ARK-XXIV/1, Wochenbericht Nr. 1
FS Polarstern stach am 20.6.2009 pünktlich um 9:30h MESZ von Bremerhaven aus in See, um Forschungen in der Grönlandsee und in der Framstraße durchzuführen. Der Weg dorthin führte uns zunächst vorbei an Helgoland, wo ein Rendezvous auf See mit der FS Uthörn die Feiern zum 50. Jahrestag der Biologischen Anstalt Helgoland bereicherte. Dies sollte für einige Zeit unser letzter Sichtkontakt mit dem Land sein. Erst vor Norwegen kamen wir wieder in den Küstenbereich und flogen dort einige Mitarbeiter, die auf der Anfahrt dorthin noch technische Aufgaben zu erledigen hatten, per Helikopter nach Stavanger aus.
Die ersten Tage auf See sind naturgemäß stets geprägt von vielfältigen Anlauftätigkeiten. Neben dem persönlichen Kennenlernen der wissenschaftlichen und seemännischen Besatzung stehen Schiffseinweisung, Sicherheitsbelehrung, Frachtausstauung, Laborverteilung etc. auf dem Programm. Haben alle wissenschaftlichen Arbeitsgruppen ihre Frachtstücke, geht es dann an das Einrichten der Labore. Die vergleichsweise ruhige See erleichterte diesen Teil unserer Arbeit erheblich.
Der Arbeitsschwerpunkt unseres Fahrtabschnittes liegt auf physikalischen Messungen im Ozean. Sowohl die Grönlandsee als auch die Framstraße fungieren als Schlüsselregionen des Ozeanklimas. Die Grönlandsee ist eines der weltweit wenigen Gebiete, in denen Oberflächenmeerwasser im Winter eine solch hohe Dichte erreichen kann, dass es bis in große Tiefen absinkt und damit den Weltozean sozusagen ‚belüftet’. Hier beobachteten wir in der letzten Dekade eine grundlegende beckenumfassende Restrukturierung der hydrographischen Struktur. Die Framstraße wiederum ist die einzige tiefe Verbindung des zentralen arktischen Beckens mit der Umgebung, so dass der Austausch aller tieferen Wassermassen durch diese Region fließen muss. Insbesondere die Variabilität des Wärmetransportes ist erheblich und von großer Bedeutung für den Wärmehaushalt der Arktis. Die Messungen der physikalischen Eigenschaften des Ozeans und der Strömungsgeschwindigkeiten erfolgen heutzutage ganz überwiegend elektrisch und werden sowohl vom Schiff aus während des Expeditionszeitpunktes durchgeführt als auch durch das Auslegen von Verankerungen durchgehend über ein ganzes Jahr.
Die Arbeit auf den ersten Messstationen konnten wir am Freitag beginnen, die Auswechslung der ersten Verankerungen steht am morgigen Sonntag auf dem Plan. Mit Interesse beobachten wir auch bereits die Eislage vor Grönland, denn in wenigen Tagen werden wir diese eisbedeckten Regionen befahren. Die Fernerkundung mit Satelliten gibt uns diesbezüglich wertvolle Informationen im Voraus. Wo vor einer Woche noch das Durchkommen unmöglich schien, tun sich mittlerweile deutlich eisarme Gebiete auf, so dass wir uns auf ein zügiges Arbeiten vor Grönland einstellen.
Beste Grüße von Bord,
G. Budéus, Fahrtleitung ARK XXIV/1
27.6.2009


