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ARK-XXV/2

Wochenbericht Nr. 4, 22. Juli - 29. Juli 2010


 

Papageientaucher vor der Küste Islands. (Foto: T. Soltwedel, AWI)

Aussetzen des autonomen Unterwasserfahrzeugs. (Foto: M. Ginzburg)

In der vergangenen Woche wurden die ozeanographischen Arbeiten und planktologischen Untersuchungen entlang des 79. Breitengrades fortgesetzt. Westlich von 3°W wurden wir von großen Treibeisfeldern eingeschlossen, bei 12°30’W verhinderte das geschlossene Eisfeld vor der grönländischen Küste ein weiteres Vordringen unseres Schiffes und markierte gleichzeitig das Ende der Forschungsaktivitäten auf dieser Expedition. Stetige Begleiter auf unserer Reise waren Seevögel und marine Säugetiere, wie Robben und Wale, die von einer belgischen Arbeitsgruppe an Bord „auf Schritt und Tritt“ beobachtet wurden.

Die räumliche Verteilung der Seevögel und Meeressäuger im Untersuchungsgebiet spiegelt das Nahrungsvorkommen und die Qualität dieser Nahrung wider. Die seit nunmehr über 30 Jahren durchgeführten Untersuchungen unser belgischen Kollegen weisen deutlich auf einen direkten Zusammenhang zwischen der Zahl und Vielfalt der Vögel, Robben und Wale mit bestimmten Wassermassen des Arktischen Ozeans hin.

Eine der interessantesten Entdeckungen dieser Langzeitbeobachtungen ist das seit 2005 sprunghaft angestiegene Auftreten von Walen in der Grönlandsee und der Norwegischen See. Möglicherweise führt der fortwährende Rückgang des Meereises und die zeitweise Öffnung der Nordwest- und Nordost-Passage in den Sommermonaten zu einer Einwanderung nord-pazifischer Populationen und damit zu einem Anstieg der vormals sehr stark reduzierten Gemeinschaft des nordöstlichen Atlantiks. Leider wurde die „Volkszählung der etwas anderen Art“ während dieser Expedition durch den dichten Nebel, der uns über weite Strecken dieser Reise begleitet hat, stark beeinträchtigt.

Das „Highlight“ der vergangenen Woche war zweifellos der erste Untereis-Tauchgang unseres autonomen Unterwasserfahrzeugs (Autonomous Underwater Vehicle, AUV). Die äußeren Bedingungen waren perfekt. Der Nebel lichtete sich vorübergehend, die See war ruhig. Polarstern lag in einer großen eisfreien Fläche, vor uns die Eiskante eines riesigen Treibeisfeldes. Nach Abschätzung der vorherrschenden Driftgeschwindigkeit und Driftrichtung des Meereises, wurde das AUV programmiert entlang eines Transekts etwa einen Kilometer vor und einen weiteren Kilometer unter dem Eis zu tauchen, um anschließend an die Aussetzposition zurückzukehren. Der gesamte Tauchgang sollte etwa 50 Minuten dauern.

Als das Fahrzeug nach einer Stunde immer noch nicht an der vermuteten Position vor der Eiskante gesichtet wurde, kam langsam Unruhe auf. Eine Überprüfung mit dem Satellitenortungssystem GPS ergab, dass sich das Eisfeld unerwartet schnell in Bewegung gesetzt und einige Meter über die Auftauchposition geschoben hatte – und damit begann die berühmte Suche nach der „Nadel im Heuhaufen“. Ein Schlauchboot wurde ausgesetzt, um entlang der Eiskante nach dem Fahrzeug Ausschau zu halten. Nach bangen Minuten des Wartens endlich die erlösende Meldung: Das AUV wurde in einer kleinen Lücke zwischen einzelnen Eisschollen gesichtet!


 

Bergung des autonomen Unterwasserfahrzeugs mit dem Hubschrauber aus dem Treibeis. (Foto: M. Jacob)

Doch damit war die Sache leider noch nicht ausgestanden. Polarstern konnte nicht an das Tauchfahrzeug heranfahren, ohne die Eisschollen zusammenzudrücken. Das AUV wäre dabei sicherlich zu Schaden gekommen. Einzige Alternative: Der Luftweg. Und so wurde unser Tauchboot schließlich in einer beherzten und außerordentlich professionellen Aktion mit dem Helikopter unbeschadet aus dem Eis geborgen – nach dem ersten Untereis-Einsatz, der erste Flug für unser Tauchfahrzeug. Die Wiedersehensfreude war riesengroß und steigerte sich noch einmal, als klar wurde, dass alle Messinstrumente und Probennehmer des AUV einwandfrei gearbeitet haben. Von diesem Einsatz werden wir wohl noch lange erzählen....

Dieses war der vierte und letzte Wochenbericht einer sehr interessanten und überaus erfolgreichen Expedition, die uns über unseren HAUSGARTEN und den ozeanographischen Transekt bei 79° nördlicher Breite einmal quer über die Framstraße führte. Unmengen physikalischer, geochemischer und biologischer Daten wurden gewonnen, die uns helfen werden, die Auswirkungen des weltweiten Klimawandels auf das arktische Ökosystem besser verstehen zu können. Im Namen aller Expeditionsteilnehmer bedanke ich mich bei Kapitän Schwarze und seiner Mannschaft für ihre Gastfreundschaft, die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die großartige Atmosphäre an Bord. Der Polarstern-Besatzung und dem HeliService-Team gilt unser tief empfundener Dank für die hervorragende Unterstützung die wir auf dieser Reise erfahren haben.

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit der Familie, den Freunden und Bekannten und hoffen auf etwas „sommerliche Rest-Wärme“ nach unserer Rückkehr.

Mit den besten Grüßen von Bord,

Thomas Soltwedel


 
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