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ARK-XXIV/3, 2. Wochenbericht

Abbau einer seismischen Registrierstation südlich von Mestersvig. Foto: Felicia Winter, Alfred-Wegener-Institut

Abbau einer seismischen Registrierstation südlich von Mestersvig. Foto: Felicia Winter, Alfred-Wegener-Institut

Seismik vor Ostgrönland


FS „POLARSTERN“ ARK-XXIV/3
Reykjavik – Bremerhaven
Wochenbericht Nr. 2, 10.08. bis 16.08.2009


Diese Woche gestaltete sich als sehr abwechslungsreich. Zu Beginn der Woche setzten wir am Montag noch die letzten Geräte im Kong-Oscar-Fjord aus. Sie sollten die akustische Energie aufzeichnen, die wir mit den Luftpulsern auf Polarstern erzeugen. Dass wir in dieser entlegenen Region nicht unbeobachtet waren, erfuhren wir eher zufällig. Einer unserer Helikopter wurde beim Aufbauen einer Landstation von einer Nebelbank eingeschlossen und konnte nicht starten. Vom Schiff aus war deutlich zu erkennen, dass der Nebel in Kürze verschwunden sein würde. Der Funkkontakt war aber mit dem Helikopter zu schlecht, um dies dem Piloten ohne Probleme mitzuteilen. Mitten in das Gespräch schaltete sich plötzlich ein Linienflugzeug der „Air Berlin“ ein. Sie waren auf dem Flug nach Nordamerika, sahen aus wahrscheinlich mehreren Kilometern Höhe unser Schiff und hörten unseren Funkverkehr mit. Sie konnten den Helikopter klar und deutlich hören und übermittelten die Wetterinformation schnell und unbürokratisch. Anschließend begannen wir die seismische Vermessung des ca. 460 km langen Profils. Während das Schiff konstant mit ca. 9 km/Std fuhr, wurden die geschleppten Luftpulser exakt alle 60 Sekunden gezündet und setzten damit akustische Energie ins Wasser frei, die von unseren Geräten bis zu 200 km Entfernung registriert wurden. Nach zwei Tagen wurden die Messungen ohne größere Probleme beendet. Bis Samstagmorgen waren wir damit beschäftigt, die Ozeanbodenseismometer bzw. Landstationen wieder zu bergen und deren Festplatten auszulesen, um an die gewünschten Daten zu gelangen.

Am 15. August, mittags, lag das Schiff wieder vor Mestersvig, um die Geologengruppe an Bord zurückzuholen. Mestersvig besteht nur aus wenigen Gebäuden und einer Landepiste. Es ist ein militärischer Stützpunkt der Dänen. Im Winter bleiben für die Betreuung der Stationen nur zwei Personen. Im Sommer hingegen werden über diese Station Touristen und Wissenschaftler eingeflogen. Eine lokale Polizeistation, bestehend aus drei Personen, kontrolliert die Aktivitäten in dieser Region. Es wird dokumentiert, wer wann in die Fjordregion einfährt und, ob die Schiffe/Personen eine entsprechende Genehmigung für den Aufenthalt in diesem Teil des größten Naturschutzreservats der Welt (Nordost-Grönland-Nationalpark) haben. Der Nationalpark entlang der ostgrönländischen Küste nördlich 72°N ist mit ca. 970.000 km2 fast dreimal so groß wie die Bundesrepublik und beherbergt dauerhaft weniger als 100 Menschen, die in den verschiedenen Forschungsstationen (6) leben. Nach eigenen Aussagen entdeckten die Polizisten unser Schiff eher zufällig. Sie waren auf dem Weg zum Fischen in einem der Fjorde. Sie baten, an Bord zu kommen, um unsere Forschungslizenzen zu prüfen. Nach etwa einer Stunde war alles erledigt. Eine sehr angenehme Kontrolle, und für uns eine der seltenen Gelegenheiten mit Menschen zu sprechen, die auf Grönland leben und arbeiten. In diesem Fall waren die drei Dänen über die Armee für mindestens 12 Monate auf Mestersvig stationiert.

Das Wetter spielte dieses Mal mit. Bei herrlichem Sonnenschein wurden alle Stationen im Kong-Oscar-Fjord in Rekordzeit eingeholt. Das Schiff wird in der kommenden Woche weit nach Norden versetzt, um dort unsere Programme in der Fram-Straße/Nordgrönland zu beginnen. Heute Abend werden wir auf die ersten ausgedehnten Eisfelder dieser Reise treffen.

16. August 2009    Godthab Gulf    0°C/Nebel  73°50’N  19°00’W          

Wilfried Jokat


 
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