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ARK-XXV/1

Wochenbericht Nr. 3 – Von der Grönlandsee nach Spitzbergen


 

Vorbereitung des Sea-Glider Einsatzes. (Foto: A. Theis)

Das neue Labor-Salinometer, erstmals an Bord von Polarstern. (Foto: A. Wisotzki)

Abschließendes Kostümfest - hier eine Verkleidung als ADCP-Verankerung. (Foto: O. Zenk)

In der vergangenen Woche arbeiteten wir uns unter teilweise äußerst ungünstigen Bedingungen vom Zentrum des Grönlandseebeckens bis zum östlichsten Punkt unserer Expedition, der Bäreninsel, voran, um von dort aus unseren Endpunkt des Fahrtabschnitts, Longyearbyen auf Spitzbergen, anzulaufen. Doch der zeitlichen Reihenfolge nach:

Nach der plangemäßen Bergung der Verankerungen in der Grönlandsee stand noch eine weitere Verankerungs-Bergung an, die jedoch so nicht geplant war: Eine Verankerung aus der Framstraße (79°N) hatte sich losgerissen und driftete nach Süden. Der Positionssender war intakt, so dass die Position in etwa bekannt war. Da diese mittlerweile nur etwa 60 nautische Meilen von unserem Arbeitsgebiet entfernt war, musste natürlich ein Versuch unternommen werden, sie zu bergen. Der übliche Sommernebel erschwerte zunächst die Suche deutlich, doch dank funkendem Peilsender und schließlich einer Suche per Helikopter konnte die Verankerung gefunden und an Bord geholt werden. Die Enttäuschung war nicht gering, dass außer der sendenden Topeinheit leider nichts geblieben war. Um den ‚Ausflug’ nach Norden konstruktiv zu nutzen, fuhren wir mit sich als ausgesprochen nützlich erweisenden Stationen zurück zu dessen Ausgangspunkt.

Der Testbetrieb eines ‚Sea-Gliders’ stand noch immer auf der Agenda der Expedition. Bereits zweimal musste er verschoben werden, da jedes mal hoher Seegang und erhebliche Windstärken den Test verunmöglichten: Man muss die Glider per Schlauchboot aussetzen und wieder bergen. Die Glider sind sozusagen ‚Segelflugzeuge’ im Wasser, die sich antriebslos programmiert auf vorbestimmten Bahnen bewegen. Dabei messen sie natürlich die verschiedensten physikalischen, optischen und chemischen Parameter im Ozean. Im Unterschied zum Segler in der Luft können die Sea-Glider jedoch sowohl abwärts als auch aufwärts gleiten, indem sie einmal schwerer, im Anschluss aber leichter als das Meerwasser gemacht werden. Sie können bis 1000 m Wassertiefe ‚segeln’. Nach dem vorgesehenen Halbtageseinsatz war noch nicht alles zur vollständigen Perfektion getestet, sodass wir noch eine zusätzliche Nacht dafür reservierten. Durch unsere damit verbunden größer werdende Entfernung von der Glider-Position wurde schnell eine Dampfstrecke von mehreren Stunden Dauer verursacht – so wird aus einem Unternehmen, welches ‚praktisch keine Zeit kostet’ auch einmal ein Halbtagesgeschäft. Ohne Test geht es aber nicht, und die Bergung war durch die bekannte metergenaue GPS-Position des Gliders trotz des wieder sehr dichten Nebels überhaupt kein Problem, auch wenn das manchen Seemann, der ohne GPS aufgewachsen ist, wundert.

Ein noch jüngeres Gerät, als es der Sea-Glider ist, hatten wir auch an Bord, wenn es auch im Schiffsbetrieb kaum sichtbar ward: Ein neu entwickeltes Labor-Salinometer zur präzisen Referenzmessung der Salzgehalte von Wasserproben aus dem Ozean, das seinen ersten Schiffseinsatz hatte. Bisherige Geräte benötigen zwingend genau klimatisierte Räume, wie sie auf Schiffen selten anzutreffen sind. Das neue Gerät bewährte sich bestens und erbrachte in zugiger, nichtklimatisierter Umgebung, die wir vorsätzlich herstellten, Messgenauigkeiten, die eine Größenordnung besser sind als bisher möglich. Das ist schon eine kleine Sensation für die physikalische Ozeanographie.

Der weitere Weg nach Osten wurde uns dann durch einen Sturm mit Windstärke 9 schwer gemacht. Die biologischen Untersuchungen mit Netzfängen kleiner Tiere, die in Tiefen bis 1000 m stattfanden, waren währenddessen gänzlich unmöglich. Auch die optischen Messungen in der Wassersäule (‚Wie tief dringt welcher Teil des Lichtspektrums in die Wassersäule ein?’) mussten unterbleiben. Das Vorankommen beschränkte sich auf 2 bis 3 Knoten. Zum Glück dauerte die Extremphase dieses Wetters, wie vom Meteorologen exakt prognostiziert, lediglich einen halben Tag, sodass wir doch alle für die Expedition vorgesehenen Stationen gerade noch abarbeiten konnten.

Beim Anlaufen von Spitzbergen dann noch eine letzte Überraschung: Vor dem Südkap der Insel bis zum Hornsund begegnete uns ein größeres Eisfeld, was im warmen Wasser des dortigen ‚Golfstromausläufers’ nicht zu erwarten war. Es kam mit den Starkwinden der vergangenen Tage aus den Gebieten östlich Spitzbergens herübergedriftet, und stellte, da es recht deutlich im Schmelzprozess begriffen war, kein ernstes Hindernis dar. Gleichwohl konnte es nicht mit voller Geschwindigkeit passiert werden, so dass unsere kleine Zeitreserve für die Dampfstrecke vollständig verbraucht wurde. Pünktlich um 8 Uhr am 30.6.2010 lagen wir dann glücklich vor Longyearbyen, alle Forschungsziele erreicht, und auch der Wettergott hatte ein Einsehen und lichtete den Nebel für diesen Tag, der uns die Gletscher und Gipfel Spitzbergens im schönsten – und intensiven – Sonnenschein in Erinnerung behalten lässt.

Beste Grüße soeben noch von Bord,
G. Budéus, Fahrtleitung ARK-XXV/1
30. Juni 2010


 
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