ARK-XXV/3, Wochenbericht Nr. 6
Reykjavik – Bremerhaven, 6. September – 12. September 2010
In dieser Woche bildeten seismische Messungen im Kane Basin den Schwerpunkt der Arbeiten. Doch bevor POLARSTERN die Fahrt nach Norden antreten konnte, waren alle Ozeanbodenseismometer (OBS) entlang des zweiten, ca. 400 km langen in N-S-Richtung verlaufenden refraktionsseismischen Profils wieder einzusammeln. Bei mäßigem Seegang verlief die Anbordnahme der Geräte zügig und routiniert. Eine erste Begutachtung der OBS-Daten hat ergeben, dass der störende Einfluss durch die zeitgleichen seismischen Arbeiten des Explorationsschiffes BERGEN SURVEYOR in der nahe gelegenen Melville Bay erfreulicherweise geringer war, als zunächst befürchtet. Die Arbeiten auf diesem zweiten refraktionsseismischen Profil sind somit erfolgreich abgeschlossen. Parallel zur Aufnahme der OBS wurden an 11 ausgewählten Lokationen mit dem Schwerelot Sedimentproben für geochemische Untersuchungen und mikrobiologische Analysen gezogen. Mit dem nunmehr bereits umfangreich vorhandenen Probematerial werden geochemische Parameter bestimmt, die in die Modellierung der Sedimentbeckenentwicklung einfließen werden. Die Proben werden auch Auskunft über mikrobielle Zersetzungsprozesse in der nördlichen Baffin Bay geben. Geomikrobiologische Untersuchungen von Mikroorganismen, die auch am Abbau von Kohlenwasserstoffen beteiligt sind, wurden bislang in den arktischen Randmeeren nur sehr vereinzelt durchgeführt und es ist noch weitgehend unbekannt, welche Arten hier anzutreffen sind und unter welchen Bedingungen sich der Prozess des mikrobiellen Abbaus von Kohlenwasserstoffen in polaren Regionen vollzieht. Das aus den Kernen entnommenen Probematerial wird an Bord aufbereitet und für die nachfolgenden Analysen in heimischen Labors konserviert.
In der zweiten Wochenhälfte nahm POLARSTERN mit einem reflexionsseismischen Profil entlang der maritimen Grenze zu Kanada Kurs nach Norden. Ein Tiefdruckgebiet mit starken nördlichen Winden und Wellenhöhen von 4 m beendete die lang anhaltende Schönwetterperiode der vergangenen zwei Wochen. Erst mit Erreichen des Smith Sounds beruhigte sich die See. Die Eisprognosen für das Kane Basin ließen ausreichende gute Bedingungen für die Durchführung reflexionsseismischer Messungen in diesem Gebiet erwarten. Mit zwei MCS Profilen war geplant, erstmals seismische Messdaten im Kane Basin zu akquirieren und so die Datengrundlage für die Analyse vermuteter Transformstörungen und Beckenstrukturen zwischen Baffin Bay und Lincoln See zu erweitern. Bei 3/10 bis 5/10 Eisbedeckung und zahlreichen Eisbergen kam ein verkürzter Steamer mit 60 Kanälen zum Einsatz. Am 10.9. abends erreichte POLARSTERN bei 80°09’N den nördlichsten Punkt des aktuellen Fahrtabschnitts. Nach Abschluss der reflexionsseismischen Arbeiten im Kane Basin und geologischer Probenahme einzelner Küstenabschnitte auf der Fahrt nach Süden werden die reflexionsseismischen Messungen im Smith Sound ab Sonntagmorgen mit 3900 m Streamerauslage fortgesetzt. Diese Messdaten schließen dann eine noch bestehende Datenlücke zwischen den 2001 akquirierten Messlinien in der Nares Strait und unserem aktuellen Untersuchungsgebiet in der nördlichen Baffin Bay.
Nach wie vor sind alle Kollegen wohlauf und grüßen nach Hause
Volkmar Damm
12. September 2010, Smith Sound, -5°C





