ARK-XXV/2
Wochenbericht Nr. 1, 30. Juni - 7. Juli 2010

Abb. 1: CTD/Rosette mit geöffneten Wasserschöpfern klar zum Einsatz.

Abb. 2: Auftriebskugeln sorgen dafür, dass die Verankerungskette senkrecht in der Wassersäule steht.

Abb. 3: Ausbringung eines autonomen Unterwasserfahrzeugs (AUV - Autonomous Underwater Vehicle). (alle Fotos: T. Soltwedel)
Am frühen Nachmittag des 30. Juni trafen wir, 50 Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Studenten aus sechs Nationen, bei strahlendem Sonnenschein in Longyearbyen (Svalbard) ein, um an Bord des Forschungseisbrechers „Polarstern“ den zweiten Fahrtabschnitt der 25. Arktisexpedition anzutreten. Eine kurze Überfahrt mit dem Schlauchboot brachte uns zum Schiff, dass im Advent Fjord auf Reede lag. Nachdem die Vollständigkeit der Besatzung, des Gepäcks und der Fracht festgestellt wurde, verließ „Polarstern“ ihren Liegeplatz für eine weitere, 4-wöchige Forschungsfahrt, die uns in die Framstraße und die östliche Grönlandsee führen wird.
Die Expedition wird zwei regionale Schwerpunkte mit verschiedenen wissenschaftlichen Fragestellungen haben: Zum einen soll eine große Zahl von Stationen entlang des 79. Breitengrades beprobt werden, um den Wassermassen- und Wärmeaustausch zwischen dem Nordatlantik und dem arktischen Ozean zu untersuchen. Zum anderen werden wir ein weiteres Mal unseren HAUSGARTEN aufsuchen, ein Tiefsee-Observatorium in dem wir, in einem multidisziplinären Ansatz, den Einfluss globaler klimatischer Veränderungen auf ein marines Ökosystem studieren.
Die ozeanographischen Arbeiten sind in das EU-Projekt ACOBAR (Acoustic technology for observing the interior of the Arctic Ocean) eingebettet. Im Bereich des HAUSGARTENs sind Probennahmen und in-situ-Experimente geplant, die Beiträge zu verschiedenen EU-Projekten leisten (ESONET, HERMIONE, HYPOX). Darüber hinaus tragen beide Arbeiten auch zu dem Anfang 2009 begonnenen Forschungsprogramm PACES (Polar regions and coasts in the changing Earth system) des AWI bei. Klimabedingte Veränderungen der Plankton-Zusammensetzung in der Framstraße werden durch die neu am AWI etablierte Arbeitsgruppe PEBCAO (Phytoplankton Ecology and Biogeochemistry in the Changing Arctic Ocean) untersucht. Eine belgische Arbeitsgruppe komplettiert unsere Arbeiten mit Vogel- und Walbeobachtungen, die bereits auf dem vorhergehenden Fahrtabschnitt begonnen wurden.
Unmittelbar nach dem Auslaufen wurde bereits mit der Einrichtung der Labore und dem Aufbau unterschiedlichster Mess-, Registrier- und Probennahmegeräte begonnen. Wir mussten uns mächtig sputen, denn die erste Station unserer Reise war bereits für die kommende Nacht geplant. Um 3:00 Uhr morgens erreichten wir die erste Position, an der hydrographische Untersuchungen mit einer CTD/Rosette durchgeführt wurden. Dieses Gerät kombiniert eine Reihe physikalischer und chemischer Sensoren mit einem Kranz aus Wasserprobennehmern. Die CTD/Rosette wird an einem Kabel bis kurz über den Meeresboden herabgelassen und sammelt Wasserproben aus unterschiedlichen Tiefen über Grund, die anschließend auf verschiedene Parameter untersucht werden.
Nach dem Frühstück am 1. Juli wurde die erste Verankerung, die während der letztjährigen „Polarstern“-Reise auf dem ozeanographischen Schnitt bei 79°N ausgebracht wurde, wieder aufgenommen. Eine solche Verankerung besteht aus einem Grundgewicht und einem bis zu mehrere Kilometer langen, extrem stabilen Kevlar-Seil. Luftgefüllte Auftriebskörper sorgen dafür, dass diese Seile weitgehend senkrecht in der Wassersäule stehen. Jede Verankerung trägt in unterschiedlichen Wassertiefen eine variierende Anzahl von Mess- und Registriergeräten, z.B. Strömungsmesser, Temperatur- und Salzgehaltsmesser und Modems für die akustische Unterwasserkommunikation.
Der wiederholte Einsatz der CTD/Rosette und das Aufnehmen bzw. Ausbringen von Verankerungen prägten die Arbeiten während der ersten Woche unserer Reise. Da der Austausch von Verankerungen eine erhöhte Mannschaftsstärke auf dem Arbeitsdeck erfordert, wurden diese Arbeiten vorzugsweise am Tag durchgeführt, während die CTD/Rosette in erster Linie in den (dank des hohen Breitengrades, in dem wir uns zur Zeit befinden) gleichermaßen hellen Nachtstunden zum Einsatz kam. Gegen Ende der ersten Arbeitswoche haben wir bereits sechs Verankerungen ausgetauscht und 28 CTD-Einsätze in Wassertiefen zwischen 300 und 2700 m durchgeführt – getragen vom guten Wetter sind wir erfreulicherweise sehr schnell mit unseren Arbeiten voran gekommen.
Der gleichmäßige Rhythmus unserer hydrographischen Arbeiten wurde nur gelegentlich durch den sporadischen Einsatz von Planktonnetzen und phyto-optischen Messgeräten sowie einigen Gerätetests unterbrochen. So wurde ein autonomes Unterwasserfahrzeug (Autonomous Underwater Vehicle, AUV) zunächst an einem Kabel auf Tiefe gebracht, um eine neue Steuer-Software, die Unterwasserkommunikation und verschiedene Mess- und Probennahmegeräte zu testen. Die erste Mission unseres AUV ist für den Beginn der zweiten Woche vorgesehen.
Im nächsten Wochenbericht werden wir ausführlich über die multidisziplinären Arbeiten an unserem Tiefsee-Langzeitobservatorium HAUSGARTEN berichten.
Mit den besten Grüßen von den Expeditionsteilnehmern,
Thomas Soltwedel


