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ARK-XXIV/3, Wochenbericht Nr. 6

Schacht, um die Tiefe des Permafrostes zu bestimmen

Beprobungsgeraete auf dem Sneha Soe (Foto: B. Wagner)

Vermessung der Wassertiefe von der Arbeitsplattform auf dem Sneha Soe (Foto: B. Wagner)

Forschung auf Grönland


FS „POLARSTERN“ ARK-XXIV/3
Reykjavik – Bremerhaven
07.09. bis 13.09.2009


Zu Beginn der Woche waren wir noch damit beschäftigt, die Ozeanbodenseismometer zu bergen. Einige waren in der Nähe von unterseeischen Vulkanen aufgestellt worden, so dass auch sehr kleine Erdbeben im Inneren des Vulkans aufgezeichnet werden konnten. Diese Beben werden durch Bewegungen in der Kruste oder durch aufsteigendes Magma verursacht. Eines unserer Ziele war es herauszufinden, wie geologisch aktiv dieser Teil des Knipovich-Rückens ist. Mit entsprechenden Sensoren z.B. auf Spitzbergen werden diese Erdbeben nicht registriert, da die Beben zu schwach sind. Alle Geräte tauchen planmäßig auf. Am 8. September versetzten wir das Schiff nach Süden, um erneut entlang einer Linie ca. 100 km vor der Insel Shannon den Wärmefluss zu messen. Der Abstand unserer Messpunkte schwankte zwischen 40 und 80 km. Inzwischen hatten sich die Geologen wieder an das Bordleben gewöhnt und berichteten über ihre Aktivitäten:

Die Geologen wurden am 1. September wieder von ihrem Camp bei rund 80°N zurück an Bord geflogen. In den zwei Wochen wurden insgesamt 10 Seen begutachtet. Ein Teil der Seen war sehr flach und fror am Ende der zwei Wochen bereits wieder zu. Von 5 der 10 Seen konnten jedoch, zum ersten Mal von dieser Region bis zu 1,6 m lange Sedimentsequenzen gewonnen werden, die Aufschlüsse über die regionalen Umweltveränderungen liefern. Die Sedimente in den Seen waren an ihrer Basis aus meist minerogenem Material gebildet, welches wahrscheinlich während dem Eisrückzug nach der letzten Eiszeit abgelagert wurde. Mit dem Einsetzen der limnischen Sedimentation wurden die Sedimente sehr organikreich und teils sehr fein gebändert. Der hohe Anteil an Organik in den Sedimenten ist auf die überraschend reichhaltige Vegetation im Einzugsgebiet zurückzuführen. Obwohl die Untersuchungsregion auf 500-600 m ü NN lag, konnten immerhin noch Zwergweiden, zahlreiche kleine Kräuter und Gräser gefunden werden. In den fein gebänderten limnischen Lagen spiegeln sich langfristige und kurzfristige Umweltveränderungen wider. Die Beprobung mehrerer Seen in der Region ermöglicht es, lokale Klimasignale von regionalen zu unterscheiden und ist eine wichtige Voraussetzung für die Interpretation der Daten.

Ergänzt wurden die Arbeiten an den Seen durch extensives Sammeln von bestimmten eis-transportierten Steinen entlang mehrerer Profile vom Rand des Eisschildes. Die Bestimmung der kosmogenen Strahlung in den Steinen kann ebenfalls Hinweise auf den Eisrückzug bzw. Eisbewegungen in der Vergangenheit liefern. Eine GPS Station, die am Camp installiert wurde, lieferte darüber hinaus wichtige Daten zur Hebungsgeschichte der Region. Somit konnten insgesamt wichtige Daten und Proben gewonnen werden, die wesentlich zu einem umfassenden Bild der Eisrückzugsgeschichte, der Klima- und Umweltgeschichte der letzten etwa 10.000 Jahre, sowie der Stabilität des Eisschildes in der Region beitragen.

Das Wetter meinte es die ganze Woche gut mit uns. Trotz kühler Temperaturen hatten wir sehr gutes Flugwetter, so dass wir am 12. September die letzten drei GPS Stationen, die auf Grönland aufgebaut waren, bergen konnten.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause

Wilfried Jokat, 13. September 2009
Jan-Mayen-Bruchzone  +1°C    72°00’N  016°00’W


 
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