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ARK-XXIV/2, Wochenbericht Nr. 3

Bei ruhiger See wird das ROV QUEST mit Hilfe des A-Rahmen ausgesetzt.

26. Juli - 2. August 2009

Die letzte Woche an Bord ! Und erneut bestimmte der Wind und der damit einhergehende Seegang den Stationsbetrieb. An ein Aussetzen des QUEST war nach seiner sicheren Rückkehr am Sonntagmittag zunächst nicht zu denken. Windgeschwindigkeiten von 6-7 Beaufort führten zu einer Neuplanung der Geräteeinsätze, so dass zunächst die in der vorangegangenen Woche geborgene Temperaturlanze des IFREMER, mit neu programmierten Temperaturloggern ausgestattet, im Zentrum des Håkon-Mosby-Schlammvulkans ausgesetzt wurde. Nachdem eine weitere Multicorer – Station beprobt wurde, begann erneut das knapp zweieinhalbstündige Manöver, den „Colossus“ mit einem Absetzdraht ganz langsam an den Meeresboden heranzuführen, um ihn dann über einen akustisch aktivierten Auslösemechanismus die letzten 30-40 Meter frei zum Boden fallen zu lassen. Dieses zeitaufwändige Manöver macht insofern Sinn, da wir diesen Geräteträger auf diese Weise ziemlich genau an der Stelle am Meeresboden positionieren können, an der das ROV QUEST später Probenmaterial in den „Collossus“ abgeben, und neue Geräte für weitere Arbeiten entnehmen kann. Würden wir das Gerät von der Oberfläche frei zum Meeresboden fallen lassen, würde die Meeresströmung das relativ große Objekt verdriften lassen. Später stünde die Zeit zur Überwindung  der Distanzen am Meeresboden, die das ROV dann zur An- und Rückfahrt benötigen würde, in keinem Verhältnis zu dem Zeitaufwand des Aussetzmanövers.

Nachdem die Windgeschwindigkeit merklich zurückgegangen war, konnte das ROV am Montagnachmittag wieder ausgesetzt werden. Die Nacht hindurch wurden weitere Beprobungen durchgeführt und am frühen Dienstagmorgen ein bereits verloren geglaubtes Gerät, das ebenfalls im letzten Jahr von der „Jan Mayen“ ausgesetzt wurde, gefunden, und mit dem gleichen Bergemanöver wie im Fall der Temperaturlanze sicher geborgen. Unsere französischen Kollegen vom IFREMER  an Bord waren mehr als glücklich über diesen unerwarteten Ausgang des ROV-Tauchgangs.


 

Das Aussetzen des Autonomous Underwater Vehicle wird schiffsseitig mit Halteleinen kontrolliert.

Am Dienstagmittag wurde das Autonomous Underwater Vehicle (AUV) des AWI, ausgestattet unter anderem mit einem neu von uns entwickelten, prototypischen Wasserprobennahmesystem, eingesetzt. Der Einsatz hatte zu einem gewissen Grad noch Testcharakter, aber mittlerweile waren das Aussetz- und Bergemanöver zwischen Besatzung und Wissenschaft soweit optimiert worden, dass ein reibungsloser Tauchgang des AUV durchgeführt wurde. Anders als das ROV QUEST ist ein autonomes Unterwasserfahrzeug völlig unabhängig vom Schiff. Eigene Energieversorgung, vorprogrammierter Kurs und Wassertiefe, sowie eigenständig arbeitende wissenschaftliche Nutzlastkomponenten zeichnen diese Fahrzeugtypen aus.

Das AUV tauchte spiralförmig auf 500 Meter Wassertiefe ab, nahm anschließend Kurs auf den nächsten vorgegebenen Wegpunkt und tauchte dort dann später wieder in einer Spirale von 10 Metern Durchmesser auf. Alle Systemkomponenten hatten einwandfrei funktioniert, so dass die am Einsatz beteiligten Wissenschaftler und Ingenieure zwar gerne einen weiteren Tauchgang durchgeführt hätten, aber der Stationsplan für die nur noch verbleibenden zwei Tage war so dicht gedrängt, dass dazu keine Zeit mehr blieb.


 

Das norwegische Forschungsschiff "Jan Mayen" auf kurzem Zwischenstop am Håkon-Mosby-Schlammvukan, um ein Ozeanbodenseismometer aufzunehmen und es kurz darauf neu auszubringen.

Ein letztes Mal für diese Reise wurde daher später das Liftsystem „Collossus“ zum Meeresboden gefiert, der QUEST folgte wenig später. Während mit dem ROV in 1250 Metern Tiefe die letzten Arbeiten dieser Reise durchgeführt wurden, kündigte sich das norwegische Forschungsschiff „Jan Mayen“ an. Auf dem Weg von Longyearbyen nach Tromsø sollte, als weiterer Beitrag zu der Demonstration Mission „LOOME“, ein im letzten Jahr ausgebrachtes Ozeanbodenseismometer (kurz OBS)  aufgenommen, die Daten ausgelesen, und dann neu verankert werden. Da dieses Vorhaben weit im Voraus unserer Reise abgestimmt war, sahen Schiffsführung und Fahrtleitung diesem Rendezvous auf hoher See relativ entspannt entgegen. Normalerweise kommen sich Schiffe auf hoher See allerdings selten so nah, so dass die Radarsysteme der „Polarstern“ die „Jan Mayen“ aufgrund ihrer unmittelbaren Nähe zum Schiff auf den Anzeigen als „Dangerous Target“ („gefährliches Objekt“) klassifizierten. Das Auslösemanöver des OBS verlief problemlos, der Wachmatrose auf der Brücke der „Polarstern“ entdeckte die Auftriebskörper als Erster auf der Backbordseite unseres Schiffes. Eine kurze Meldung über Funk, und das Aufnehmen durch die Besatzung der „Jan Mayen“ konnte zügig voranschreiten.

Am Mittwochvormittag verabschiedete sich der Fahrtleiter der „Jan Mayen“ von uns, wir wünschten uns gegenseitig sichere Heimreise, und wenig später verschwand die Silhouette  der „Jan Mayen“ am Horizont – wir waren wieder allein auf hoher See.


 

Im Kontrollcontainer des QUEST werden die Bilder der verschiedenen Unterwasserkameras auf eine Großbildleinwand projiziert.

Inzwischen zählten wir nicht mehr Tage, sondern Stunden der noch verbliebenen Stationszeit. Letzte Aktionen waren die Bergung eines am Tag zuvor ausgesetzten Freifall-Landers, eine letzte CTD-Station und abschließend der Einsatz der am Schiffsdraht gefahrenen Temperaturlanze, um weitere Informationen zum Temperaturregime im Bereich des Håkon-Mosby-Schlammvulkans zu gewinnen. Am Donnerstag um 2 Uhr morgens war das Gerät wieder zurück an Bord, die Stationsarbeit für den Expeditionsabschnitt ARK-XXIV/2 damit beendet. Seitdem befinden wir uns auf Südwestkurs in Richtung Island. An Bord hat mittlerweile das Packen, Rückstauen von wissenschaftlichem Gerät und das Aufräumen der Labore begonnen.

Wir werden am Montag den 3. August gegen 8 Uhr morgens im Hafen von Reykjavik festmachen. Zunächst an der so genannten Bunkerpier, um zusätzlichen Treibstoff für den folgenden Fahrtabschnitt aufzunehmen, Danach verholen wir auf unseren endgültigen Liegeplatz bis zum Auslaufen der „Polarstern“ am 5. August. Die meisten Fahrtteilnehmer werden am Dienstag den Rückflug in ihre Heimatländer antreten. Alle freuen sich auf ein Wiedersehen mit den Familien, Freunden und Bekannten – es gibt vieles zu erzählen!
 
Im Namen aller Fahrtteilnehmer ein herzlicher Dank an die Besatzung der „Polarstern“, die uns bei unserer wissenschaftlichen Arbeit an Bord über die letzten Wochen tatkräftig und kompetent unterstützt hat.

Michael Klages


 
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