Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ARK-XXV/3, Wochenbericht Nr. 5

Das Magnetometer wird zu Wasser gebracht. (Foto: M. Koch)

Reparatur der Luftpulser-Versorgungsschläuche. (Foto: M. Koch)

Geologische Probennahme an der grönländischen Küste. (Foto: M. Koch)

Reykjavik – Bremerhaven, 30. August - 5. September 2010
 
Planmäßig haben wir am späten Abend des vergangenen Montags das nördliche Ende unseres nach Norden reichenden Profils erreicht. Nachdem wir diese Linie nun zunächst mit Reflexionsseismik und Potentialmethoden vollständig vermessen hatten, wurden auf dieser Linie auf der Fahrt zurück an das südliche Ende insgesamt 28 Ozeanbodenseismometer (OBS) ausgelegt und an ausgewählten Absetzpunkten Wärmestrommessungen vorgenommen. Dieses Profil, das von alter proterozoischer Kruste im Norden bis nahe an die vermutete inaktive Spreadingachse im Zentralteil der Baffin Bay führt, quert mächtige Sedimentschichten, die auf paläozoischer Kruste abgelagert wurden. Wir hoffen, mit den seismischen und potentialgeophysikalischen Daten den Übergangsbereich zwischen kontinentaler Kruste im Norden zu ozeanischer im Süden besser lokalisieren zu können. Hierzu sollen insbesondere tiefen-seismischen Untersuchungen mit OBS beitragen, während die hochauflösende Reflexionsseismik uns Informationen zur Struktur und Ablagerungsgeschichte der überlagernden Sedimente liefern wird. Die Wetterbedingungen waren optimal für unsere Messarbeiten und die Fahrt bis zum nördlichen Ende der Linie wenige Seemeilen vor Northumberland Island führte relativ küstennah entlang von Steensby Land im Nordwesten von Grönland. An der Küste der weit ostwärts reichenden Fjorde befindet sich außer dem US-Luftwaffenstützpunkt Thule Airbase noch die Inuit-Siedlung Qaanaaq am Murchison Sund. In diese nördlichste Siedlung Grönlands wurden die meisten Ureinwohner aus Thule nach dem Bau der Militärbasis im Kalten Krieg  im Jahre 1953 umgesiedelt.

Das gute Wetter und die Nähe zur Küste konnten erneut genutzt werden, um mit Helikopterflügen das geologische Beprobungsprogramm zu vervollständigen. Zu unserer Erleichterung traf am Dienstag die Genehmigung des dänischen Außenministeriums ein, mit der wir nun unser Ergänzungsprogramms in grönländischen Gewässern umsetzen zu können.  Die Hälfte unserer Forschungsfahrt ist bereits um und wir können uns keinen Zeitverlust erlauben, um alle zusätzlich geplanten Arbeiten auch durchführen zu können.

Am Freitag war dann nach knapp zwei Tagen die Aufzeichnung der refraktions-seismischen Daten entlang der 400 km langen N-S Linie abgeschlossen. Eine kurzzeitige Unterbrechung war in der Nacht zu Donnerstag eingetreten, da ein Schleppseil, mit dem unsere seismischen Erreger hinter dem Schiff gezogen werden, einige Schläuche beschädigt hatte, die die Luftpulser mit Druckluft versorgen. Der Schaden wurde durch unsere Techniker aber umgehend repariert und mit nur 2 Stunden Verzug konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Seit Freitagmittag bergen wir nun die ausgesetzten OBS bergen. Dabei wird stets mit Spannung verfolgt, ob die Geräte nach Auslösen der Verankerung auch wie erwartet wieder an die Meeresoberfläche auftauchen. Ganz besonders spannend wurde es, als wir feststellten, dass sich an der Position eines erwarteten Auftauchortes ein größerer Eisberg befand und die Gefahr bestand, dass das OBS beim Auftauchen unter dem Eisberg hängen bleibt. Sorgfältige Berechnungen berechtigten dann aber zu der Hoffnung, dass das Gerät dicht neben dem Eisberg auftauchen wird und tatsächlich wurde das Gerät dann auch in 50 m Abstand von dem Eisberg geborgen.

Alle Kollegen grüßen bei bester Stimmung vom heutigen Bergfest nach Hause

Volkmar Damm
4. September 2010,  Baffin Bay,  2°C


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite