ARK-XXIII/3, 1. Wochenbericht
12. August bis 17. August 2008
Die erste Woche ist geschafft! Alle sind gesund und munter eingetroffen. Nach Ankunft der größten Wissenschaftlergruppe in Reykjavik am 12. August 2008, gab es nur ein paar kleine Probleme. Einige Koffer fehlten. Während sich ein Koffer doch noch am Flughafen anfand, lag der zweite in aller Ruhe in Kopenhagen und wird an die Heimatadresse zurückgeschickt.
Pünktlich legte FS Polarstern um 20:00 ab und dampfte planmäßig Richtung Südspitze Grönland. Bis ins eigentliche Forschungsgebiet liegen noch 14 Tage Transit vor uns. In aller Eile wird trotzdem alles ausgepackt, um festzustellen, ob die wissenschaftliche Fracht vollständig angekommen ist.
Am 15. August umfahren wir die Südspitze von Grönland und dampfen jetzt in nördliche Richtung zur Nordwest-Passage. In der Seefahrt wurde die Passage durch die tragische Franklin Expedition in den Jahren 1845-1848 bekannt, bei der alle Expeditionsmitglieder (134 Personen) u.a. aufgrund einer Lebensmittelvergiftung ums Leben kamen. Man war auf der Suche nach einem kurzen Seeweg zwischen Europa und Asien. Nach der Bezwingung durch Roald Amundsen in den Jahren 1903-1906 war es lange Zeit um die Nordwest-Passage ruhig geworden. Die Eisbedingungen waren regelmäßig so schlecht, dass dieser Seeweg nicht routinemäßig von konventionellen Schiffen befahren werden konnte.
Dies hat sich in den letzten Dekaden deutlich verändert. Das Eis in den Fjorden von Nordkanada verschwand zunehmend in den Sommermonaten, so dass eisbrechende Schiffe diese Route nutzen konnten. In den letzten drei Jahren konnten Schiffe die Passage durchfahren ohne auf jegliches Meereis zu treffen. Dies nutzen wir auch für unsere Expedition, um in unser Messgebiet an der Datumsgrenze, der Ostsibirischen See, zu gelangen. Aufgrund der momentan sehr guten Eisbedingungen werden wir früher mit unserem Messprogramm beginnen können als geplant, da uns die geringe Eisbedeckung erlauben wird, mit den seismischen Messungen bereits im Kanada-Becken zu beginnen.
Heute beginnen wir mit den ersten Tests. Ein 3000 m langes Messkabel der Geophysiker wird ins Wasser getaucht, um die Funktionstüchtigkeit zu prüfen und den Einsatz in der Ostsibirischen See vorzubereiten. Kurze Zeit später überfahren wir den nördlichen Polarkreis. Natürlich wurde dies von Neptun unter heftigem Protest bemerkt. Wir hatten vergessen eine Genehmigung zu beantragen. Dies wird wohl noch Konsequenzen haben. Zunächst wurde ein Eisberg geschickt, der sogleich vollständig abgelichtet wurde.
Alle sind gesund und grüßen nach Hause
Wilfried Jokat
17. August 2008 Nördl. Polarkreis 5°C


