Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite

 

ARK XXIII/3, Wochenbericht Nr. 5

7. September - 14. September 2008 (Reykjavik – Bremerhaven)

Eisbärenalarm! Nach der erstmaligen Sichtung in der vergangenen Woche hatten wir nun zweimal in Folge das Glück den Ursus maritimus vor unsere Kameras zu kriegen. Der Erste, ein typischer Einzelgänger, trieb auf einer Eisscholle weniger als 50 m am Schiff vorbei und musterte uns gelangweilt. Das zweite Mal handelte es sich dann um eine Mutter mit Kind, die ebenfalls in weniger als 100 m an unserem Schiff vorbei schwamm. Da diese Begegnung über die Bordlautsprecher angekündigt wurde, gibt es wohl keinen mehr an Bord der Polarstern, der noch keinen Eisbären gesehen hat.

In dieser Woche gab es nun doch einige Veränderungen in den Wetterbedingungen. Der Nebel, der uns fast die gesamte letzte Woche begleitete, hat sich gelichtet und erlaubt es der Sonne nun öfters, uns mit ihren Strahlen zu erfreuen. Auch der Schneefall hat seit dem Verlassen des Eises aufgehört; wir haben den „südlichsten“ Punkt unseres Messgebietes erreicht. Von nun an geht es wieder nach Norden und die Vorfreude auf ausgedehntes Packeis und einen eventuellen Eisschollen-Spaziergang steigt. Um dies zu ermöglichen, erstellen die Ozeanographen mit Daten der Universität Bremen 2x wöchentlich eine aktualisierte Karte der Eisbedeckung in unserem Arbeitsgebiet.

Das geophysikalische Messprogramm läuft noch immer auf Hochtouren und die Luftpulser wummern ununterbrochen. Mittlerweile nimmt die Erschütterungen, die dadurch alle 15 s das Schiff erfassen, jedoch kaum noch jemand wahr. Da während der seismischen Messungen das Schiff nicht gestoppt wird, sind für die anderen Arbeitsgruppen, bis auf die Ozeanographen mit ihren unabhängigen XCTD-Messungen, keine Stationen vorgesehen. Der richtige Zeitpunkt, sich mit der Archivierung und einer ersten Analyse der bisher gesammelten Daten zu beschäftigen! Die Geologen haben begonnen ihre Sedimentkerne zu öffnen und sie fotographisch zu dokumentieren. Es werden Röntgenbilder gefertigt, um Mikrostrukturen im Sediment zu detektieren, sowie Anhaltspunkte für eine genauere Beprobung auf Mikrofossilien wie z. B. Foraminiferen zu erhalten. Diese können später, auf Grund ihrer carbonathaltigen Schalen, für Altersdatierungen über die Radiocarbon-Methode benutzt werden. Ein schlüssiges Altersmodell ist die Grundlage jeder weiteren Arbeit an den Sedimenten. Desweiteren können die Geologen eine Vielzahl erster Analysen direkt hier an Bord durchführen. Dazu gehören z.B. die Messung physikalischer Eigenschaften der Sedimente (u. a. Dichte und magnetische Suszeptibilität), ein Farbscan der Kerne sowie die mikroskopische Untersuchung der Grob- und Feinfraktion der Sedimente. Letzteres erlaubt erste Aussagen über die Liefergebiete der Sedimente. Die Geochemiker, als Teil der Geologie Arbeitsgruppe, beschäftigen sich zurzeit mit der Analyse des in den Sedimenten enthaltenen Porenwasser, um die chemische Prozesse innerhalb der Sedimente besser zu verstehen.

Die Biologen filtrieren fleißig arktisches Ozeanwasser nach Mikroorganismen, welches sie aus verschiedenen Tiefen entnommen haben, während die jungen Damen der Bathymetrie den Meeresboden noch neuen, noch nicht kartographierten Strukturen mit dem Hydrosweep-Fächerlot scannen.

Trotz der zahlreichen Arbeiten, die Tag für Tag anliegen, bleibt dennoch Zeit, sich mit sportlichen Aktivitäten auch körperlich fit zu halten. So hat das Tischtennisturnier hier an Bord mittlerweile seine heiße Phase erreicht und es wird verbissen um den Einzug ins Achtelfinale gekämpft. Da der Wiege-Club, ein bordeigenes Instrument zur freiwilligen Selbstkontrolle des Eigengewichtes, auf Hochtouren läuft, ist es teilweise schwer, einen Platz an den Geräten des Fitnessraumes zu ergattern.

Die Halbzeit der Expedition ARK XXIII/3 wurde am 13.09. erreicht und trotz der langsam winterlich werdenden Temperaturen (-3,9 °C) mit einem großen Grillfest gefeiert. Anschließend wurde bei guter Musik und bester Laune bis in die Morgenstunden getanzt.

Alle sind gesund und grüßen nach Hause.

Michael Schreck und David Naafs
14. September 2008
76°21`N 178°7’E, -4.0 °C


 
Druckversion dieser Seite
PDF-Version dieser Seite