In Eiseskälte - die Drescher-Station in der Antarktis
Riiser-Larsen-Schelfeis, Antarctica
Position: 72° 50' S, 19° 02' W; 28 Meter über dem Meer
Die Forschungsstation wurde nach dem Biologen Dr. Eberhard Drescher (26. 11. 1944 - 26. 6. 1983) benannt. Als einer der ersten Mitarbeiter des Alfred-Wegener-Instituts und als Leiter der Arbeitsgruppe "Marine Warmblüter" widmete er sich vor allem der Ökologie und dem Schutz antarktischer Robben.
Forschung: Die Drescher-Station ist ein mobiles Eiscamp, das nur bei Bedarf errichtet wird. Aus Sicherheitsgründen ist ein Team von mindestens vier Personen notwendig. Die bisher längste Kampagne mit fünf Wissenschaftlern dauerte 53 Tage. Als sicherer Standort für das Camp erwies sich der rückwärtige Bereich eines 25 Kilometer langen und bis zu drei Kilometer breiten Einschnitts im Riiser-Larsen-Schelfeis, das Drescher-Inlet an der Ostküste des Weddellmeeres.
Die Station wird hauptsächlich von den Zoologen genutzt, weil für sie die Arbeitsbedingungen an den nahe gelegenen Kolonien der Weddellrobben und Kaiserpinguine besonders günstig sind. Die Wissenschaftler konzentrieren ihre Untersuchungen auf das Tauchverhalten und die Ernährung beider Tierarten. Seit 1986 wurden sechs Forschungskampagnen im Drescher-Inlet durchgeführt, zuletzt in der Saison 2003/04. In den letzten Jahren hat sich die biologische Forschung im Bereich des Inlets zu einem lohnenden Arbeitsschwerpunkt entwickelt, weil hier die Projekte verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen durch Kombination von Feldstation und Schiffseinsatz synchronisiert werden können. Dies ist ein weltweit einmaliger Ansatz, der auf einer engen Zusammenarbeit von Wissenschaftlern der Sektion "Vergleichende Ökosystemforschung" und der Projektgruppe "Ozeanische Akustik" basiert.
Logistik: Rote Glasfaser-Iglus, auch Tomaten genannt, werden schon während der Anreise an Bord des Forschungsschiffes "Polarstern" komplett montiert, und vom Helikopter mitsamt der Ausrüstung auf das Eis gesetzt, in wenigen Stunden vollständig eingerichtet und am Ende der Forschungskampagne wieder abgebaut.Um starken Schneeverwehungen vorzubeugen, werden die Iglus in Reihe quer zur Hauptwindrichtung aufgestellt.
Die Stationseinrichtungen sind drei Wohniglus, ein Gemeinschaftsiglu mit Küche und Proviant, ein Geräteiglu für Funk und Computer und ein Toilettenzelt. Zur Stromversorgung werden zwei 5kW-Generatoren im Wechselbetrieb eingesetzt. Hauptstromabnehmer sind zwei Schneeschmelzen zur Wassererzeugung, zwei Friteusen zur Zubereitung des Essens und einige Heizlüfter zum Trocknen der Arbeitskleidung und Stiefel. Bei Schneedrift wird mit Gas gekocht und geheizt. Für Arbeiten im Freien werden zwei Schneemobile und Nansen-Schlitten eingesetzt. Abhängig von den Wetterbedingungen werden täglich bis zu 25 Liter Benzin und 1,5 Kilogramm Gas verbraucht. Sämtliche Glas-, Kunststoff-, Blech-, Papier- und Speiseabfälle sind in Kübeln getrennt aufbewahrt und werden zum Schiff zurückgebracht. Mit Ausnahme der ins Schelfeis eingeleiteten Küchenabwässer und Fäkalien bleibt nichts zurück.








