Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ARK XXIII/3, Wochenbericht Nr. 6

15. September - 21. September 2008 (Reykjavik – Bremerhaven)

Die gesamte Woche blieb das Schiff in dichten Nebel gehüllt. Wieder hatte sich ein hartnäckiges Tief an unsere Fersen geheftet und bescherte uns dauerhaft schlechtes Wetter. Trotzdem wurde die Stimmung an Bord schlagartig besser. Was war passiert?

Seit dem 7. September läuft das geophysikalische Messprogramm. Es wird nur dreimal für je 3 Stunden unterbrochen, um die Luftpulser zu reparieren. Während die Geophysiker zunehmend zufriedene Gesichter bekommen, da die Daten eine sehr gute Qualität haben, sind die restlichen Wissenschaftler unterbeschäftigt. Ihre Messprogramme können nur bei stehendem Schiff durchgeführt werden. Als am Mittwoch die geophysikalischen Messungen wie geplant unterbrochen wurden, war allen klar, dass das restliche Programm weniger „eintönig“ werden wird. Stationsarbeiten bei stehendem Schiff und seismische/bathymetrische Messungen bei fahrendem Schiff werden sich in nächsten 2 Wochen regelmäßig abwechseln.

War bisher das Forschungsziel geowissenschaftliche Untersuchungen am ostsibirischen Kontinentrand mit Wassertiefen zwischen 50 und 2000 m, arbeiten wir ab jetzt im zentralen Arktischen Ozean. Zwischen 80-81°N sollen der Mendelejew-Rücken, ein riesiges vulkanisches Gebirge, als auch die angrenzenden Tiefseebecken untersucht werden. Das Programm wird bei 80°45’N 155°W beginnen und nach etwa 1000 Seemeilen (ca. 1900 km) in der Laptewsee enden.

Aufgrund der geringen Eisbedeckung kamen wir sehr gut voran, und begannen bereits am 18. September um Mitternacht mit den ersten Stationsarbeiten (Biologie, Ozeanografie, Geologie). Nach vier erfolgreichen Geologiestationen legten wir an einer größeren Scholle an. Hier wollten die Ozeanografen eine automatische Station aufbauen, die mindestens für 12 Monate Informationen über Temperatur und Salzgehalt des Wassers bis zu einer Wassertiefe von 1000 m direkt über Satellit in die Heimatlabore schickt. In dieser Zeitspanne bewegt sich die Boje zusammen mit der Eisscholle quer über den Arktischen Ozean.  Die Suche nach einer geeigneten Scholle gestaltete sich schwierig, da diese kaum dicker als 1 m sind. Benötigt wurde eine Eisdicke von 1,5-2,0 m. Nach mehreren Probebohrungen waren die Positionen für die drei Bojen festgelegt. Dichter Nebel behinderte allerdings einen zügigen Transport der Geräte per Helikopter auf die Scholle. Der Rest der Wissenschaftler nutzte die Gelegenheit zu einem „Landgang“ und einem Fußballspiel. Auch wenn nur selten eine Spielstrategie zu erkennen war, wurde dies durch Kampfgeist und Körpereinsatz wettgemacht. Über das Endergebnis des Spitzenspiels gab es allerdings keine Einigkeit, da die genauen Maße beider Tore nicht festgelegt waren. War aber auch nicht wirklich wichtig. Es war ein seltenes Erlebnis, 3300 m über dem Meeresboden auf einer 1,0 m dicken Scholle Fußball zu spielen.
In dieser Woche waren die Temperaturen empfindlich unter den Gefrierpunkt gefallen. Wir fuhren durch große Gebiete mit Neueisbildung, die allerdings aufgrund der Schneedecke schwer zu erkennen waren.

Alle sind gesund aber erschöpft und grüßen nach Hause.

Wilfried Jokat
21. September 2008
80°40`N 166°40’E, -7.0°C


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite