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ARK XXIII/2, 4. Wochenbericht

Polarstern am Eisrand in der Nordost-Wasser-Polynja (Foto: Martin Graeve)

27. Juli bis 2. August 2008

 

Forschung in der Polynja und die Suche nach den seismischen Stationen

 

Am 27. Juli haben wir unsere Arbeiten in der Nordost-Wasser-Polynja unterbrochen, um den hydrographischen Schnitt entlang 78°50’ Nord zu komplettieren und um die seismischen Stationen wieder von den Eisschollen zu bergen. Wie schnell sich das Wetter hier ändern kann, haben uns diese Tage gezeigt. Nebelfelder und gute Sicht wechseln sich schnell ab.

 

Seit dem 14. Juli wurden jeweils eine oder zwei der 9 seismischen Stationen auf Eisschollen über dem Lenatrog, der zentral zwischen Spitzbergen und Grönland liegt, mit Hilfe der Helikopter abgesetzt. Durch die vielen Nebelfelder war die Suche nach einer optimalen Position oft einschränkt. Die Instrumente wurden an Presseisrücken aufgebaut. Das sind sie Bereiche, wo sich zwei Eisschollen zu einem kleinen Rücken zusammen geschoben haben und dadurch die Stabilität der Scholle größer ist. Dort wurde ein Seismometer im Schnee eingegraben, und eine rote Kiste sowie eine rote Fahne aufgestellt, um die Ausrüstung vor dem Wetter zu schützen bzw. das Auffinden zu erleichtern.

 

Das Auffinden der Stationen erwies sich jedoch als die sprichwörtliche Suche nach der Nadel im Heuhaufen trotz täglicher E-Mails mit der Position der Seismometer. Im Verlauf eines Tages konnten die drei Seismologen und die beiden Piloten 8 der 9 Stationen aufnehmen. Dafür waren sie immerhin 13 Stunden mit dem Hubschrauber unterwegs. Aber immer noch fehlte die neunte Station. Da wir außerhalb der Reichweite des Internets waren, konnte auch die Position der Station nicht direkt abgefragt werden. Am 29. Juli sollte es dann endlich gelingen. Trotz einer Entfernung von nur 30 Meilen vom Schiff wurden drei Stunden und ein Iridiumtelefonat wegen der Position für die systematische Suche im Nebel benötigt, um die Station zu entdecken. Damit sind alle Instrumente wieder sicher auf dem Schiff, so dass auch dieses Projekt erfolgreich endete. Nun werden die Aufzeichnungen der Geräte begutachtet und erste Auswertungen vorgenommen.

 

In der Nacht zum 30. Juli ging es dann nach Norden, um dort einen weiteren hydrografischen Schnitt über den Kontinentalhang bis zur grönländischen Küste entlang 79°50’ N zu beginnen. Im westlichen Teil dieses Gebiets waren wir dann wieder in der Nordost-Wasser-Polynja. Dort liegen riesige Eisberge von bis zu 300 mal 300 m Größe, die an Tafeleisberge in der Antarktis erinnern. Sie liegen in den flachen Gebieten der Polynja aufgrund ihrer Größe fest auf dem Meeresboden. Die Eisberge kommen vermutlich von dem Nioghalvfjerdsbrae, dem 79-Grad-Gletscher. Wir spekulieren, dass diese Eisberge dafür verantwortlich sind, dass das Eis nicht aus der Polynja heraus treiben kann. Ein Versuch, in dieses eisbedeckte Gebiet vorzudringen, scheiterte an den Presseisrücken, die sich am Rand des Eisfeldes aufgetürmt haben. Die Polarstern konnte zwar in dieses Gebiet eindringen, doch ein weiteres Vorankommen in der geschlossenen Eisdecke war dann doch zu aufwendig. Daher wurden die Arbeiten in den offenen Gebieten der Polynja fortgesetzt. Doch auch hier erwiesen sich die großen Eisfelder, die langsam nach Nordosten treiben, als Hindernis, und wir mussten viel Zeit und Kraft aufwenden, um in diesem Gebiet voranzukommen.

 

Am 1. August gegen 9:30 Uhr konnten wir bei leichtem Nebel die totale Sonnenfinsternis, die nur in der Arktis zu sehen war, miterleben. Alle waren an Deck, um das Schauspiel mit schnell hergestellten, verdunkelten Gläsern zu verfolgen.

 

Wir setzten nun unsere Arbeit erst einmal mit dem nördlichsten Schnitt fort, wobei wir Positionen über 82° Nord erreichen. Danach werden wir unsere Arbeiten in der Polynja beenden und die geodätischen Instrumente, die auf Grönland stehen, wieder zurückholen.

 

Herzliche Grüße von der schönen grönländischen Küste,

Gerhard Kattner

 

 

 


 

Aufbau einer seismischen Station auf einer Eisscholle (Foto: Carsten Riedel)

Eisberge im Polynja-Gebiet (Foto: Martin Graeve)


 
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