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ARK-XXIII/3, 2. Wochenbericht

18. August bis 24. August 2008

Zunächst dampfen wir weiter Richtung Norden und erreichen am 20. August die Einfahrt zur NW-Passage. Da das Wetter bisher recht mild war, konnte man nur an den länger werdenden Tagen ablesen, dass wir tatsächlich Richtung Arktischer Ozean dampfen. Begleitet wird dies durch ein Nachführen der Uhr auf die aktuelle lokale Zeit. Im Moment hinken wir 6 Stunden hinter der MEZ hinterher. Würden wir unsere Zeitbasis nicht an die geographische Länge anpassen, würden wir in unserem Messgebiet bei Dunkelheit arbeiten müssen, während es in der Nacht taghell ist.


Durch entsprechende Filme in unserem Bordprogramm ist mittlerweile jeder der es wissen möchte über die historischen Fakten zur NW-Passage (Franklin, Amundsen) bestens informiert. Allerdings benötigen wir im Gegensatz zu Roald Amundsen nicht drei Jahre, sondern nur 4 Tage, um diese Passage zu durchfahren. Wir sehen aber auch nicht viel von der Inselwelt. Nur in wenigen Wolkenlöchern gibt der Nebel den Blick auf verschneite Küsten frei. Relativ unbemerkt von den meisten Fahrtteilnehmern haben wir den Randbereich des magnetischen Nordpols passiert. Dieser befindet sich momentan unter den nördlichsten kanadischen Inseln.


Die Vorbereitungen der wissenschaftlichen Arbeitsgruppen werden in dieser Woche komplett abgeschlossen. Am 21. August nehmen die Geologen die ersten Bodenproben im Lancaster Sound, südlich der Inuit-Siedlung Resolute Bay. Danach geht es zügig weiter. Wir treffen nur auf kleinere Eisfelder in der Passage. Am Sonntag, also heute fahren wir in das Kanada-Becken ein. Dieses Tiefseebecken mit Wassertiefen bis zu 3500 m formte sich vor ca. 130 Millionen Jahren. Teile Sibiriens und Nordamerikas begannen sich zu trennen. Die Kontinentdrift im damals jungen Arktischen Ozean war von massivem Vulkanismus begleitet. Seit der Entstehung dieses Beckens wurden bis zu 5000 m dicke Sedimente, die auf den umgebenden Kontinenten erodiert worden sind, im Kanada-Becken abgelagert. Die geologische Entwicklung dieser Region besser zu verstehen, ist eines der Hauptziele der geophysikalischen Arbeitsgruppe an Bord.

Im Moment findet aber das eigentliche Forschungsprogramm noch nicht statt. Einen Vorgeschmack was uns erwartet, bekommen wir vom Wetter: Schneefall, dichter Nebel, Temperaturen um den Gefrierpunkt. Das Meereis hat sich in dieser Saison weit nach Norden zurückgezogen, so dass wir nur durch kleinere Eisfelder behindert, direkt unser Messgebiet anfahren können. Wir hoffen, dass wir am nächsten Mittwoch mit den Forschungsarbeiten beginnen können.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause                Wilfried Jokat

24. August 2008            74°48’N 130°38’W         -0.7°C


 
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