Barbara bereits in ihrem Beitrag „Wir erforschen auch uns selbst…“ vom 13.03. beschrieben hat, ist dabei unsere Isolation für die NASA von besonderem Interesse. Denn so sind wir eine echte vergleichbare Kontrollgruppe für die Astronauten auf der ISS. Aber auch über die Studie hinaus haben wir einige Parallelen zu den ISS-Missionen entdecken können. Zum Beispiel startete die Mission des 33. ISS-Teams wie bei uns im Dezember 2012. Auch sind wir das 33. Missions-Team, aufgrund dessen wir auf die Idee gekommen sind, einen „Trikottausch“ zu organisieren. Und so gingen ein paar Aufnäher von der Antarktis über Bremerhaven nach Houston und umgekehrt. Die Aufnäher landeten natürlich direkt auf unseren Team-Shirts und es musste direkt ein Foto im „NASA-Style“ gemacht werden. Mit dem Paket aus Amerika kamen zur unseren Überraschung nicht nur Aufnäher, sondern auch die privaten Emailadressen der Astronauten. Die Gelegenheit nutzten wir und so entstand schnell eine nette Emailfreundschaft zwischen uns.

Als wir dann eines Tages die erste Email direkt von der Raumstation erhalten haben, war das schon ein ganz besonderer Moment. Die ISS-Crew erwähnte dabei, dass sie durch uns nun die Antarktis mit ganz anderen Augen sähe. Denn jetzt würden sie neun Menschen kennen, die da unten im Nichts lebten, wo sie vorher nur Leere vermutet hätten. Christopher Cassidy von der ISS hatte dann die lustige Idee, Lichtsignale zwischen uns auszutauschen. Er meinte, dass aufgrund der nichtvorhandenen Licht- und Luftverschmutzung in der Antarktis bereits ein Scheinwerfer mit 1000 Watt Lichtleistung ausreichen würde, um von der Raumstation ISS in 400 Kilometer Höhe gesehen werden zu können.

Die Idee war kaum ausgesprochen, als wir schon mit den ersten Vorbereitungen begannen. Leider hatten wir keinen 1000 Watt Scheinwerfer, deshalb nahmen wir einfach alle Strahler, die wir finden konnten, und bauten diese zu einem Lichtarray auf dem Stationsdach auf. Christopher Cassidy ermittelte in der Zwischenzeit die genauen Bahndaten der ISS, und teilte uns einen günstigen Überflugzeitpunkt mit. Diesen Zeitpunkt zu finden, war wohl nicht so einfach, da die ISS-Astronauten fast rund um die Uhr für Arbeiten verplant sind oder ihre streng geplanten Ruhezeiten einhalten müssen. Letztendlich fand sich aber ein freier und passender Slot. Gerüchte besagen, dass dabei wohl eine Toilettenpause geopfert werden musste. Da aufgrund der Bahnneigung der ISS streng genommen kein direkter Überflug möglich ist, hatten wir jeweils noch einen Winkel für die Deklination und Rektaszension erhalten, um eine bestmögliche Ausrichtung der Scheinwerfer zu erreichen. Auf der ISS musste kein großer Aufwand im Vorfeld betrieben werden, da diese bereits über eine optische Kommunikationsanlage verfügt. Die Anlage wurde genau für so einen Fall konzeptioniert - um mit einer Bodenstation im Notfall morsen zu können.

Heute morgen zu der unsittlichen Zeit um 02:19:50 Uhr war es dann endlich soweit. Wir morsten mit 1600 Watt Lichtleistung unseren Amateurfunknamen D-P-0-G-V-N in den Himmel. Gespannt schauten wir in die dunkle Nacht - und kaum zu glauben, da kamen auch schon Morsezeichen in Form von kleinen Lichtblitzen zurück. René, unser Funker, decodierte die Lichtsignale und bestätigte, dass A-R-I-S-S, der Amateurfunkname der ISS, zurückgemorst wurde. Da die ISS nur 1,5 Stunden für eine Erdumrundung braucht, war es schon sportlich gewesen, in so einer kurzen Zeit alle Signal senden und empfangen zu können.

Viele Grüße aus der „Neumayer-Bodenstation“,

Euer Boris

 

Aufmerksame Astrophysiker werden es vielleicht schon festgestellt haben: Irgendwas stimmt an diesem Beitrag nicht. Wie es bei einem April-Scherz üblich ist, haben wir uns die Geschichte natürlich nur ausgedacht. Wir bitten daher alle Leser, nicht mit 1500 Watt Scheinwerfer in den Himmel zu morsen und bitte keine Anfragen hierfür an die ESA und NASA zu senden.


 

25. März 2013: Tux oder die Geschichte, wie ich Pinguinmama wurde

Perfekte Vorbereitung: Wie dieses Bild beweist, hat Tux auch den obligatorischen Brandschutzkurs absolviert.

Die ersten Schritte auf antarktischem Boden - Julia und Tux beim Umsteigen an der Forschungsstation "Novo". Foto: Alfred-Wegener-Institut

Tux und Julia im Polarflugzeug auf dem Weg von "Novo" zur Neumayer-Station III. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Fest ins Team aufgenommen - Tux und das Überwinterungsteam bei der Ankunft an der Neumayer-Station. Foto: Alfred-Wegener-Institut

Tux vor seinem neuen Zuhause auf Zeit - der Neumayer-Station III. Foto: Julia Regnery, Alfred-Wegener-Institut

Besuch bei den Verwandten - Tux vor der Pinguin-Kolonie in der Atkabucht. Foto: Julia Regnery, Alfred-Wegener-Institut

Einige Leute hatten mich vor dem Abflug in die Antarktis oft scherzhaft gefragt, ob ich ihn oder sie nicht im Handgepäck mit in die Antarktis nehmen könnte. Jedoch stellte sich dies immer als unmöglich heraus. Wer würde schon ein 60 bis 90 Kilo schweres Handgepäckstück durch den Zoll und in den Flieger bekommen!?

Einige Wochen vor der Abreise bekam ich wieder eine solche Anfrage per Email: Kannst du mich mit in die Antarktis nehmen? Die Anfrage kam von „meinem neuen Freund Tux“ wie er sich selbst in der Email vorstellte. Tux ist jedoch kein Mensch, sondern ein Pinguin. Er ist das Klassenmaskottchen der Pinguinklasse der Friedensschule in Baesweiler. Seine Mission: die Rückkehr in die Antarktis.

Nach anfänglicher Verwirrtheit meinerseits, wie man auf solch eine Anfrage nur reagieren sollte und vor allem wie er gerade auf mich kam, beschloss ich doch zurückzuschreiben und bekam auch prompt jede Menge Fotos von Vorbereitungskursen wie jene, die wir selbst mitgemacht hatten. Brandschutz, Gletscherkurs (zwar nur in der Turnhalle) und auch die ärztliche Eignung wurden mir nachgewiesen…

Tux war sehr gut vorbereitet und schien eine Bereicherung für unser Team zu sein. Deswegen beschloss ich, mich auf das Abenteuer - blinder Passagier – einzulassen. In einem Einkaufscenter traf ich Tux dann das erste Mal und nahm ihn gleich mit – er war bereit für die Antarktis. Eine Woche lang musste er aufgeregt bei mir Zuhause auf einem Haufen von Kleidung, Elektrogeräten, Geschenken und Krims Krams sitzen, bevor es ans Einpacken ging.

Was ich nicht wusste war, dass sein Verschwinden bereits in der Grundschulklasse für Aufregung gesorgt hatte und sogar bei der örtlichen Polizei eine "Vermisstenanzeige" aufgegeben worden war. Der besorgte Lehrer schrieb mich an. Er hatte entdeckt, dass Tux vom Schulcomputer aus mehrere Emails an mich versendet hatte. Tux bat mich vorerst, seinen Aufenthalt geheim zu halten. Das Risiko war zu groß, dass ihn irgendjemand noch aufhalten könnte. Ab diesem Zeitpunkt wurde ich nervös. Würde ich Tux ohne Problem aus Deutschland „rausschmuggeln“ können? Was würde passieren, wenn am Flughafen ein vermisster Pinguin in meinem Handgepäck auftauchen würde?

Am Abflugtag wurde es dann noch hektisch. Annullierter Flieger und die Umbuchung auf einen früheren Flug. Dies ließ wenig Zeit für große Abschiedsszenen und der blinde Passagier war für kurze Zeit vergessen. An der Kontrolle selbst stand ich dann aber doch mit Herzrasen. Würde alles gut gehen? Würde Tux als blinder Passagier - ohne Pass, ohne Flugticket und als vermisst gemeldet  - auffliegen? Ohne negativ aufzufallen ging ich durch die Kontrolle und ich hoffte, dass mein Rucksack, in dem der blinde Passagier harrte, auch ohne Schwierigkeiten durchgehen würde.

Wir hatten Glück! Tux wurde nicht entdeckt und somit durfte er aus seinem Versteck raus. Auch in München konnte er frei durchatmen und der Flug nach Johannesburg war kein Problem mehr. Tux durfte während des Fluges auf meinem Schoß schlafen und hatte sogar seinen eigenen Sitz bei Start und Landung. Auch die Einreise in Südafrika stellte sich als einfach heraus. Keiner wollte einen Pass oder ein Visum sehen und die erste große Etappe war geschafft.

Der Weiterflug in die Antarktis lief dann ebenso reibungslos und endlich hatte Tux es wieder in die Antarktis geschafft. Ein Treffen mit Verwandten und Freunden wurde schnell arrangiert und auch der Grundschule in Baesweiler wurde Bescheid gegeben, wo Tux abgeblieben war. Die Begeisterung war riesig.

Seitdem ist Tux mein ständiger Begleiter und insgeheim bin ich hier auf Neumayer schon als die „Crazy-Pinguin-Lady“ bekannt. Aber eigentlich bin ich im Moment eher die Pinguinmama auf Zeit. Die Grundschulklasse hat per Email Kontakt zu Tux und stellt ihm Antarktis- und Neumayer-relevante Fragen und verschiedene Themen werden in den Unterricht eingebaut. Hoffen wir, dass Tux den Kindern einiges beibringen kann und ihr Interesse für diesen abgelegenen, vereisten Kontinent weckt.

Eure Pinguinmama Julia

 


 

13. März 2013 - Wir erforschen auch uns selbst….

Pipettieren von Blutproben. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Natürlich kann man sich vorstellen, dass ein jeder während einer Überwinterung mit neunmonatiger Isolation eine Menge über sich selbst lernt: Zum Beispiel im Umgang mit den Anderen oder im Umgang mit seinen eigenen Emotionen, Nöten, Ängsten oder Wünschen, die sich in der Isolation nicht immer so kanalisieren lassen wie wir es in unserer „normalen“ Welt gewohnt sind.

Darum soll es sich aber heute gar nicht drehen, sondern neben den meteorologischen, luftchemischen und geophysikalischen Forschungen forschen wir tatsächlich auch an uns selbst – und zwar im medizinischen Sinn: Wir erforschen unsere Physiologie und unser Immunsystem und wie die beiden auf die Isolation reagieren.

Das Zentrum für Weltraummedizin Berlin (ZWMB) und das physiologische Institut der Charité in Berlin arbeiten seit mehreren Jahren mit dem AWI zusammen. Wir erfassen physiologische Daten von uns Überwinterern und wie sich diese im Verlauf der Überwinterung und der Isolation verändern. Zu diesen physiologischen Parametern gehören zum Beispiel das Gewicht,  die Schlafqualität und die Schlafdauer, der Aktivitätsgrad zusammen mit dem Energieumsatz, die Muskelkraft, die Veränderung der Körperzusammensetzung (Wasserhaushalt, Fettgehalt) sowie einige Enzym-, Hormon- und Vitaminspiegel im Blut. Außerdem werden Veränderungen des autonomen Nervensystems und der kognitiven Leistungsfähigkeit erfasst.


 

Die ۀrztin Barbara Fiedel beim Verarbeiten der Blutproben. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Skype-Interview mit den NASA-Kollegen in Houston aus dem Wohnzimmer der Neumayer-Forschungsstation III. Foto: Boris Christian, Alfred-Wegener-Institut

Ziel dieser Forschung ist die feldphysiologische Untersuchung von Menschen unter extremen Umweltbedingungen wie dem veränderten Tag-Nachtrhythmus, der Isolation, dem „Beengt-Sein“ und der Kälte. Unter den hiesigen Gegebenheiten können wir, anders als in einer künstlichen Laborsituation, Untersuchungen unter realen Lebensbedingungen durchführen. Dies hat Bedeutung für die Weltraummedizin, da unserer Situation vielfältige Analogien zu Langzeitaufenthalten im Weltraum hat.

Um die Erforschung des Immunsystems mit voranzutreiben, liefern wir  Blut-, Urin- und Speichelproben an die Ludwig Maximilian Universität in München in die dort ansässige Klinik für Anästhesiologie sowie an die Raumfahrtbehörde in Amerika (NASA). Um die Empfänger unserer Proben in Housten, USA, einmal kennenzulernen, hatten wir neulich sogar ein Skype-Interview mit den Forschern der NASA in Houston. Die Forscher waren ganz begeistert einmal „ihre“ Probanden live zu sehen und zu erfahren, wie wir hier auf Neumayer leben und wie wir unsere/ihre Proben generieren.     

Unsere Untersuchungen werden nämlich in einen Gesamtzusammenhang mit weiteren Studienergebnissen gestellt (CHOICE Studie), welche im Weltraum und auf einer anderen, deutlich höher im Gebirge liegenden Antarktisstation (Concordia) erhoben wurden. Es gilt dabei herauszufinden, wie sich die Funktionalität des Immunsystems an gesunden Menschen verändern kann, wenn sie chronischem Stress (Stress bedeutet in diesem Sinn die besonderen Lebensbedingungen auf unserer Station) ausgesetzt sind. Im Weltraum besteht als weiterer Stressor zum Beispiel die Schwerlosigkeit, auf der höher gelegenen Station kommt die Hypoxie (Mangel an Sauerstoff in der Atemluft) dazu.

All diese Daten zu erheben, erfordert von den Teilnehmern eine Menge Disziplin. Jeder von uns ist bei diesen Untersuchungen freiwillig mit dabei, man kann jederzeit ohne Angabe von Gründen von der Studie zurücktreten, so wie das in der Regel bei allen medizinischen Probanden-Studien der Fall ist. Einmal im Monat durchläuft jeder Üwi an drei Tagen eine Art Studienprogramm, welches unter anderem eine Blutentnahme und einen Sammelurin über 24 Stunden beinhaltet. Das heißt, jeder muss seinen Urin 24 Stunden lang in einer  Box sammeln, um die entsprechende Probe nehmen zu können. Zusätzlich werden mithilfe von kleinen Geräten, welche teilweise in der Nacht, teilweise über 36 Stunden hinweg am Körper getragen werden, die oben genannten Parameter wie Schlafqualität, Energieumsatz etc.  erfasst. Jeder Teilnehmer führt einmal im Monat eine Art Konzentrationstest am Computer durch, welcher Rückschlüsse auf die kognitiven Funktionen ziehen lässt.


 

Die CHOICE-Studienteilnehmer (†Üwis 2013) gemeinsam mit Alexander Chokér von der LMU München und AWI-Stationskoordinator Eberhard Kohlberg. Foto: Barbara Fiedel, Alfred-Wegener-Institut

Die Blutproben für die hormonellen und enzymatischen Untersuchungen sowie für die zahlreichen  Tests des Immunsystems müssen von mir verarbeitet und in eine transportfähige Form gebracht werden. Dazu muss ich sie durch zentrifugieren, alliquotieren und zugeben verschiedener Antigen-Substanzen circa drei Tage lang  bearbeiten und bebrüten (im Wärmeschrank). Dann werden alle Speichel-, Blut- und Urinproben bei  minus 20 Grad Celisus gefroren gelagert, bis sie im nächsten Sommer streng gekühlt und gehütet an die jeweiligen Institute zur Auswertung verteilt werden.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die diesjährige Üwi-Truppe, dass bisher alle bereit sind, einen nicht immer unerheblichen Einsatz zur Erfassung all dieser Daten zu leisten.

Viele Grüsse aus dem Hospital auf Neumayer

Barbara 


 

15. Februar 2013: Beobachtung der oberen Atmosphäre

Das Spurenstoff-Observatorium ("Spuso") ist 1,5 Kilometer von der Neumayer Station entfernt. Das Bild wurde kurz nach der ersten Messung einige Minuten vor Sonnenaufgang aufgenommen. Foto: 13. Februar 2013 um 03:00 Uhr UTC, Kathrin Hšöppner, Alfred-Wegener-Institut

Das GRIPS 15 Instrument steht am Fenster in der Spuso mit Blick Richtung Norden. Foto: 13. Februar 2013, Kathrin Höšppner, Alfred-Wegener-Institut

Die Airglow-Schicht, aufgenommen mit einer NIR-Kamera von Bord des Satelliten Clementine (Falschfarbenbild; US Department of Defence, Ballistic Missile Defence Organisation). Die hellen FläŠchen auf der ErdoberflŠäche zeigen verschiedene StäŠdte (Quelle: www.solarviews.com/cap/earth/earthlim.htm

Erstes gemessenes OH Airglow-Spektrum (im Original), aufgezeichnet am 13. Februar 2013 um 00:36 Uhr UTC, Foto: Kathrin Hšöppner, Alfred-Wegener-Institut

Geographische Verteilung der 55 NDMC-Messstationen weltweit, inklusive der Neumayer Station (siehe wdc.dlr.de/ndmc)

Während der Sommerkampagne 2012/2013 haben die Wissenschafter der Luftchemie im Spurenstoff-Observatorium (kurz: ‚Spuso’, Bild 1) der Neumayer Station – auf Initiative von Kathrin Höppner, Mitglied des Überwinterer-Teams 2012 – ein neues Messinstrument namens GRIPS 15 (Ground-based Infrared P-branch Spectrometer) installiert (Bild 2). Es handelt sich hierbei um ein Infrarot-Spektrometer, das auf Langzeitmessungen ausgerichtet ist und die Temperatur in der oberen Atmosphäre bei circa 87 Kilometer Höhe vermisst. In diesem Höhenbereich befindet sich die Schicht des atmosphärischen Luftleuchtens, die so genannte Airglow-Schicht (Bild 3).

Es wird dabei der Umstand ausgenutzt, dass in diesem Höhenbereich eine Schicht von angeregten Hydroxyl (OH)-Molekülen existiert, die etwa 8 Kilometer dick ist und ihren Schwerpunkt bei etwa 87 Kilometer hat. Die photochemische Anregung der OH-Moleküle erfolgt bei der Bildung durch die exotherme Reaktion von Ozon und atomarem Wasserstoff. Anschließend senden diese Moleküle im nahen infraroten Wellenlängenbereich Strahlung aus, die von dem in der Spuso aufgestellten GRIPS 15 gemessen werden kann. Über eine geeignete Verhältnisbildung der Strahlungsintensitäten der vermessenen OH-Emissionslinien kann mit guter Genauigkeit auf die Temperatur in diesem Höhenbereich geschlossen werden. Die Daten werden schließlich im Weltdatenzentrum für Fernerkundung der Atmosphäre (WDC-RSAT; http://wdc.dlr.de) archiviert und über die Webseiten des Messnetzes NDMC (Network for the Detection of Mesopause Change; http://wdc.dlr.de/ndmc) zur Verfügung gestellt.

Nach ersten Test- und Kalibrationsmessungen wurden am 13. Februar 2013 während der ersten dunklen Stunden auf Neumayer die ersten Messungen erfolgreich durchgeführt. Das Spektrum zeigt deutlich die gemessenen OH-Linien (Bild 4). Mit der Installation des GRIPS-Gerätes wird die Neumayer Station in das internationale Messnetz NDMC aufgenommen, das nun aus 55 Messstationen weltweit besteht (Bild 5). Vorrangiges Ziel von NDMC ist die frühe Erkennung von Klimasignalen, die in diesem Höhenbereich der Atmosphäre aufgrund der geringen Luftdichte und des sehr effektiven Prozesses der Strahlungskühlung („cooling-to-space effect“) besonders ausgeprägt sein sollten und damit früher statistisch signifikant nachgewiesen werden können. Das GRIPS-Gerät ist darüber hinaus auch für die Untersuchung von atmosphärischen Wellenstrukturen, wie beispielsweise Infraschallwellen, Schwerewellen und planetare Wellen, geeignet.

Der Betrieb von GRIPS 15 wie auch die wissenschaftliche Auswertung der Daten wird im Rahmen einer Kooperation zwischen dem Alfred-Wegener-Institut und dem Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) durchgeführt.

 

Kathrin Höppner

 

Hinweis: Das Spektrum in Bild 4 ist spiegelverkehrt und zeigt den Wellenlängenbereich von 1500 bis 1600 nm.


 

4. Februar 2013: Die versprochenen Fotos

Liebe Blogleser, 

an dieser Stelle möchten wir zwei der versprochenen Fotos von der feierlichen Stationsübergabe nachreichen. 

Beste Grüße

Barbara

 

Die feierliche Stationsübergabe, Foto: Daniel Zitterbarth

Die feierliche Stationsübergabe, Foto: Daniel Zitterbarth


 

31. Januar 2013: Das neue Team übernimmt...

Liebe Blogleser,

Nun sind es schon fast zwei Monate, die wir „Neu-Üwis“ auf Neumayer sind. Da  das Zeitgefühl  jenseits des Südpolarkreises zurück bleibt, bin ich irgendwie hin und her gerissen, ob es erst zwei Monate sind oder ob ich das Gefühl habe, schon ewig hier zu sein….
Wir hatten einen sehr herzlichen Empfang durch die „Alt-Üwis“, als wir etwas gerädert nach langen Flugstrecken und einem aufgrund des Wetters verkürztem Aufenthalt in Kapstadt am 13. Dezember 2012 früh um sieben Uhr auf dem Neumayer Skiway gelandet sind. Die Sonne strahlte vom blauen Himmel, endlich sah man all die Gesichter, die wir nur aus dem Internet kannten,  live und in Farbe. Der erste Begrüßungstrunk wurde an der extra für uns gebauten Schneebar eingenommen und anschließend genossen wir gemeinsam das lang ersehnte Frühstück!
Die ersten Tage und Wochen wurde jeder von uns von seinem Pendent an die Hand genommen und in die jeweiligen Geheimnisse der Observatorien und der Station eingeführt. Nach und nach konnten wir unsere Aufgaben übernehmen, so dass wir uns gewappnet fühlen, diese nun selbstständig durchzuführen. Das ist nun auch nötig, da wir am 21. Januar 2013 die feierliche Stationsübergabe zelebriert haben. Damit sind die „Alt-Üwis“ offiziell von ihrer Verantwortung entbunden, und wir haben die Station übernommen – somit sind wir nun eigentlich keine „Neu-Üwis“ mehr, sondern „Üwis“! Natürlich wird weiterhin zusammengearbeitet, bis unsere Vorgänger in wenigen Tagen  tatsächlich nach langer Zeit die Heimreise antreten dürfen.
Bei der Stationsübergabe, wurde den „Alt-Üwis“ mit einer Überwinterungs-Medaille für ihren engagierten Einsatz auf der Neumayer-Station gedankt, es gab die üblichen offiziellen Reden und am Ende einen „Triko-Tausch“. Es ist Tradition, dass Neu- und Alt-Üwis sich gegenseitig ihre Team-T-Shirts schenken. Anschließend gab es ein lecker Buffet, welches unsere beiden Luxusköche gezaubert haben und wir ließen es uns gemeinsam gut gehen.
Neben der Orientierung über die Stationsaufgaben erkundeten wir natürlich auch unsere Umgebung. Wir machten die ersten Ausflüge in die Atkabucht zu den Pinguinen, zum Nordanleger, als wir alle gemeinsam Polarstern entladen haben, und wir probierten unsere mitgebrachten Langlaufski und den kleinen, im Keller vorhandenen Sportraum. Fotos von vielen dieser Erlebnisse reichen wir in den nächsten Tagen nach.

Soviel erst einmal in Kürze,
Herzliche Grüße von Neumayer ins winterliche Deutschland

Barbara 



 
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Das Überwintererteam 2014

Holger Bauer (Stationsleiter / Arzt)

Markus Bischoff (Betriebsingenieur)

Lothar Brungs (Elektriker)

Dirk Zimmermann (Elektroniker/IT)

Ralf Geisel (Koch)

Kerstin Schmidt(Luftchemikerin)

Elena Stautzebach (Meteorologin)

Daniel Armbruster (Geophysiker)

Johannes Lohse (Geophysiker)