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ARK XXIII/3, Wochenbericht Nr. 3

25. August - 31. August 2008 (Reykjavik – Bremerhaven)

Unsere Anfahrt ins Messgebiet wird fast die ganze Woche andauern. Zu Beginn der Woche wird der Transit unterbrochen, um einen erkrankten Wissenschaftler auf dem kanadischen Festland in ein Krankenhaus der Stadt Inuvik zu bringen. Er ist inzwischen wohlbehalten wieder zu Hause angekommen.

Nachdem wir die kanadischen Hoheitsgewässer verlassen haben, beginnen die Ozeanografen mit ihrem systematischen Beprobungsprogramm. Der Schwerpunkt liegt auf der Erfassung von physikalischen Messwerten, um die verschiedenen Wassermassen im Arktischen Ozean zu bestimmen. Dies erfolgt während der Reise vom Schiff aus und durch Ausbringen von autonomen Beobachtungsbojen für Ozeanmessungen auf Eisschollen. Strömungsgeschwindigkeiten dieser Wassermassen werden kontinuierlich vom Schiff aus mittels eines Acoustic Doppler Current Profiler (ADCP) gemessen. Dieses Instrument sendet Schallimpulse, die abhängig von der Schallgeschwindigkeit von Teilen der Wassersäule reflektiert und am Gerät gemessen werden. Die Fließgeschwindigkeit wird über den Doppler Effekt gemessen, den die Bewegung in Teilen der Wassersäule relativ zum Schiff im Schallsignal erzeugt. In Verbindung mit Navigationsdaten kann somit die absolute Strömungsgeschwindigkeit des Wassers berechnet werden.  Unser erstes vertikales Profil von Temperatur und Salzgehalt im Wasser haben wir in der Baffin Bay mittels eines Einwegmesssystems ermittelt. Dieses System, genannt „XCTD“ (Expendable Conductivity Temperature Depth), kann vom fahrenden Schiff ausgebracht werden und ermittelt die Tiefe aus der Fallgeschwindigkeit der Messsonde. Beim Fall werden Temperatur und elektrische Leitfähigkeit gemessen, was zusammen die Berechnung von anderen Parametern erlaubt, wie z.B. Salzgehalt und Schallgeschwindigkeit. Solche Profile, die bis auf eine maximale Tiefe von 1100m gehen, wurden entlang der Strecke von der McKenzie-Flussmündung bis zum Tschuktschen-Plateau und dem Mendelejew-Rücken gemessen. Soweit hat dieser Schnitt sehr niedrige Salzgehalte im Oberflächenwasser bis 50m Tiefe gezeigt, was mit einem verstärkten Zufluss von Süßwasser zu tun hat. Der Ursprung dieses Süßwassers liegt wahrscheinlich in den arktischen Flüssen und einer erhöhten Eisschmelze. Unter diesem Oberflächenwasser finden wir im Kanada-Becken Anzeichen von pazifischem Sommerwasser und darunter pazifischem Winterwasser, was durch Winterkonvektion (rasche Umwälzbewegung der Wassersäule) aufgrund von atmosphärischer Abkühlung und Eisbildung gebildet wird. Das Atlantikwasser in unserem Schnitt befindet sich mehrere hundert Meter unter der Wasseroberfläche und zeigt ein charakteristisches Temperaturmaximum.
 
Die nächsten Wochen werden wir weitere XCTD-Profile erfassen, ähnliche Profile mittels eines genaueren schiffsbasierten CTD Systems vom stationären Schiff aus messen und Geräte für das Ausbringen der Ozeanbojen auf dem Eis vorbereiten. Die seismischen Arbeiten beginnen am 29. August 2008. Details hierüber in den nächsten Berichten.
 
Inzwischen hat uns das hier typische Wetter eingeholt: diesig, Nebel und teilweise Schneefall.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause!

Wilfried Jokat

78°09’N  178°51’E, -1.1°C


 
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