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ARK-XXIV/1, Wochenbericht Nr. 2

Die letzte Woche zeichnete sich durch zügiges Vorankommen aus, sowohl bezüglich der Forschungsarbeiten als auch bezüglich unserer Schiffsroute. Die vier autonom profilierenden Verankerungen in der Grönlandsee wurden bei besten Wetterbedingungen problemlos und rasch ausgetauscht und die hydrographischen Messungen führten uns dann umgehend in die eisbedeckten Regionen vor der grönländischen Küste. Die Eisbedeckung reichte ungewöhnlich weit nach Osten auch in Bereiche, in denen die satellitenbasierte Fernerkundung noch offenes Wasser vermeldete. Doch war die Bedeckung locker genug, um für Polarstern kein ernstliches Hindernis darzustellen. Ungewöhnlich war auch der, natürlich lediglich subjektiv abgeschätzte, hohe Anteil an jungen einjährigen Schollen im Packeisgürtel. Beide Aspekte zusammen erlaubten eine Fortführung der Messungen im Ozean bis unmittelbar vor die Küste Grönlands.

Zum Verdruss aller, doch in ganz besonderem Maße der zahlreich an Bord vertretenen Tierbeobachter, trafen wir dort auf eine Dauernebellage. Bei äußerst geringen Sichtweiten war weder mit üblicher Sichtbeobachtung noch mit unserer sich im probeweisen Ersteinsatz befindenden hochtechnisierten Infrarot Linescan-Anlage an gedeihliches Arbeiten zu denken. Diese Infrarotanlage ist eine Neuentwicklung zur Detektion von Walen, die während der Werftzeit in Bremerhaven installiert wurde und ihren Ersteinsatz auf diesem Fahrtabschnitt mit Bravour bestanden hat. Sowohl die Hardware-Komponenten als auch die Software sind im Wesentlichen operationell, was angesichts des hohen Komplexitätsgrades der Anlage ausgesprochen bemerkenswert ist.

Kaum beeinträchtigt durch die Wetterlage wurden dagegen die Forschungsarbeiten zur Verbesserung der Grundlagen bezüglich der Rekonstruktion vergangener Klimaperioden. Hierzu werden, probennahmetechnisch sehr einfach, Wasserproben aus der Seewasserleitung entnommen und dann später, analytisch nun wieder recht aufwendig, an Land ausgewertet. Die Filtration und Konservierung findet an Bord statt und beansprucht recht viel Zeit. Auch unsere Forschungen zum arktischen Ökosystem, die sich auf die biologische Produktivität unter variablen Umweltbedingungen konzentrieren, sind unabhängig vom Wettergeschehen: Das notwendige Wasser aus dem Ozean liefern die physikalischen Ozeanographen mit dem Kranzwasserschöpfer. Fast 300 Liter können damit auf einer Station an Bord genommen werden.

Der Weg von der Grönlandsee in die Framstraße führte uns auf fast der gesamten Strecke durch Packeis und Nebel. Erst kurz vor dem Erreichen des nächsten Einsatzgebietes auf der Breite von 78°50’N besserte sich die Sicht, und auch der durchaus schlafstörende Lärm der Eisfahrt hatte schließlich ein Ende. Wo andere Schiffe den Eisschollen vorsichtig ausweichen, fährt Polarstern einfach auf die Schollen zu und zerteilt diese oder drückt sie zur Seite. Dass diese Begegnung von Stahl und Eis kein geräuschloser Vorgang ist, versteht sich von selbst.

In der Framstraße werden wir einen Großteil unserer Zeit mit dem Bergen und Wiederauslegen von Verankerungen verbringen. Hier, im einzigen tiefen Durchgang zum zentralen Arktischen Becken, liegt eine große Anzahl dauerhaft installierter Verankerungen, um den Wasseraustausch durch die Straße zu quantifizieren. Mit diesen Verankerungsarbeiten werden wir die kommende Woche über beschäftigt sein.

Mit etwas Sonnenschein vor Spitzbergen lassen alle an Bord herzlich grüßen!

G. Budéus, Fahrtleitung ARK XXIV/1
3.7.2009


 
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