ARK-XXV/3, Wochenbericht Nr. 7
Reykjavik – Bremerhaven, 13. September - 19. September 2010
In der ersten Wochenhälfte wurden die am vergangenen Sonntag begonnenen reflexionsseismischen Messungen im Smith Sound fortgesetzt. Auf vorrangig O-W gerichteten Messprofilen wollen wir dabei die Struktur der hier besonders mächtigen Sedimentpakete untersuchen und die Ausdehnung präkanozoischer Becken und proterozoischer Einheiten im Nordteil der Baffin Bay bestimmen. Speziell in den Gebieten mit Wassertiefen von weniger als 500 m sind hier im oberflächennahen Bereich sehr harte Sedimente anzutreffen, offenbar bedingt durch gezeitenabhängige Auflast von Eisbergen im Verlauf der jüngeren Erdgeschichte. Dadurch wird ein Großteil der seismischen Signalenergie schon am Meeresboden reflektiert und die hervorgerufenen Mehrfachreflexionen in den seismischen Messdaten erschweren die Abbildung des tieferen Untergrundes. Die Auswertung dieser seismischen Daten erfordert eine sorgfältige Datenbearbeitung, mit der hier an Bord bereits begonnen wird. Um dabei die Ausbreitungsgeschwindigkeit der seismischen Signale in einzelnen Schichten des Untergrundes besser berücksichtigen zu können, wurden zusätzlich zur Reflexionsseismik auch weitwinkelseismische Registrierungen entlang einzelner Profilabschnitte vorgenommen. Hierfür kamen Sonobojen zum Einsatz, die als Einweginstrumente registrierte Messdaten bis zu 30 km Entfernung per Funk übertragen.
Kurz vor Ende eines der Messprofile vor Cape York befand sich POLARSTERN dann in einer Zone mit zahlreichen Eisbergen. Da die Zahl der Eisberge in Profilrichtung weiter zunahm, hätte eine Weiterfahrt durch das Labyrinth der Eisberge mit dem 3900 m langen seismischen Streamer eine Gefährdung des wissenschaftlichen Geräts zur Folge gehabt. Der geplante Profilwechsel wurde deshalb vorgezogen und mit großer Routine und ohne dass die Außenbordsysteme mit den umliegenden Eisbergen unterschiedlicher Größe kollidierten, steuerte die Schiffsführung die POLARSTERN auf neuen Kurs.
Die neu gewonnen seismischen Messdaten im Smith Sound schließen direkt an das Profilnetz der BGR-Forschungsfahrt von 2001 an und liefern somit eine erweiterte Datenbasis für die Kartierung der Sedimentbecken und das Verständnis der tektonischen Prozesse, die zu ihrer Bildung führten.
Neben den marin geophysikalischen Arbeiten konnten in der vergangenen Woche auch zahlreiche aeromagnetische Messflüge durchgeführt werden. Dank häufig günstiger Flugbedingungen waren bis zu drei Helikoptereinsätze pro Tag möglich. Zusätzlich zu den marin magnetischen Messdaten liegen damit aeromagnetische Daten vor, die das Untersuchungsgebiet auf der grönländischen Seite der nördlichen Baffin Bay im Linienabstand von 12 km zu weiten Teilen abdecken. Die Daten werden genutzt, um die Beschaffenheit der Kruste unterhalb der Sedimentbecken zu charakterisieren und mögliche ozeanische Kruste zu identifizieren.
Gegenwärtig werden wieder Ozeanbodenseismometer für unsere letzten beiden refraktionsseismischen Profile ausgelegt, die POLARSTERN von der aktuellen Position noch 150 sm weiter nach Süden bis auf 71°30’N führen wird. An Bord sind bei merklich gestiegenen Temperaturen alle wohlauf und grüßen in die Heimat.
Volkmar Damm
19. September 2010, Baffin Bay, 5°C





