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RK XXIII/3, Wochenbericht Nr. 8

29. September - 5. Oktober 2008 (Reykjavik – Bremerhaven)

Mitte der Woche passierten wir den Lomonossow-Rücken. Er erstreckt sich quer über den Arktischen Ozean von Sibirien bis nach Nordgrönland. Er ragt bis zu 2500 m über die Tiefseeebenen auf. Eine Tiefbohrung nahe dem geografischen Nordpol im Jahr 2004 hat Hypothesen bestätigt, dass dieser Rücken aus kontinentaler Kruste besteht. Vor ca. 55 Millionen Jahren war dieser bis zu 1800 km lange Bergzug direkt den Schelfmeeren vor Spitzbergen und Sibirien vorgelagert. Die Kontinentaldrift mit einer Geschwindigkeit von 10 mm/Jahr hat den Lomonossow-Rücken vom sibirischen Schelf getrennt und in seine heutige geografische Position verschoben bzw. die Drift ist immer noch aktiv. Wir passierten den Rücken allerdings nur auf unserem Weg zu den letzten ozeanografischen Stationen.

Am Mittwoch hatten wir diese Stationsarbeiten beendet und fuhren weiter zum Gakkel-Rücken, um dort unser Programm zu beenden. Der Weg dorthin gestaltete sich allerdings schwieriger als gedacht. Das Meereis bestand hier aus größeren Schollen und wurde von Wind und Strömung aufeinander geschoben. Konsequenz: Die Polarstern blieb mehrfach stecken und musste mit voller Maschinenleistung die Schollen brechen. Waren die Geophysiker noch abends gegen 22:00 Uhr optimistisch, ein langes Profil im Amundsen-Becken zu bekommen, war gegen Mitternacht überraschend Schluss. Das Schiff steckte erneut im Eis fest. Wir dampften danach ohne weitere geophysikalische Messungen direkt zum Gakkel-Rücken, um Zeit einzusparen. Hier sollte eine ozeanografische Boje auf einer Eisscholle installiert werden.

Am Freitag erreichten wir die letzte Eisstation. Es wurde noch einmal ein Tag voller Aktivitäten. Während die Ozeanografen, kräftig unterstützt von anderen Gruppen, in Rekordzeit das Bojensystem installierten, genoss der andere Teil der Wissenschaftler die letzte Möglichkeit zu einem Spaziergang auf einer Eisscholle. Nach einem Gruppenfoto ging es am frühen Nachmittag zu unserem letzten Programmpunkt. Mit Hilfe einer Dredge wollten wir Gesteinsproben vom östlichen Gakkel-Rücken gewinnen. Der ausgewählte Vulkan ist 2500 m hoch; die Bergspitze befindet sich 2300 m unter der Meeresoberfläche. Die ganze Operation dauerte sechs Stunden. Nach einigen Schwierigkeiten lagen ca. 500 kg Vulkangestein auf dem Arbeitsdeck. Ein voller Erfolg und klarer Hinweis darauf, dass es unter dem Eis brodelt.

Gegen Mitternacht ging das Schiff auf Südkurs. Seitdem waren wir auf dem Heimweg und wählten den schnellsten Weg aus dem Packeis. Wie auf Bestellung sahen wir bei klarem Himmel und Temperaturen um -14°C die ersten Polarlichter dieser Reise. Die Neuigkeit verbreitete sich rasend schnell, so dass viele von uns dieses Naturschauspiel bewundern konnten. Bei guter Sicht und Sonnenschein setzten wir am Samstag unseren Südkurs Richtung Wilkitski-Straße fort. Das Eis bedeckt etwa 90% des Ozeans. Für die Navigation nutzte das Schiff die nur 10 – 50 m breiten freien Wasserstellen zwischen den Schollen. Nur selten fuhren wir direkt in eine Scholle, um diese zu brechen. Trotz des Zickzack Kurses ist dies im dichten Packeis die beste Methode, treibstoffsparend voranzukommen. Heute am Sonntagnachmittag passierten wir bei kräftigem Schneefall die Eisgrenze und beendeten unser Forschungsprogramm.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause.

Wilfried Jokat
5.Oktober 2008
78°00`N 115°00’E, -9.0°C


 
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