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ARK XXIII/2, Wochenbericht Nr. 5

Installation of a geodetic station on Greenland (Photo: Ralf Rosenau)

Aufbau einer geodätischen Station auf Grönland (Foto: Ralf Rosenau)

3. bis 10. August 2008

 

Die nördlichste Position und Abschluss der geodätischen Arbeiten

 

In der nunmehr letzten Woche haben wir unsere Forschungsarbeiten in der Nordost-Wasser-Polynja fortgesetzt. Auf den Eiskarten hatten wir gesehen, dass sich nördlich von Grönland ein breites, eisfreies Gebiet gebildet hatte. Diese Chance wurde genutzt, um die ozeanografischen und chemischen Arbeiten über den grönländischen Kontinentalhang nach Norden zu erweitern. Dabei drangen wir nach Norden bis 82°24’ vor. Wir haben jetzt aufmerksam die Veränderungen in der Eisbedeckung verfolgt, um unsere Stationsarbeiten so zu optimieren, dass wir möglichst wenig Zeit mit Eisbrechen verbringen. So konnten wir die Untersuchungen in der Polynja weiter verdichten, aber in die eisbedeckten Gebiete war kein Vordringen möglich, obwohl auf den Eiskarten auch weiter südlich die ersten Brüche in dem riesigen Eisfeld zu erkennen waren.

 

Vor der grönländischen Küste interessierte uns besonders, ob hier wieder pazifische Wassermassen auftreten, so wie es in den Jahren vor 2004 regelmäßig der Fall war, danach jedoch nicht mehr. Dieses Wasser kommt durch die Beringstraße in den Arktischen Ozean, fließt entlang der kanadischen Küste und dann durch den Kanadischen Archipel und in früheren Jahren auch entlang der ostgrönländischen Küste in den Nordatlantik. Erste Berechnungen haben jedoch ergeben, dass der Anteil von pazifischem Wasser auch in diesem Jahr nur sehr gering ist.

 

Während der ganzen Fahrt haben die Vogel- und Säugetierbeobachter interessante Ansammlungen von Vögeln in Frontbereichen, dort wo sich polare und atlantische Wassermassen treffen, vorgefunden. Hier ist das Nahrungsangebot in Form von Zooplankton wahrscheinlich besonders groß. Das Vorkommen vom Zooplankton wurde regelmäßig mit einem neuartigen Kamerasystem, das hervorragende Fotos liefert, bestimmt. Insgesamt wurden auch 25 Eisbären gezählt, so dass jeder einmal einen Eisbären gesehen hat.

 

Am 6. August wurden die Stationsarbeiten mit CTD-Messungen und Wasserprobenahmen beendet, da wir uns auf den Rückweg nach Reykjavik machen mussten. Am Morgen besuchte uns dann auch Neptun, um die Polartaufe abzunehmen und die nunmehr Gereinigten in seinem Reich willkommen zu heißen, nachdem er uns während der ganzen Fahrt freundlich gesonnen war.

 

Die letzten wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich mit der Aufnahme der GPS-Stationen, die vom 24. bis 26. Juli auf Grönland installiert wurden. Die Geodäten aus Dresden hatten insgesamt 17 Stationen aufgebaut, sieben davon bereits während des ersten Fahrtabschnitts. An 16 Stationen wurden dafür stabile Vermarkungen im Fels eingebracht, die die Antenne aufnehmen und die bei einer Wiederholung der Messung dieselbe Konfiguration ermöglichen. Eine siebzehnte Station wurde auf dem 79-Grad-Gletscher aufgebaut, um die Fließgeschwindigkeit und die vertikale Bewegung aufgrund der Ozeangezeiten zu messen. Die GPS-Daten auf den Felspunkten ermöglichen eine präzise Erstbestimmung der Stationskoordinaten. Durch weitere Messungen in den nächsten Jahren wird die Bestimmung von vertikalen Verformungen der Erdkruste möglich, die vor allem aufgrund der Veränderungen nach der letzten Eiszeit zu erwarten sind. Alle Stationen konnten mit insgesamt sieben Helikoptereinsätzen vom 5. bis 8. August erfolgreich abgebaut und geborgen werden, während Polarstern weiter in Richtung Süden fuhr. Dafür waren die Piloten, die Heli-Techniker und die Kollegen der Bordwetterwarte in vollem Einsatz, so dass alles ohne Probleme bewältigt werden konnte. Auch das Wetter, der entscheidende Faktor für das Fliegen, spielte mit und erlaubte schöne Einblicke in die großartige Natur Grönlands.

 

Alle wissenschaftlichen Arbeiten konnten mit großem Erfolg durchgeführt werden. Unser Dank gilt dem Kapitän und der Besatzung, die uns ein weiteres Mal durch ihre Erfahrung und unermüdlichen Einsatz zu diesem Erfolg verholfen haben.

 

Jetzt sind wir auf dem Weg nach Reykjavik. Die letzten Eisschollen sind verschwunden, und wir grüßen noch einmal alle ganz herzlich,

Gerhard Kattner.

 

 


 


Die Wissenschaftler an Bord Polarstern


 
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