Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ARK-XXIV/3, Wochenbericht Nr. 7

Die Opfer vor der Nordpolartaufe (Foto: M. Fröb)

Neptun und sein Gefolge (Foto: M. Fröb)

Verschneite Küste im Kong Oscar Fjord (Foto: Martin Fröb)

Besuch von Neptun


FS „POLARSTERN“ ARK-XXIV/3
Reykjavik – Bremerhaven
Wochenbericht Nr. 7, 14.09. bis 20.09.2009


Die letzte Woche im Messgebiet gestaltete sich noch einmal sehr ereignisreich. Zunächst mussten wir am Montag ein seismisches Profil wegen Sturm abbrechen. Unser Gerät wurde zu stark in Mitleidenschaft gezogen. Damit musste das in der vergangenen Woche geplante Programm erneut abgeändert werden. Wir versetzten das Schiff in den Kong Oscar Fjord, um ein letztes, langes seismisches Profil bis zum mittelozeanischen Kolbeinsey-Rücken zu vermessen. Zu unserer Überraschung bot die Küste von Ostgrönland uns ein vollkommen anderes Bild. Der Sturm vom Montag hatte sehr viel Schnee gebracht. Alles sah jetzt recht winterlich aus.

Unseren Aufenthalt im Fjord nutzten Neptun und sein Anhang am 16. September, um das Schiff zu besuchen und die traditionelle Reinigung (Nordpolartaufe) vorzunehmen. Alle nicht getauften Mitglieder der Besatzung und der Wissenschaft wurden eingehend gewaschen und damit in das Reich Neptuns aufgenommen. Gefeiert wurde sein Besuch mit einer traditionellen Grillparty am Abend.

Zurück zum wissenschaftlichen Programm! Einen Tag später mussten die seismischen Arbeiten erneut wegen technischer Probleme abgebrochen werden. Der Schaden an unserem Messkabel war mit Bordmitteln nicht zu beheben. Mit Wärmeflussmessungen entlang des Profils setzten wir unser Programm fort. Diese Werte gaben einen Hinweis auf die Temperaturen des oberen Erdmantels. Schon die ersten Messungen zeigten, dass der Wärmefluss in dieser Region verglichen mit globalen Beobachtungen viel zu hoch war. Die neuen Daten werden hoffentlich einige neue interessante Interpretationen ermöglichen, wenn diese in Bremerhaven analysiert worden sind.

Das Fazit dieser Reise ist überwiegend positiv. Während die Geologen, Geodäten, Biologen, Chemiker und Physiker durchweg eine gute Bilanz ziehen können, ist dies bei den Geophysikern eher gemischt. Zusätzlich zu technischen Problemen waren die Eisbedingungen in diesem Jahr vor Ostgrönland so schlecht, dass die eigentlichen wissenschaftlichen Ziele nicht vollständig erreicht werden konnten. Obwohl das Packeis nördlich 75°N Breite locker verteilt war, war das Meer in unserer Zielregion überwiegend zu mehr als 50% von Eisschollen bedeckt. Damit konnte unser 3000 m langes Messkabel nicht mehr sicher hinter dem Schiff geschleppt bzw. eingesetzt werden. Dieser ganze Programmteil wurde daher bis auf wenige Messungen gestrichen. Die anderen Experimente zum Wärmefluss und der Krustenmächtigkeit verliefen dagegen sehr erfolgreich, da sie an die Eisbedingungen angepasst werden konnten. Die Geophysiker haben einfach das falsche „Eisjahr“ erwischt, um auf dem Ostgrönlandschelf nördlich 75°N optimal arbeiten zu können. Dies gehört leider zu den Risiken, die man in dieser Region eingehen muss, da die Eisbedingungen nicht vorherzusagen sind.

Zu Beginn der nächsten Woche werden die wissenschaftlichen Arbeiten abgeschlossen. Nun beginnt die Rückfahrt nach Bremerhaven. Die Messgeräte werden abgebaut, die Labors gereinigt und die Geräte in die Container verstaut. Parallel laufen alle Vorbereitungen, um das Schiff effizient in Bremerhaven zu entladen und die Werftzeit vorzubereiten. Daher ist dies der letzte Wochenbericht. Das Schiff wird am Freitag, den 25. September 2009 um 07:00 in Bremerhaven anlegen.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause!

Wilfried Jokat
20. September 2009, nördl. Island
+1°C          72°11’N  014°40’W


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite